Die ÖsterreicherInnen sind bereit zur Energiewende

Keuschnigg: Die Nutzung von Biomasse stärkt die Regionen

Ein klares Bekenntnis der ÖsterreicherInnen zur Energiewende und zu Erneuerbaren Energien zeigt eine repräsentative Umfrage, die von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im November 2012 durchgeführt wurde. Bundesratspräsident Georg Keuschnigg lud heute zur Präsentation der Ergebnisse der Umfrage im Rahmen einer Pressekonferenz ins Hohe Haus. Die Pressekonferenz bildete den Auftakt zu Fachvorträgen und einer abschließenden Podiumsdiskussion mit Abgeordneten zum Thema "Energie aus der Region: Zukunftsfähig und nachhaltig".

Präsident Keuschnigg erklärte, es seien vermehrte Anstrengungen zum Umbau unseres Energiesystems gefordert. Hier gebe es einen klaren gesellschaftspolitischen Auftrag an die Politik, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Er richtete daher einen Appell an die politischen Kräfte im Lande, die Energiewende rasch voranzutreiben. "Die Energiewende sichert zehntausende Arbeitsplätze und schafft vor allem auch neue", betonte der Bundesratspräsident. Die Nutzung der großen Potenziale an Biomasse in den österreichischen Wäldern würden eine gesellschaftliche Win-Win-Situation schaffen und vor allem strukturschwache Regionen stärken.

Die Umfrageergebnisse wurden von Rudolf Bretschneider (GfK Austria) präsentiert. Hubert Hasenauer (Universität für Bodenkultur Wien) bekräftige, thermische Holznutzung sorge für einen nachhaltigen und geschlossenen Kohlenstoffkreislauf und verwies auf die Bedeutung von nachhaltig bewirtschafteten Wäldern als Kohlenstoffsenke. Diese besitzen aufgrund der nachhaltigen und kaskadischen, das heißt, mehrfach hintereinander erfolgenden Holznutzung ein CO2-Speicherpotenzial, das zehnmal höher liege als bei unbewirtschafteten Urwäldern. Warum von keiner Energiewende ohne Bioenergie gesprochen werden könne, schilderte Horst Jauschnegg (Vorsitzender des Österreichischen Biomasse-Verbandes), der die aktuellen Energie-Statistiken vorstellte.

ÖsterreicherInnen mit Klima- und Umweltpolitik unzufrieden

Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist für die meisten ÖsterreicherInnen laut der von Rudolf Bretschneider präsentierten GfK-Umfrage notwendig, um Umwelt und Klima zu schützen (88%). 84% geben dem Argument recht, dass die Unabhängigkeit von Importen es notwendig macht, auf erneuerbare Energie umzusteigen. 81% stimmen der Erklärung zu, dass ein Umstieg auf erneuerbare Energieträger notwendig ist, weil Öl, Erdgas und Kohle zur Neige gehen. Dass die Energiewende eine zentrale Aufgabe der Politik ist, davon sind 79% überzeugt. Zufrieden mit der derzeitigen Energie- und Klimapolitik zeigen sich nur 22% der Befragten. Es dürfte diese Unzufriedenheit sein, die sich auch auf die Frage der Rolle von Klima- und Energiepolitik bei der nächsten Wahlentscheidung auswirkt. 46% gehen von einer Bedeutung für die Wahl aus. Eine klare Ablehnung erntet dagegen die Aussage, man solle möglichst lange bei den fossilen Energieträgern bleiben, beziehungsweise, eine Energiewende sei nicht notwendig. 91% der ÖsterreicherInnen nehmen steigende Energiepreise wahr, 48% davon sogar "stark". 81% sehen sich von den zunehmenden Energiepreisen betroffen, 33% davon sind "sehr betroffen".

Holz schneidet besser ab als "fossil"

Vergleicht man die Bewertung, welche die fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle nach den Kriterien Bedeutung für die Energiewende, Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit gegenüber Holz erhalten, so zeigt sich noch deutlicher der Unterschied. Die "Fossilen" werden kaum mit den Schulnoten 1 und 2 bewertet, Holz hingegen liegt in allen Kategorien über dem Durchschnitt. "Interessant ist die Einschätzung der Bedeutung für die Energiewende, denn hier wird dem Erdgas eine geringe Rolle beigemessen", so Bretschneider.

Wirtschaftswald ist der bessere Klimaschützer

"Nachhaltig bewirtschaftete Wälder leisten einen weitaus höheren Beitrag zum Klimaschutz als unbewirtschaftete, da durch die kaskadische Verwendung von Holz andere Produkte und Brennstoffe aus fossilem Kohlenstoff substituiert werden", erklärt Univ.-Prof. Hubert Hasenauer, Leiter des Instituts Waldbau an der Universität für Bodenkultur Wien. "Gibt man die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern auf und überlässt diese sich selbst, führt dies zu keiner Verringerung des CO2-Ausstoßes aus dem Wald in die Atmosphäre." Eine Aufforstung von zur Verfügung stehenden Böden und deren nachhaltige Bewirtschaftung hat bedeutende positive Effekte für die CO2-Reduktion, da während der Wachstumsphase des Waldes gewaltige Kohlenstoff-Massen gespeichert und im Zuge der nachhaltigen Bewirtschaftung große Mengen an fossilen Brenn- und Rohstoffen substituiert werden können.

Eine Tonne Kohlenstoff aus Holz spart 2,7 Tonnen CO2

Infolge der Holzverbrennung wird die bei der Photosynthese gespeicherte "Sonnenenergie" verfügbar gemacht - ein geschlossener nachhaltiger Kohlenstoffkreislauf. Mit einer Tonne Kohlenstoff aus Buchen-Brennholz werden durch die energetische Verwertung 2,7 Tonnen fossile CO2-Emissionen eingespart. Bilanziere man die Bindungs-, Abgabe- und Substitutionseffekte, so sei die Einsparung noch größer, erläuterte Hasenauer. Weiteres Beispiel: Ein Hektar Wirtschaftswald weist innerhalb von 300 Jahren mit 1.603 Tonnen CO2-Speicherung das Zehnfache der Senkenleistung des Urwaldes auf, weil das geschlägerte Holz durch seine energetische Nutzung fossile Energieträger ersetzt.

Biomasse weiterhin wichtigste erneuerbare Energiequelle

Der Bruttoinlandsverbrauch an erneuerbarer Energie in Österreich hat sich zwar seit 1970 mehr als verdreifacht, hielt Horst Jauschnegg fest. Der Anteil der Ökoenergien am gesamten Energieverbrauch lag 2011 aber bei nur noch 26%. Unter den erneuerbaren Energieträgern dominiert die Bioenergie mit einem Anteil von rund 61%. Holz ist und bleibt die wichtigste Ressource für den Bioenergiemarkt. Bis 2020 könnte der Biomasseeinsatz in Österreich nochmals um 25% gesteigert werden. Etwa 48,6% des Energieholzes stammten direkt aus der Forstwirtschaft sowie aus Flurgehölzen, Strauchschnitt oder Altholz. (Schluss)

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