Industrie: Verstärkte Unsicherheiten überlagern Konjunkturentwicklung

Erschwerte Planbarkeit durch steigende Kurzfristigkeit der Aufträge - Erstmaliger Rückgang der Lehranfänger seit 2009

Wien (OTS/PWK912) - "Die Konjunkturentwicklung in der heimischen Industrie wir derzeit von den sich immer weiter verstärkenden wirtschaftlichen Unsicherheiten überlagert. Dies führt zu einer deutlichen Abkühlung unserer Ausfuhren. Zudem beeinträchtigt eine teilweise stark sinkende Investitionsbereitschaft der Unternehmen die Auftragslage unserer Betriebe", betonte heute, Donnerstag, der Geschäftsführer der Bundessparte Industrie, Manfred Engelmann, im Rahmen der Quartalspressekonferenz. Die Einschätzung der weiteren konjunkturellen Entwicklung werde aber gesamt gesehen deutlich unsicherer. Für die Unternehmen selbst bedeute dies eine immer kurzfristigere Auftragslage und damit eine erschwerte Planbarkeit. Die nun getroffene Regelung der Kurzarbeit sei vor diesem Hintergrund daher zu begrüßen und ein "Schritt in die richtige Richtung", um Arbeitsplätze zu erhalten. "Auch die Kosten für den Betrieb und die Administration müssen de facto sinken und müssen weniger aufwändig werden", so der Industriesprecher.

Untermauert werde diese Analyse auch von den Ergebnissen der für das zweite Halbjahr 2012 von der Bundessparte Industrie durchgeführten Konjunktureinschätzungen der 15 Industriefachverbände. So zeigt sich im Bereich "Produktion" der Saldo der erfassten Fachverbandseinschätzungen "steigend" minus "fallend" mit "- 5" eine pessimistische Erwartungshaltung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Während 2 Fachverbände eine Steigerung (Maschinen & Metallwaren sowie Bauindustrie) erwarten, rechnen 7 Branchen (NE-Metall, Bergwerke & Stahl, Gießereien, Holz, Stein & Keramik, Textil/Bekleidung/Schuh/Leder sowie Chemie) mit einem Produktionsrückgang. Bei der Einschätzung der "Auftragseingänge" für das 2. Halbjahr 2012 erwartet die Hälfte der Fachverbände einen Rückgang im Vergleich zur vergleichbaren Periode des Vorjahres. Der Saldo der "Beschäftigten" beträgt sowohl im Vergleich zur ersten Hälfte des laufenden Jahres als auch zum 2. Halbjahr des Vorjahres jeweils "+ 1". Im Vergleich zum 1. Halbjahr 2012 erwarten alle Fachverbände mit Ausnahme der chemischen Industrie, die als einzige Branche mit einer Beschäftigtenzunahme rechnet, ein Halten ihres Beschäftigtenstandes (+/- geringe Veränderung).

Industrieproduktion verlangsamt sich

Augenfällig sei, so Engelmann, dass sich im Verlauf des heurigen Jahres das Wachstum der Industrieproduktion verlangsamte. Während im Startquartal 2012 die Industrieproduktion mit 36,2 Mrd. EUR eine Steigerung von 6,2 % erzielte, wies der Produktionswert der Industriebetriebe im Zeitraum April bis Juni 2012 nur mehr ein bescheidenes nominelles Plus von 2,5 % zum Vorjahresquartal aus.

Die Auftragseingänge selbst, die einzigen vorausschauenden Indikatoren, wiesen in den ersten sechs Monaten 2012 mit 45,2 Mrd. EUR nur einen leichten nominellen Anstieg von 1,7 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus, wobei die inländischen um rund 11 % zulegen konnten, die ausländischen jedoch um 1,8 % zurückgingen.

Auch bei den Industrieexporten zeichnen sich angesichts der unsicheren Lage erste Ten-denzen ab: So verzeichnete der Bereich Holz im ersten Halbjahr einen Rückgang von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der Bereich Eisen und Stahl ein Minus von 3,5 Prozent. Dem gegenüber konnte aber der Bereich mineralische Rohstoffe um 19,7 Prozent zulegen, sowie der Bereich optische und photographische Geräte (plus 7 Prozent), der Bereich pharamzeutische Erzeugnisse (plus 5,4 Prozent) sowie der Bereich Maschinen und Apparate um plus 2 Prozent. Insgesamt stiegen die heimischen Ausfuhren um 1,6 Prozent auf 61,5 Mrd. Euro.

Der Produktionswert der österreichischen Industrie lag im 1. Halbjahr bei 73,1 Mrd. EUR. Im Vergleich zur Vorjahresperiode erhöhte sich die Industrieproduktion nominell um 4,3 %. Real - mit dem HVPI inflationsbereinigt - ergibt dies eine Steigerung um 1,7 %. Rechnet man die stark von den Energierohstoffpreisen abhängigen Industriebranchen Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen sowie Mineralölindustrie von der Gesamtindustrie heraus, so ergab die Produktionsveränderung der verbleibenden 15 Industriebranchen in den ersten sechs Monaten im Vergleich zur Vorjahresperiode nur noch ein nominelles Plus von 0,6 %. Die Industrieproduktion weist somit auf Stagnation hin.

Stabiler Personalstand aber leichter Rückgang der Lehranfänger

Im Durchschnitt des 1. Halbjahres 2012 wiesen die heimischen Industriebetriebe eine Beschäftigtenanzahl von 405.640 aus, ein Plus von 1,4 % im Vorjahresvergleich. Die Anzahl der Arbeiter erhöhte sich um 0,2 % auf 228.158 bzw. die Anzahl der Industrieangestellten um 3,2 % auf 163.615. "Was uns leider Kopfschmerzen bereitet, ist die leicht rückläufige Zahl der Lehranfänger. Denn das sind in Anbetracht der kommenden geburtenschwachen Jahrgänge Fachkräfte, die uns dringend fehlen werden. Erstmals seit 2009 - und dem damaligen krisenbedingten Einbruch - gibt es bei den November-Zahlen der offiziellen Lehrlingsstatistik auch einen geringfügigen Rückgang von 1 % bei den Lehranfängern in der Sparte Industrie. Allerdings ist dieses Minus - im Vergleich zu anderen Ausbildungssparten - noch gering", so Engelmann.

Die Lehrlingsstatistik vom November 2012 zeigt etwa 38.400 Lehranfänger im 1. Lehrjahr gegenüber ca. 39.600 zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahrs. Der Rückgang in der Industrie beträgt dabei 1,3 Prozent. Die Gesamtzahl der Lehrlinge in allen Sparten beträgt aktuell 125.500, das sind 2,3 % weniger als im Vorjahr. (us)

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