"Kulturmontag" am 10. Dezember: "Mister Brasilia - Oscar Niemeyer"

Weiters: Neue Rössl-Mania, Joschi und die Stars und Eröffnung des "MuTh"

Wien (OTS) - Aus aktuellem Anlass ändert der ORF sein Programm und zeigt im "Kulturmontag" am 10. Dezember 2012 ab 22.30 Uhr in ORF 2 eine Dokumentation mit und über den Ausnahmekünstler Oscar Niemeyer, der am 5. Dezember im 105. Lebensjahr in Rio de Janeiro starb. Nadja Bernhard präsentiert weiters Beiträge über die erfolgreichste Operette aller Zeiten, die neue Kulturdoku "Joschi und die Stars" und berichtet über die Eröffnung des "MuTh", der neuen Heimat der Sängerknaben.

Die neue Rössl-Mania: Die erfolgreichste Operette aller Zeiten

Die Uraufführung von "Im weißen Rössl" 1930 in Berlin war auf Superlative angelegt - und Produzent Erik Charell hielt, was er versprach. Schon im Jahr darauf wurden in London 651 Vorstellungen der englischen Fassung en suite gespielt, Ralph Benatzkys Singspiel wurde gar zum Broadway-Hit. Und heute? Ist die Operette - auf Neudeutsch ausgedrückt - immer noch ein Blockbuster. Eben wurde eine Neuverfilmung mit den beiden Wunderwaffen der deutschsprachigen Serienlandschaft - Diana Amft und Fritz Karl - im Salzkammergut abgedreht. Der Österreicher Josef E. Köpplinger setzte zum Auftakt seiner Intendanz des Münchner Gärtnerplatztheaters ganz auf Ösi-Charme und bat Weltstar Maximilian Schell als Kaiser auf die Bühne - und demnächst gibt Maria Bill am Wiener Volkstheater die resche Rösslwirtin. Der "Kulturmontag" über das Lustig-Sein im Salzkammergut .

"Joschi und die Stars": Neue Kulturdoku - Filmchauffeur Josef Deininger und Karl Markovics live zu Gast

Der Mann ist auf Du und Du mit Karl Markovics, Nicholas Ofczarek, Christiane Hörbiger, Ursula Strauss, Michael Haneke, Stefan Ruzowitzky und Unzähligen mehr. In der Öffentlichkeit kennt ihn niemand. Doch die Stars kennen ihn alle schlicht als den Joschi. Josef Deininger ist Chauffeur - als Filmfahrer bringt er die ganz Großen der Branche zum Filmset oder zum roten Teppich. Herr Joschi ist Geheimnisträger, an seine Ohren dringt, wofür der Boulevard viel böte - doch höchste Diskretion ist Ehrensache. Ein Großteil seines Jobs besteht aus Warten - Zeit, in der er sich Gedanken über Sein und Schein der Branche machen kann. Gedanken, die er auch in ein neues dokumentarisches Roadmovie der ORF-Kulturabteilung einfließen lässt (zu sehen am 16. Dezember um 23.05 Uhr in ORF 2). Der "Kulturmontag" stellt Österreichs Dokumentarfilm mit der größten Stardichte vor. Josef Deininger ist live zu Gast im "Kulturmontag", wohin er sich von einem höchst prominenten Künstler chauffieren lässt - von Karl Markovics.

Eine neue Heimat für die Sängerknaben: Zur Eröffnung des "MuTh"

Baulärm, das Knattern von Kettensägen - und das laute Protestgeschrei wütender Anrainer: Kein anderer Kulturbau hat für so viel Kontroverse gesorgt wie der neue Sängerknaben-Konzertsaal auf dem großteils denkmalgeschützten Areal des Wiener Augartens. Doch jetzt soll endgültig Schluss sein mit all den Dissonanzen - Wohlklang ist gefragt. Nach schwieriger Namensfindung heißt der Bau nun MuTh, was Courage suggeriert, vor allem aber den Konnex von Musik und Theater unterstreichen soll. Am 9. Dezember öffnet der Konzertsaal seine Pforten, Staatsopern-Musikdirektor Franz Welser-Möst wird den Takt angeben. Der "Kulturmontag" über den Neubau und wie er mit Leben und Musik befüllt werden soll.

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"Sinnlich", "fantastisch" und "utopisch" nannte die Kunstkritik seine Bauwerke. Mehr als 600 Gebäude auf der ganzen Welt, darunter das UNO-Hauptquartier in New York, tragen seine Handschrift. Der Mitgestalter von Brasilia, der aus dem Boden gestampften, künstlich geschaffenen Hauptstadt Brasiliens, blieb aber auch von heftiger Kritik nicht verschont. "Das Wichtigste ist nicht die Architektur, sondern das Leben, Freunde und diese ungerechte Welt, die wir verändern müssen", sagte Oscar Niemeyer, einer der bedeutendsten Architektur-Pioniere der Moderne. Geboren 1907 in Rio de Janeiro, wurde er des kreativen Schaffens bis ins hohe Alter nicht müde.

In seinem Architekturbüro hoch über der Copacabana in Rio de Janeiro verwandelte er - inspiriert von den Wellen des Atlantiks und anderen Rundungen - Träume in atemberaubende architektonische Kurven. "Da ist etwas Sinnliches in Niemeyers Architektur", meint der renommierte Architekturkritiker Paul Goldberger. "Sogar in einer Zeit, als die Moderne sehr streng und puritanisch war, gab es bei Niemeyer immer eine Art körperliche Üppigkeit - fast als wäre er nicht wirklich Teil des Programms der Moderne."

Am bekanntesten sind Oscar Niemeyers Entwürfe für den Bau Brasilias. Alle öffentlichen Gebäude zwischen 1957 und 1964 stammen aus seiner Feder. Als hätte in Wien ein einziger Architekt die gesamte Ringstraße gebaut. Doch Niemeyer hat nicht nur wesentlich das Stadtbild von Brasilia geprägt, das 1987 zum Weltkulturerbe erklärt worden war, sondern auch internationale Architektur-Ikonen von New York bis Paris geschaffen. Er war etwa an der Planung von Ministerien, Kirchen, und Museen in aller Welt beteiligt und hat das Bürogebäude der Kommunistischen Partei Frankreichs in Paris entworfen.

Aufgrund seiner politischen Gesinnung - er war bekennender Kommunist und eng mit dem Kubaner Fidel Castro befreundet - musste der Architekt für eine längere Zeit ins französische Exil flüchten. Die USA erteilten Oscar Niemeyer zeitweise sogar ein Einreiseverbot. Während ihm in der Vergangenheit Architekturgrößen wie Le Corbusier, Walter Gropius und Mies van der Rohe meist die Show gestohlen hatten, manifestierte sich Niemeyers Bedeutung als Visionär und Wegbereiter in den vergangenen Jahren mehr und mehr, vor allem international. In seiner Heimat Brasilien wird Niemeyer seit ewigen Zeiten als Nationalheld gefeiert. "Ich muss arbeiten. Ich habe nur noch wenig Zeit", sagte Niemeyer vor 15 Jahren. "Überraschen und verzaubern", das wollte er mit seiner Arbeit. Das gelang ihm. "Die Architektur steckt voller Geheimnisse, voller kleiner Details und Rätsel, die wir zu lösen versuchen."

Der "Kulturmontag" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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