Zunehmende Kinderlosigkeit vielfach "hausgemacht"

Wien (OTS) - "Jungen Frauen und Familien wird das Kinderkriegen häufig sehr schwer gemacht", bestätigt Mag. Martina Kronthaler, Generalsekretärin der aktion leben österreich eine neue Studie des deutschen Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB). Die Benachteiligung von Frauen mit Kindern begünstige in Österreich den Verzicht auf Kinder. Die aktion leben fordert ein gesellschaftliches wie politisches Umdenken, mehr Solidarität mit jungen Müttern und Familien sowie eine langfristig investierende und verlässliche Familienpolitik.

Kinderbetreuung weder gesichert noch qualitativ zufriedenstellend Die Gründe für die zunehmende Kinderlosigkeit sind komplex, aber vielfach hausgemacht. Kronthaler: "Frauen bekommen - wenn überhaupt -einen Kinderbetreuungsplatz, wenn sie berufstätig sind. Den Job erhalten sie in der Regel aber nur, wenn sie nachweisen können, dass ihre Kinder untergebracht sind." Diese Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei eine große Frage, schon bevor sich Frauen für oder gegen Kinder entscheiden würden.

Mehr und besser

Die Betreuungsplätze gerade für unter Dreijährige sind so rar, dass ein qualitatives Abwägen gar nicht in Frage kommt. "Oft ist der Ausbau an Betreuungsplätzen unserer Meinung nach zulasten der Qualität gemacht worden", sagt Kronthaler. Die aktion leben fordert deshalb die Politik auf, den Ausbau von Betreuungs-Einrichtungen Hand in Hand mit verbesserter Infrastruktur, Ausbildung der PädagogInnen und Qualität voranzutreiben.

Väter stärken

Trotz Väterkarenz gehen in den meisten Fällen immer noch die Frauen in Karenz, Teilzeit arbeiten oder in den Pflegeurlaub. Kronthaler weiß: "Männer fühlen sich oft zu wenig zuständig oder verfallen angesichts des Vaterwerdens in Panik. Das Vaterwerden hat in unserer Gesellschaft immer weniger Wert!" Dabei hält Kronthaler Väter für den Dreh- und Angelpunkt, wenn es darum geht, sich mutig für Kinder zu entscheiden: "Wir müssen dringend die Männer ermutigen, dass sie als Väter wirklich gebraucht werden."

Wie die Zukunft planen ohne Sicherheiten?

Das erscheint nicht einfach angesichts des Drucks seitens des Arbeitsmarktes, zu weniger leistbarer Wohnungen für Familien und der damit einhergehenden Verunsicherung bezüglich der Zukunft. Gleichzeitig müssen junge Menschen oft so lange um Ausbildung und Etablierung im Beruf kämpfen, dass sie das Erreichte nicht durch Kinder riskieren wollen. An wirklich unterschiedlichen und flexiblen Arbeitszeitmodellen seitens der Wirtschaft mangelt es noch immer. Das begünstigt, kinderlos zu bleiben.

Kinder als beruflicher Bremsschuh

Gerade für Frauen bedeutet eine Babypause oft den Karriereknick. Wo und wenn überhaupt kann sie beruflich wieder einsteigen? Gegebenenfalls muss sie unter ihrer Qualifikation oder mit monetären Einbußen arbeiten. Dabei ist aber dann zusätzlich ein Kind zu versorgen. Auf die Pension wird die Karenz zwar angerechnet - aber zu wenig, zumal die jahrelangen Arbeitszeiten in Teilzeit kaum Niederschlag finden. "Eine Anpassung ist überfällig", findet Kronthaler, "wenn wir nicht in einigen Jahren vor Generationen von verarmten Müttern stehen wollen."

Jung Eltern zu werden, nicht leistbar

Besonders unattraktiv sei es, in jungen Jahren Kinder zu bekommen, beobachtet Kronthaler. "Außer den eigenen Herkunftsfamilien gibt es keinerlei öffentliche Unterstützung für schwangere Frauen, junge Mütter und Familien, die sich noch in Ausbildung oder Studium befinden. Das wirft die Betroffenen oft um Jahre zurück und macht wenig Mut zum Kind."

Erst die Karriere - dann lieber gar keine Kinder?

Dabei sind gerade die 20er Jahre bei Frauen wie Männern die fruchtbarsten. Danach sinkt die Fertilität. Demnach rutschen auch Menschen in die Kinderlosigkeit, weil sie zu lange gewartet haben.

Solidarität beweisen

"Vertrauen in die Zukunft und Mut zu Kindern können wir nur erzeugen, wenn wir familienpolitisch, finanziell und gesellschaftlich mehr Solidarität mit jungen Familien beweisen", so Kronthaler weiter. Dazu gehören

  • eine langfristig verlässliche Familienpolitik
  • qualitativ hochwertige Betreuungsangebote für jedes Kind
  • ein öffentlich finanzierter Hilfsfonds für schwangere Frauen und Familien in Not
  • Unterstützung und betreute Wohneinrichtungen für schwangere Frauen, Mütter und Eltern in Ausbildung und Studium
  • Familienarbeit und Erwerb auch für Väter besser vereinbar gestalten, dass auch für Männer Karenz und Teilzeitarbeit attraktiv und finanziell umsetzbar sind
  • Familienzeiten stärker auf Gehalt und Pension anrechnen
  • sowie für die allgemeine Work-Life-Balance auch in der Wirtschaft flexiblere und praxisorientiertere Arbeitsplatzmodelle durchsetzen

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aktion leben österreich
Daniela Orler
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