Hinein in die Tiroler Rettungssackgasse

Innsbruck (OTS/TT) - Von Peter Nindler

Untertitel: Das Rettungswesen in Tirol funktioniert, allerdings haben sich die Rot-Kreuz-Organisationen nicht mit
den neuen Strukturen abgefunden. Dass sich das Land bei den Kosten verspekuliert hat, wirkt ebenfalls nach.

Text: Die neue Rettungsgesellschaft befindet sich in einer Zwickmühle. Aus dieser Rettungssackgasse kommt sie derzeit offenbar nicht heraus. Zum einen wirken die zu optimistischen Kostenannahmen bei der Ausschreibung weiter nach. Das Land war zwar im Sommer gezwungen, die viel diskutierte und jetzt vom dänischen Rettungskonzern Falck angefochtene Leistungsadaptierung von 4,8 Millionen Euro jährlich vorzunehmen, doch auch die Rettung selbst muss eine Million einsparen: um den Finanzkollaps abzuwenden und ohne Qualität dabei einzubüßen. Trotz guten Willens geht dieser finanzielle Spagat nicht spurlos an den gewachsenen Strukturen, am Personal und an der Rettungsflotte vorbei.
Auf der anderen Seite stehen mit den mächtigen Rot-Kreuz-Bezirksstellen die Eigentümerinnen der Rettungsgesellschaft. Von Anfang an haben sie die Rettungsreform kritisch begleitet. Schließlich verlieren die Bezirke Einfluss, soll doch durch eine zentrale Koordination die Rettungskette (kosten-)effizienter funktionieren. Allerdings hängt die Reform letztlich vom Gestaltungswillen der Regionalstellen ab. Sie sind die Basis des Roten Kreuzes in Tirol, der Landesverband ist lediglich sein institutionelles Gesicht nach außen. Und die Bezirke verfügen über Geld und Eigenkapital von rund 22 Millionen Euro.
Die neue Rettungsorganisation empfinden sie nach wie vor als ein vom Land aufgesetztes Konstrukt, das ihre Kreise stört, das sie ablehnen und für das sie nicht länger ihr Geld aufs Spiel setzen wollen. Mit der Ablehnung des Budgets 2013 ließen sie ihre Muskeln spielen. Das war kein Kraftakt, sondern ihr Aufstand hat Symbolkraft. Nicht mehr das Tauziehen zwischen dem Roten Kreuz und dem Land Tirol steht im Vordergrund, sondern das Kräftemessen hat sich nach innen verlagert. Es gibt Einsparungspotenziale von rund drei Mio. Euro. Das hat der Wirtschaftsprüfer des Landes festgestellt. Was ist mit den Verwaltungsstrukturen und Immobilienkosten? Wie können die Rettungsfahrzeuge effizienter eingesetzt werden? Was ist mit dem Vermögen, das trotz öffentlicher Förderungen in Privatstiftungen ausgelagert wurde? Mit der umstrittenen Rettungsausschreibung hat das Land sicher Fehler gemacht, Tausende ehrenamtliche Rot-Kreuz-Mitarbeiter vor den Kopf gestoßen, aber gleichzeitig einen notwendigen Reformprozess ausgelöst.
Fehlerfrei ist die Rettung auch nicht. Wird das nicht bald eingesehen, bleibt sie weiter in der Rettungssackgasse stecken.

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