FP-Haslinger/Unger: Projekt "Danube Flats" wird Anrainer massiv beeinträchtigen

FPÖ stellt Dringliche Anfrage

Wien (OTS/fpd) - Bis vor einem Jahr wurden im "Cineplexx"-Kino bei der Wiener Reichsbrücke noch Filme gezeigt. Jährlich besuchen ca. 150.000 Kinder den dortigen Themenpark "Minopolis" (Wr. Bezirkszeitung 17.10.2012). Nun soll die Liegenschaft für ein Hochhausprojekt umgewidmet und ein über 140 Meter hoher Wohnturm errichtet werden. Unter dem Motto "Wohnen am Wasser" wollen S+B Gruppe und Soravia Group hier die "Danube Flats" realisieren, berichten die Gemeinderäte der FPÖ-Wien, LAbg. Gerhard Haslinger und LAbg. Christian Unger.

Das multifunktionelle Gebäude soll nach nur ca. 12 jähriger Nutzungsdauer vollständig abgerissen werden, nur die Tiefgarage soll bestehen bleiben. Interessant dabei ist, dass der Abbruch des Komplexes laut Auskunft der Bauwerber auch ohne Vorliegen einer für das Großprojekt notwendigen Änderung der Flächenwidmung quasi "auf Verdacht" abgerissen werden soll. Hier liegt - auch angesichts der trauten Stimmungsmache für das Projekt von SPÖ und Grünen die Vermutung nahe - dass die Hochhauswidmung hinter den Kulissen längst ausgepackelt und die sog. Anrainereinbindung eine Farce ist, sagt Unger.

Der Architekturwettbewerb zur Neugestaltung des ehemaligen Kinostandortes wurde vor kurzem abgeschlossen, das Architektenteam "project A01 architects" unter der Leitung von Andreas Schmitzer und Maria Planegger-Soravia ging daraus als Sieger hervor. Deren Entwurf sieht einen Wohnturm vor, der auf bis zu 45 Geschoßen rund 500 Wohnungen beherbergen soll. Zum Großteil soll es sich dabei um freifinanzierte Eigentums- und Vorsorgewohnungen handeln, die eher nicht um - wie von der Wiener Grünen gefordert - um höchstens 7 Euro pro Quadratmeter vermietet werden.
Alle Wohnungen sollen Zugang zu Balkon oder Terrasse haben. Soziale Infrastruktur wie Kindergarten, Supermarkt, Caférestaurant und Trafik soll im Sockelgebäude Platz finden. Die Fassade soll bis zum 45. Stockwerk begrünt werden. Dies dürfte angesichts der heftigen Windentwicklung in diesen Höhen wohl eher ein Wunschtraum bleiben, bzw. später in die Kategorie "versprochen - gebrochen" fallen, befürchtet Haslinger.

Juroren für den Wettbewerb waren Bezirksvorsteher Norbert Scheed (SPÖ) und Gemeinderat Christoph Chorherr (Grüne) gemeinsam mit einem sog. städtebaulichen Expertenteam. Die Jury habe besonderes Augenmerk auf die Gestaltung der "Piazza" und die Durchwegung der Freiflächen gelegt. Der 145 Meter hohe Wohnturm wird den benachbarten Harry Seidler-Turm nicht nur überragen sondern vielen Bewohnern den Blick auf die Donau verwehren. Die Bewohner des ebenfalls von Harry Seidler entworfenen "Wohnparks Neue Donau" sowie des Marschall Hofes werden durch die gewaltige Gebäudemasse des Turms und der voluminösen Wohnblocks daneben ebenfalls massiv beeinträchtigt.

2014 soll mit dem Bau begonnen werden, die Fertigstellung ist für 2016 angepeilt. Das städtebauliche Vorzeigeprojekt bestehend aus dem Ensemble Wohnpark Neue Donau, Hochhaus Neue Donau ("Seilder-Turm") und Entertainmentcenter (ehem. Cineplexx, heute Minopolis) geschaffen vom weltberühmten und mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Stadt Wien ausgezeichneten Architekten Prof. Harry Seidler, würde durch das Luxusprojekt ebenso unwiederbringlich zerstört sowie die Lebensqualität und Wohnobjektwerte der Anrainer massiv gemindert werden.

In diesem Zusammenhang wurde eine Dringliche Anfrage gestellt:

1.)Die Grünen haben, ebenso wie die Freiheitlichen, jahrelang die Lärmsituation für die Anrainer im Bereich der Donau-City durch die A-22 kritisiert und eine weitere Überplattung der Autobahn gefordert. Die Bewohner des geplanten Hochhauses würden durch den hohen Dauerschallpegel ebenso in Mitleidenschaft gezogen wie jene, die seit Jahren unter dem massiven Lärm leiden. Die vom Bauwerber als "Zuckerl" angebotene Überplattung würde lediglich die kurze Zufahrt von der Schüttaustraße zum Tunnel Kaisermühlen umfassen, wo nur 50 km/h erlaubt sind, aber durch die Verkehrssituation nur selten erreicht werden. Die hohen Lärmbelastungen durch die A-22 würden dadurch in keiner Weise gemindert. Warum wollen Sie diese Schädigungen für Gesundheit und Lebensqualität für die künftigen Bewohner der "Danube Flats" sehenden Auges möglich machen bzw. aktiv fördern?
2.)Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die Sprecherin der Mieterinitiative Donau-City und ehemalige Kämpferin gegen die hohe Lärmbelastung durch die A-22, Grün-Bezirksrätin Heidi Sequenz, mit Ihnen gemeinsam guten Wind für das Projekt macht. War die grüne Mandatarin in die Gespräche mit politischen Vertretern, die vor der Präsentation des Projektes stattgefunden haben, eingebunden?
3.)Die Wiener Grünen haben etwa im 10. Bezirk gegen die geplanten, bis zu 110 Meter hohen Wohn- und Bürotürme im neuen Stadtteil Monte Laa massiv protestiert. Dabei wurde eindringlich "vor der Zerstörung eines ganzen Wohngebietes und dem Verlust der Lebensqualität für Tausende Menschen" gewarnt. Warum nehmen Sie durch den von Ihnen forcierten Bau eines weit höheren Turmes in der Donau-City eben solche Nachteile für die anrainende Bevölkerung in Kauf?
4.)Die Grünen haben sich, ebenso wie die Freiheitlichen, immer vehement gegen "Widmungen auf Wunsch" und die Geschäftemacherei von Wohnbauträgern mit tatkräftiger Unterstützung der Stadtregierung ausgesprochen. Jetzt soll nach dem Motto "Sie wünschen, wir widmen" eine maßgeschneiderte Flächenwidmung für Investoren mit überaus guten Beziehungen zur Stadt Wien und gegen den Willen der Anrainer durchgedrückt werden. Warum agieren die Grünen in dieser Angelegenheit komplett konträr zu früheren Aussagen und betreiben für ein Großprojekt, bei dem sich die Bauwerber eine goldene Nase verdienen würden, aktiv eine Änderung der Flächenwidmungs- und Bebauungsbestimmungen?
5.)Die Wiener Grünen haben sich immer scharf gegen "neue Verkehrserreger" ausgesprochen und Bauprojekte mit entsprechender Dimensionierung scharf kritisiert. Das riesige Wohnbauvorhaben "Danube Flats" in einem verkehrsmäßig ohnehin schon massiv belasteten Bereich kann wohl nicht im Sinne stimmiger Verkehrs- und Siedlungspolitik, mit Fokus auf den Menschen, sein. Durch das geplante Stellplatzregulativ von Garagenplätzen würde die Parkplatzsituation in Kaisermühlen weiter verschärft. Warum forcieren Sie ein Großprojekt, das noch mehr Verkehr in einen ohnehin schon überlasteten Bereich schleust und so die Lärm- und Abgasbelastung für die Anrainer weiter erhöht?
6.)Die Wiener Grünen haben in Oppositionszeiten schon bei weit kleineren Projekten, wie etwa Volksgaragen, verbindliche Anrainer-, Bürger- bzw. Grätzelbefragungen gefordert und teilweise auch durchgesetzt. Bei riesigen Wohnbauprojekten mit weitaus größeren Auswirkungen auch in Sachen Verkehrsbelastung auf die umliegenden Bereiche müsste eine solche Befragung demnach eine Selbstverständlichkeit für Sie sein. Werden Sie beim Großprojekt "Danube Flats" daher auch für eine verbindliche Anrainer/Grätzel/Bürgerbefragung eintreten?
7.)Auf der Internetseite: http://www.soravia.at/index.php?id=214 sowie in einer apa-ots Aussendung vom 02. Oktober 2012
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20121002_OTS0098/danube-flats-wird-das-neue-landmark-an-der-donau freuen sich die Bauherren Erwin Soravia von der Soravia Group, sowie Reinhard Schertler und Wolfdieter Jarisch, Vorstände der S+B Gruppe, über das gelungene Siegerprojekt: "In den kommenden Jahren werden wir hier gemeinsam ein Projekt realisieren, das seinesgleichen sucht. Wir geben dem internationalen Trend zum Wohnen am Wasser eine neue Ausprägung und verbinden Design mit intelligenter Standortentwicklung. Wir bauen nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit und der Energieeffizienz und begünstigen neue Formen der Mobilität. Wir öffnen das Gelände auch für die Anrainer aus Kaisermühlen, die einen direkten Zugang zur Neuen Donau bekommen werden. An diesem Standort werden wir ein Vorzeigeprojekt umsetzen, auf das sowohl die Stadt als auch ihre Bewohner stolz sein werden". Für diesen Standort gibt es derzeit eine gültige Flächenwidmung der Bauklasse V. Dieses Projekt lässt sich aber nur mit einer Änderung der Flächenwidmung auf Bauklasse VI und Umwidmung von GBGV auf W, realisieren. Treten Sie für eine solche Änderung der Flächenwidmung an diesem Standort, wo heute noch jährlich 150.000 Kinder den Themenpark "Minopolis" besuchen, ein? 8.)Auf der Internetseite: http://www.soravia.at/index.php?id=214 sowie in einer apa-ots Aussendung vom 02. Oktober 2012
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20121002_OTS0098/danube-flats-wird-das-neue-landmark-an-der-donau freuen sich die Bauherren Erwin Soravia von der Soravia Group sowie Reinhard Schertler und Wolfdieter Jarisch, Vorstände der S+B Gruppe, über das gelungene Siegerprojekt:
"In den kommenden Jahren werden wir hier gemeinsam ein Projekt realisieren, das seinesgleichen sucht". Wir geben dem internationalen Trend zum Wohnen am Wasser eine neue Ausprägung und verbinden Design mit intelligenter Standortentwicklung. Wir bauen nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit und der Energieeffizienz und begünstigen neue Formen der Mobilität. 50 % der Wohnungen liegen jedoch unmittelbar neben der Reichsbrücke. Ganz abgesehen von dem Umstand, dass neue Wohnobjekte direkt neben einer äußerst stark befahrenen Straße und einer Stadtautobahn wohl kaum - außer in Sachen Gewinnmaximierung für die Bauträger - als Paradebeispiel für "intelligente Standortentwicklung" herhalten können, erhebt sich folgende Frage:
Wie wollen und werden Sie in den "Danube Flats" die von Ihnen zuletzt vehement eingeforderte Mietzinsobergrenze von 7 Euro pro Quadratmeter sicherstellen?
9.)Das von den Bauherren ausgelobte "ExpertInnenverfahren" wurde nach dem Leitfaden der Stadt Wien, Werkstattbericht Nr. 91 "Grundlagen für die Durchführung von Wettbewerben auf dem Gebiet der Architektur und des Städtebaues" sowie unter besonderer Berücksichtigung des Werkstattberichtes Nr. 46 "Hochhäuser in Wien - Städtebauliche Leitlinie, Richtlinien für die Planung und Beurteilung von Hochhausprojekten" durchgeführt. Dabei waren die Fachpreisrichter:
Marie-Therese Harnoncourt (Architektin), Ao Univ. Prof. Arch. DI Dr. Erich Raith (Architekt), DI Walter Kraus (Leiter MA 21 B), DI Franz Kobermaier (Leiter MA 19). Die Sachpreisrichter waren: Norbert Scheed (Bezirksvorsteher), Mag. Christoph Chorherr, (Gemeinderat) MMag. Jürgen Klaubetz (Management Soravia), Alfred Michael Beck (Aufsichtsrat Vorsitzender S&B Gruppe). Welches Gremium hat die Fachpreisrichter ausgewählt?
10.)Auf welcher Grundlage wurde diese Fachjury bestellt?
11.)Warum sind weisungsgebundene Beamte der Stadt Wien in einer solchen Jury vertreten?
12.)Welches Gremium hat die Sachpreisrichter ausgewählt? 13.)Welches Gremium hat die Sachpreis- bzw. Fachpreisrichter vorgeschlagen?
14.)Der 1. Rang ging an die Projektverfasser: Projekt A01 architects ZT Gmbh, 1060 Wien, Mariahilfer Straße 101/2/27 (Arch. Andreas Schmitzer, Arch. DI Maria Planegger-Soravia).
15.)Was waren die maßgeblichen Kriterien für diese Entscheidung? 16.)In welchem Zusammenhang steht Frau DI Arch. Maria Planegger-Soravia zur Soravia Group?
17.)Ist sie mit einem Exponenten der Soravia Group verwandt, verschwägert oder verheiratet?
18.)Wenn es familiäre Beziehungen gibt, warum wurde Frau DI Arch. Maria Planegger-Soravia bzw. einzelne Jurymitglieder vom Wettbewerb nicht ausgeschlossen?
19.)Wenn es familiäre Beziehungen gibt, wurde dies bei der Entscheidung berücksichtigt?
20.)Laut einem Artikel im Format:
http://www.format.at/articles/1202/525/316456/finanzielle-rueckschlae
ge-flops-gebruedern-soravia steckt die Soravia Group in massiven Schwierigkeiten. Kreditlinien in der Gesamthöhe von 420 Millionen Euro wurden nur bis Ende 2012 verlängert. Einer der Hauptgläubiger ist die Bank Austria. Stimmt es, dass die Danube Flats GmbH kürzlich eine nachrangige Anleihe über 4,0 Mio. Euro (bis 10 Mio. Euro) bei der Kathrein Bank aufgelegt hat?
21.)Stimmt es, dass im Platzierungsangebot nichts davon steht, dass eine Umwidmung erforderlich ist.
22.)Stimmt es, dass der Kredit für den Erwerb der Liegenschaft Ende 2013 fällig ist?
23.)Wissen Sie von diesen Schwierigkeiten?
24.)Kann Ihrer Meinung nach eine Firma mit diesen Problemen überhaupt ein Vorhaben in dieser Größe realisieren?
25.)Spielen die Verbindlichkeiten der Bauwerber bei der Bank Austria bei diesem Projekt eine entscheidungsbeeinflussende Rolle?
26.)Gab es bei Ihnen Interventionen von politischer Seite auf Bundesebene?
27.)Gab es bei Ihnen Interventionen von politischer Seite auf Landesebene?
28.)Gab es bei Ihnen Interventionen seitens der Wirtschaftskammer? 29.)Gab es bei Ihnen Interventionen von Seite der Banken?
30.)Gab es bei Ihnen von anderer Seite Interventionen? 31.)Mittlerweile gibt es mehrere Bürgerinitiativen, die gegen dieses Projekt vorgehen. Werden Sie diese in die Entscheidungsfindung zur geplanten Umwidmung aktiv einbinden und deren Anliegen auch entsprechend berücksichtigen?
32.)Durch den Abriss des Entertainmentcenters wird im Einzugsbereich der Neuen Donau eine für die Wiener Bevölkerung bestehende Infrastruktureinrichtung für Freizeit, Erlebnis, Events, etc. einem anrainerunverträglichen Luxusprojekt geopfert. Welche Möglichkeiten zur alternativen Nutzung des bestehenden Gebäudes wurden vonseiten der Gemeinde Wien untersucht?
33.)Der Kaufpreis von rund 10,5 Mio. Euro für die Liegenschaft ist weit unter dem orts- und marktüblichen Preis. Wem kommt die immense Wertsteigerung durch eine allfällige Umwidmung zugute?
34.)Werden die Grünen als Partei, oder einzelne Funktionäre bzw. Mitglieder, oder Parteigänger von dieser Gefälligkeitswidmung profitieren?
35.)Wo wird der angebliche Ersatzstandort für "Minopolis" situiert sein? (Schluss) hn

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