Neues Volksblatt: "Solidarität" von Markus EBERT

Ausgabe vom 6. Dezember 2012

Linz (OTS) - Neun von zehn Zivildiener beim Roten Kreuz sagen laut dessen oberösterreichischem Präsidenten Walter Aichinger, dass sie freiwillig nicht in dieses System eingestiegen wären. Sie wurden sozusagen, dank bestehender allgemeiner Wehrpflicht, zu ihrem Glück gezwungen. Glück deswegen, weil nämlich 80 Prozent dieser "Zwangsverpflichteten" dem Roten Kreuz in Oberösterreich als Freiwillige erhalten bleiben. Aus dem abverlangten Dienst am Heimatland wird ein Ehrenamt, die ursprünglich Verpflichteten fühlen offenbar eine Verpflichtung, der Gesellschaft unentgeltlich weiter für eine bestimmte Zeit zur Verfügung zu stehen. Sie sind damit in bester Gesellschaft, ist doch fast jeder zweite Österreicher ehrenamtlich tätig.
Das Gegenteil dieses freiwilligen und unbezahlten Engagements ist die "Verstaatlichung der Bürgergesellschaft", wie ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf gestern im Nationalrat sagte. Ob "bezahltes freiwilliges Sozialjahr" oder ein "bezahltes Freiwilligenheer":
Beides sind schönfärberische Begriffe, die die von Kopf angesprochene Verstaatlichung der Bürgergesellschaft kaschieren sollen. Die Warnung vor der "moralischen Armutsgefährdung" ist angebracht, denn eine entsolidarisierte Gesellschaft kann wohl niemand anstreben. Dass sich SPÖ und Grüne gar so lustig machen über einen zeitlich befristeten Dienst, zu dem man im Sinne des Gemeinwohls verpflichtet wird, offenbart ein eigenartiges Verständnis von Solidarität.

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