OÖ-Erfolg bei Bildungsstandards mit Makel: Sozialer Hintergrund bestimmt Bildungserfolg

SPÖ-Klubvorsitzende Jahn: "Lehrerstunden nach sozialen Chancen verteilen."

Linz (OTS) - "So erfreulich das gute Abschneiden Oberösterreichs bei den Bildungsstandards auch ist, so sehr offenbart sich bei genauerer Betrachtung der Reformbedarf. Denn der enorme Abstand zwischen Pflichtschulen und allgemein bildenden höheren Schulen sowie der große Abstand zwischen guten und weniger guten Schulkindern zeigt die soziale Selektion, durch die tausende Schulkinder zu BildungsverliererInnen werden. Deshalb muss bei der Einführung der Neuen Mittelschulen besondere Sorgfalt darauf gelegt werden, dass keine Talente mehr verloren gehen und insbesondere jene, die im derzeitigen System zu scheitern drohen, mehr Unterstützung bekommen", betont SPÖ-Klubvorsitzende Mag.a Gertraud Jahn. Zudem weisen die heute veröffentlichen PIRLS-Testergebnisse auf Reformbedarf schon im Volksschulwesen hin.

Der bei den Bildungsstandards im Vergleich zum Österreich-Durchschnitt (67 Punkte) deutlich höhere Abstand zwischen Kindern mit Migrationshintergrund und Kindern ohne Migrationshintergrund in Oberösterreich (80 Punkte) weist auf konkreten Nachholbedarf im Land hin - die SPÖ-Oberösterreich hat darauf bereits mit einem Initiativantrag für eine "indexbasierte Mittelsteuerung" reagiert. Geld- und Personalressourcen sollen demnach entsprechend dem sozialen Hintergrund der Schulkinder gestaffelt werden, so dass Schulen mit schwierigeren Voraussetzungen auch mehr Ressourcen erhalten.

Auf die soziale Ungleichheit der Schulkinder und die dadurch fehlende Vergleichbarkeit von Schulergebnissen wird schon in der Auswertung der Bildungsstandards Bezug genommen: Es finden nur faire Vergleiche mit Schulstandorten unter ähnlichen sozioökonomischen Be-dingungen statt. "Die Bildungsstandards dienen als Schulentwicklungsprozess und haben schon in ihrem ersten Durchgang viel mehr aufgezeigt, als ein Ranking jemals aussagen könnte. Sie haben deutlich gemacht, dass Österreichs Schulsystem eine gezielte Steuerung nach dem sozialen Hintergrund der Schulkinder benötigt. Wenn es gelingt, diese Erkenntnis in die Schullandschaft einzubauen, dann werden durch das Ergebnis der Bildungsstandards alle zu Gewinnern", argumentiert Jahn.

Der Bildungshintergrund der Eltern bestimmt in vielen Fällen auch den Bildungsweg der Kinder: So ist die Wahrscheinlichkeit ein Universitätsstudium zu ergreifen für Kinder, deren Eltern zumindest maturiert haben, dreimal so hoch wie für Kinder, deren Eltern nicht maturiert haben. Hauptursache der mangelnden Durchlässigkeit nach oben ist dabei - so OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher - die Schule. Dort werde die soziale Selektion betrieben, weshalb auch dort gegenzusteuern sei. Auch SPÖ-Bildungssprecherin Jahn ist über-zeugt:
"Die flächendeckende Einführung der Neuen Mittelschule war ein Schritt in die richtige Richtung. Als Nächstes geht es jetzt um mehr Chancengerechtigkeit durch kindgerechte Ganztagsschulen und die Berücksichtigung des sozialen Hintergrunds der Schulkinder bei der Verteilung der Mittel."

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