Ärztekammer fordert handyfreie Zonen im öffentlichen Raum

Menschen müssen zu einem bewussten Umgang mit der Mobilfunktechnologie gebracht werden - Recyclingmaßnahmen gefordert

Wien (OTS) - Die Wiener Ärztekammer fordert die Etablierung von handyfreien Zonen - ähnlich den rauchfreien Zonen in öffentlichen Gebäuden. Dies sei notwendig, um einerseits die Strahlenbelastung zu minimieren und andererseits die Menschen zu einem bewussten Umgang mit der Mobilfunktechnologie zu bringen, betont der Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien, Piero Lercher. ****

Gerade das Urteil des italienischen Höchstgerichts, wonach exzessives Telefonieren mit Handy- und Schnurlostelefonen zu einer 80-prozentigen Invalidität führen kann, zeige deutlich die diesbezügliche Gesundheitsgefährdung. Aus seiner Sicht sei es "äußerst bedenklich", wenn in Gesundheitsfragen ärztliche Ratschläge und Empfehlungen ignoriert würden und Handlungsbedarf erst durch Gerichtsurteile geweckt werden müsse.

Es stehe außer Streit, dass sich Mobiltelefone als praktikables Tool zur Bewältigung vieler Alltagssituationen sowie als Alarmierungssystem in Notfallsituationen etabliert hätten. "Das Handy aber zum ständigen Begleiter, selbst im Bett, zu machen, schießt weit über das Ziel hinaus", meint Lercher, der in Alltagssituationen schon eine gewisse "Entzugssymptomatik" bei vielen Menschen erkennen kann, wenn das Handy einmal plötzlich nicht mehr dabei ist.

Weiters fordert Lercher die Intensivierung von Recyclingmaßnahmen. Er verweist darauf, dass bei der Produktion von Mobiltelefonen sogenannte "Metalle der seltenen Erden" sowie teure Rohstoffe verwendet würden. Deren Gewinnung sei jedoch äußerst umweltbedenklich: "Seltene Erden sind zum Teil selbst giftig beziehungsweise wird der Lebensraum vieler Menschen vergiftet, da der Abbau mit Säuren erfolgt, die die Metalle aus den Bohrlöchern waschen. Zurück bleibt dann der vergiftete Schlamm."

Lercher schlägt die Implementierung eines Handypfandsystems vor, um so zu verhindern, dass Handys zu Hause gehortet würden. "Sympathisch" ist aus seiner Sicht auch die Idee der Ö3-Wundertüte, wo das Einsammeln von alten Handys und Netzgeräten zur Lukrierung von Geldern für wohltätige Zwecke verwendet wird.

4,6 Milliarden Menschen verwenden Mobilfunk

Die Gefährlichkeit einer intensiven Mobilfunk- und Schnurlostelefonie mit Studien zu untermauern, sei insofern problematisch, als die Beobachtungsdauer seit Etablierung dieses globalen Massenphänomens noch zu kurz sei. Lercher verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass weltweit geschätzte 4,6 Milliarden Menschen als Anwender eines Mobilfunkgeräts registriert sind - mit steigender Tendenz. "Die Dimension dieses Massenphänomens zeigt, wie wichtig es ist, Regeln für einen maßvollen und sicheren Umgang mit dieser Technologie zu entwickeln", so Lercher.

Seit Herausgabe der "10 medizinischen Handy-Regeln" vor sechs Jahren hätten diese nichts an ihrer Aktualität verloren. In diesem Sinn appelliert Lercher an einen sorgsamen Umgang mit der Mobilfunktechnologie. Er fordert gleichzeitig aber auch von der Industrie, verstärkt auf strahlungsarme Schnurlostelefone zu setzen:
"Die hat es bereits gegeben, sie wurden aber mittlerweile vom Markt verdrängt." (hpp)

(S E R V I C E - Die Plakate "Strahlende Informationen: 10 medizinische Handy-Regeln" können in der Pressestelle der Ärztekammer für Wien kostenlos - auch für Schulen - unter Tel. 01/51501-1223 DW, E-Mail: pressestelle@aekwien.at, bestellt werden. Plakat-Download auf der Homepage der Ärztekammer für Wien:
http://www.aekwien.at/media/Plakat_Handy.pdf.)

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