- 17.12.2012, 18:24:17
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "In Guns We Trust..."
Ausgabe vom 18. Dezember 2012
Utl.: Ausgabe vom 18. Dezember 2012 =
Wien (OTS) - Moral ist ein zweischneidiges Schwert. Auch Österreich
wird vermutlich fassungslos das Geschehen in der Schule in Newtown,
Connecticut beobachtet haben. 27 Tote, darunter 20 Kinder, forderte
der Amoklauf des Schützen. Mit diesen Gewaltorgien muss Schluss sein,
forderte US-Präsident Barack Obama bei der Trauerfeier im schwer
geprüften Städtchen. Es wird ihm niemand widersprechen.
In Europa und auch Österreich ist das Unverständnis groß, dass die
USA derart laxe Waffengesetze tolerieren können. Vollends
unverständlich wird der Satz, dass mehr Waffen das Massaker hätten
verhindern können. Soll jeder Lehrer in der Schule mit einer
geladenen Pistole herumlaufen?
Voller Doppelmoral ist der Satz, dass die liberalen Waffengesetze
Teil des Freiheitsverständnisses der Amerikaner seien. Die
Vollmachten des US-Heimatschutzministeriums höhlen diese
Bürgerfreiheiten bei weitem stärker aus, als es eine Beschränkung der
Waffenverkäufe jemals könnte.
Europa ist empört, Österreich auch. Doch Österreich profitiert von
diesem Wahn der Amerikaner - und das nicht zu wenig. Zu den
beliebtesten Waffen der USA zählen Pistolen der Marke Glock. Der
heimische Unternehmer beschäftigt in seinen österreichischen Werken
600 Mitarbeiter. 42 Millionen investiert der Industrielle im Werk
Ferlach, das Land Kärnten fördert dies mit 1,7 Millionen Euro. 40
Beschäftigte bringt das, zusätzlich zu 330 bestehenden
Arbeitsplätzen.
Nicht nur Glock, auch andere Waffenproduzenten sichern in Österreich
Arbeitsplätze. Das Scharfschützen-Gewehr von Mannlicher erfreut sich
hoher Reputation in der Branche. Die vielfältige Munition von
Hirtenberger gilt ebenso als technologisch "ausgereift".
Wenn Österreich also - solidarisch mit Newtown - den Übeltätern in
den USA die Pest wünscht, so sollte doch klar sein, dass Österreich
eines der Länder ist, die zu deren Bewaffnung beitragen - und das
nicht zu knapp.
Sollte also in den USA (endlich) ernsthaft daran gedacht werden, die
Waffengesetze zu verschärfen und damit den Absatz zu reduzieren, so
sollte sich Österreich nicht allzu überlegen fühlen dabei. Wohl wahr,
dass die Produktion im Ernstfall einfach in ein anderes Land
verlagert werden könnte, aber derzeit produziert Österreich ganz
schön viele Schießeisen...
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