TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Zu viele dieser Tragödien", von Liane Pircher, Ausgabe vom 16. Dezember 2012

"In den USA wird nach jedem Amoklauf über das liberale Waffenrecht diskutiert. Geändert hat sich nichts. Die Waffenlobby ist zu stark."

Innsbruck (OTS) - Der Schock sitzt tiefer denn je. Trotz Obamas Tränen ist fraglich, ob die USA an ihren laxen Waffengesetzen schrauben.

In einem sind sich alle einig: Die USA sind zu oft Schauplatz schrecklicher Amokläufe. Erst im Juli 2012 forderte eine Wahnsinnstat in einem vollen Kinosaal bei einer Batman-Premiere zwölf Tote und 60 Verletzte. Und nun die Tragödie in der Grundschule der amerikanischen Kleinstadt Newtown. Zwanzig tote Kinder. Zwischen fünf und zehn Jahren. Sieben tote Erwachsene. Gezielt, aber wahllos erschossen. Man will von solchen Taten gar nichts hören, weil es so bedrohlich ist. Umso mehr, wenn es Kinder betrifft. Das schmerzt, macht wütend und ratlos zugleich. Wie so oft ist das bisherige Leben des Täters unauffällig. Es gibt kein Motiv. Wie auch? Was kann es überhaupt für ein "Motiv" geben, um wahllos auf Kinder zu schießen? Für solche Tragödien gibt es keine Erklärung, dafür ist die psychische Vielfalt des Einzelnen und ihre Unberechenbarkeit zu komplex. Selbst diese Erkenntnis tröstet nicht. Gewohnt sind wir, dass nahezu reflexartig die laxen Waffengesetze in den USA ins Gerede kommen. Nach jedem Amoklauf ist darüber diskutiert worden, das liberale Waffenrecht zu verschärfen - ohne dass je Konsequenzen folgten. Passiert ist stets nichts, die Waffengesetze blieben so, wie sie sind.
Das liegt vor allem an der Waffenlobby, die in den USA über enormen Einfluss verfügt. Sie betrachtet die Waffen in den Haushalten als kulturelle Eigenheit der USA und wehrt jeden Reformwunsch als Angriff auf die bürgerlichen Freiheiten ab. Auch wenn nun Präsident Barack Obama unter Tränen in seiner Rede andeutete, dass diese Bluttat politische Konsequenzen haben muss, ist fraglich, ob sich an den Waffengesetzen wirklich etwas ändern wird. Es ist eher unwahrscheinlich. Trotz der toten Kinder.

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