Gemeinnützige: Leistbares Wohnen erfordert Kurskorrektur zugunsten sozial gebundenen Wohnbaus

Wien (OTS) - Die steigenden Mietkosten haben die Frage der Leistbarkeit des Wohnens aufs Tapet gebracht. So sehr sich die Politik über den Handlungsbedarf einig weiß, so wenig besteht darüber Konsens, mit welchen Mitteln und Wegen ein ausreichendes Angebot erschwinglicher Wohnungen bereitgestellt werden soll. Bisher hat sich die Politik vor allem darauf konzentriert, trotz allen Kostendrucks die Mieten über die Wohnbauförderung im Rahmen zu halten. Eine verstärkte Wettbewerbsorientierung unter den Bauträgern sollte dabei Ansporn sein, die anvisierten Mieten zu erreichen. "Zu den zentralen Funktionen des sozialen Wohnbaus gehört es," erklärte Mag. Karl Wurm, Obmann des Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen, am Donnerstag, den 20.12, im Rahmen einer Pressekonferenz, "die Leistbarkeit nachhaltig zu sichern, soll doch der sozial gebundene Wohnraum zu erschwinglichen Konditionen immer wieder neuen Generationen zur Verfügung stehen. Auf diesen Aspekt wurde in letzten Jahren zu wenig Bedacht genommen." Der geförderte Wohnbau wurde auch für jene Bauträger zugänglich gemacht, welche aus ihrer Renditeorientierung diese Langfrist-Garantie für kostengünstiges Wohnen nicht gewähren, weil sie nach Auslaufen der Wohnbauförderung die Wohnungen zu Marktpreisen vermieten oder verkaufen können. Was es daher braucht, ist eine Kurskorrektur der Politik zugunsten eines sozial gebundenen Wohnbaus. Wurm: "Es gilt jene Wohnungsanbieter zu stärken, die zur Umsetzung dieser allseits akzeptierten Zielvorstellung am besten geeignet sind - das sind wir Gemeinnützige".

Mit der Kostendeckung, Vermögensbindung, der spekulationsfreien Bewirtschaftung und kontinuierlichen Instandhaltung sowie dem dichten Kontrollnetz ist das Geschäftsmodell der GBV nicht auf kurzfristige anlegerorientierte Renditemaximierung ausgerichtet, sondern auf die nutzerorientierte Bereitstellung von leistbaren und gut in Schuss gehaltenen Wohnraum. Während rendite- bzw. investororientierte Unternehmen die Objekte nach Abstattung aller Darlehen im legitimen Interesse ihrer Eigentümer gewinnmaximierend verwerten bzw. die wesentlich höhere angemessene Marktmiete verlangen können, bleiben die entschuldeten Wohnungen bei den Gemeinnützigen dauerhaft zu einer limitierten Miete von derzeit höchstens 3,29 Euro/m2 erhalten. "Die für die Errichtung von über 550.000 preisgebundenen gemeinnützigen Mietwohnungen eingesetzte Förderung findet", erklärte der GBV-Obmann, "so besonders nachhaltige Verwendung." Dagegen wird der Förderungsvorteil, d.h. die Differenz zwischen der günstigen geförderten Miete und der Marktmiete von den privaten bzw. gewerblichen Eigentümern abgeschöpft. Wie hoch dieser "Abschöpfungseffekt" ausfällt, zeigt ein Wohnungsinserat: Darin wird eine in Wien liegende rd. 54 m2 große Wohnung eines gewerblichen Bauträgers um 416 Euro/Monat angeboten, dies mit dem Hinweis, dass 2014, nach Auslaufen der Wohnbauförderung, die Miete um fast das Doppelte auf 795 Euro/Monat steigt. Bei den Gemeinnützigen würde die Miete (inkl. des auf die monatliche Vorschreibung umgelegten Finanzierungsbeitrages) nur 297 Euro/Monat ausmachen.

Univ.-Prof. Dr. Dietmar Rössl, Vorstand des Forschungsinstituts für Kooperationen und Genossenschaften, führte aus, dass die günstigen Wohnungsmieten, die überwiegend unbefristeten Mietverträge, die generationenübergreifende Bewirtschaftung und Sanierung der Wohnungsbestände und den bei Wohnungsgenossenschaften aus dem solidarischen Eigentum erwachsenden gesteigerten Mitentscheidungsmöglichkeiten nicht nur zum Vorteil der Bewohner sind und damit einen "Member Value" erzeugen, sondern darüber hinausgehend auch einen Public Value, einen gesellschaftlichen Mehrwert, entstehen lassen. Die niedrigen Mieten des über eine halbe Mio. Wohnungen zählenden GBV-Mietwohnungsbestandes dämpfen das gesamte Mietniveau, der hohe gemeinnützige Mietwohnungsbestand (40% der gesamten Mietwohnungen) stabilisiert zudem den Wohnungsmarkt und reduziert dadurch die Gefahr spekulativer Auswüchse am Immobiliensektor und mit der bei weitem höchsten Sanierungsrate von 6% tragen die Gemeinnützigen überproportional zur Reduktion der CO2-Ausstoßes im Gebäudesektor bei. Rößl: "Insgesamt lässt sich zeigen, dass die spezifische Eigenlogik des gemeinnützigen Wohnbaus und insbesondere ihrer Wohnungsgenossenschaften zu nachhaltig leistbarem Wohnen führt."

Wie eine am Forschungsinstitut für Kooperationen und Genossenschaften der WU durchgeführte breit angelegte Umfrage ergab, wird diese "Eigenlogik" von der Bevölkerung auch im großen Ausmaß wahrgenommen. So ergab die unter 3.000 Befragten durchgeführte Erhebung nicht nur mit 88% einen sehr hohen Bekanntheitsgrad von Wohnungsgenossenschaften, sondern auch deutlich über 75% liegende Zustimmungswerte zur langfristigen Unternehmensstrategie und des Wiedereinsatzes des erwirtschafteten Vermögens von Genossenschaften. "Jetzt liegt es an der Politik, ob sie sich für diese Kurskorrektur zugunsten eines langfristig sozial gebundenen Wohnbaus entscheidet", betonte Wurm. "Wenn sie nachhaltig leistbaren Wohnraum haben möchte, sollten daher die Wohnbauförderungsmittel prioritär jenen Wohnbauträger bereitgestellt werden, die dieses Ziel auch aufgrund ihres Unternehmenszwecks verfolgen."

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Mag. Karl Wurm
GEWOG/Neue Heimat
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