Soziale Deprivation von Kindern bei 13%: Mehr als viermal so hoch wie in Schweden

Neue Studie zu sozialer Ausgrenzung von Kindern. Österreich liegt insgesamt gut, aber mit deutlichem Abstand zu den Besten.

Wien (OTS) - "Soziale Deprivation von Kindern liegt in Österreich bei 13%: Das ist mehr als viermal so hoch wie in Schweden", zitiert die Armutskonferenz Ergebnisse der zur Zeit in Wien stattfinden internationalen Konferenz zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC).

Demnach wären in Schweden nur 3% der Kinder zwischen 1 und 15 Jahren betroffen, während der neue Kriterienkatalog für Kinderarmut auf 78% der rumänischen Kinder zutrifft. Der Indikator liegt in Österreich deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 21%, ist aber mit 13% mehr als viermal so hoch wie in Schweden.

"Der vorgeschlagene Kriterienkatalog für Deprivation bei Kindern besteht aus insgesamt 18 Merkmalen. Dazu gehören neben der finanziellen Situation des Haushaltes ausdrücklich auch die Lebensbedingungen der Kinder: die Leistbarkeit von neuen Kleidern, zwei Paar fester Schuhe, täglichem Obst und Gemüse, Fleisch oder vergleichbarer vegetarische Nahrung, altersgerechten Büchern, Freizeit und Sportgeräten, einem Ort zum Erledigen von Hausübungen, Freizeitaktivitäten, Familienfesten, Freunde einladen, Schulausflügen und einer Woche Urlaub", zitiert die Armutskonferenz die Studie.

Österreich liegt also insgesamt gut, hat aber im Vergleich mit den Besten doch erhebliche Probleme: besonders bei den sozialen Aufstiegschancen, dem hohen Armutsrisiko von Alleinerziehenden (in den skandinavischen Ländern tauchen AlleinerzieherInnen nicht in der Armutsstatistik auf), den Hindernissen für MigrantInnen Bildung auf dem Arbeitsmarkt zu verwerten.

Die soziale Herkunft entscheidet in Österreich überdurchschnittlich stark über den weiteren Lebensweg. Der soziale Status bestimmt in Österreich maßgeblich den Bildungsweg der Kinder. Es ist nicht ein Faktor, der Kinder aus ökonomisch benachteiligten Familien geringe Aufstiegschancen beschert. Es ist die Kombination aus einem Bündel von Kriterien: Eine überbelegte Wohnung fällt zusammen mit einer Halbtagsschulordnung. Wenig Einkommen trifft auf ein einkalkuliertes Nachhilfesystem. Keine Unterstützung zu Hause kommt mit eigener Erschöpfung und Unkonzentriertheit zusammen. Kinder, die in Armutsverhältnissen leben, haben arme Eltern. Sie sind zugewandert, erwerbslos, alleinerziehend, psychisch oder physisch beeinträchtigt oder haben Jobs, von denen sie nicht leben können. Jede Strategie gegen Kinderarmut muss deshalb auch eine Strategie für ein existenzsicherndes Einkommen der Eltern sein. Kinder, die in Armutsverhältnissen aufwachsen, sind geschwächt. Jede Strategie gegen Kinderarmut muss deshalb auch Kinder stärken und in ihre Ressourcen investieren. Kinder, die in Armutsverhältnissen aufwachsen, haben ein hohes Risiko als Erwachsener wieder arm zu werden. Jede Strategie gegen Kinderarmut muss deshalb diesen Kreislauf durchbrechen; z. B. Bildungs- wie Lernbedingungen zur Verfügung stellen, die integrieren, nicht selektieren. Damit es für sozial benachteiligte Kinder Zukunft gibt - trotz Herkunft.

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