Begeisterung soll Österreich zum Land der Forschung machen

Nicht nur Geld, sondern lebendiges Interesse für Forschungsthemen entscheidend - APA-Science-Event zum Thema "Österreich ... Land der Forschung, zukunftsreich?"

Wien (OTS) - Bis Österreich von innen und außen als Land der Forschung wahrgenommen wird, ist es noch ein weiter Weg. Dazu brauche es mehr hoch qualifizierte Forscher und gar nicht immer notwendigerweise mehr Geld - vor allem müsse die Begeisterung für die Wissenschaft in der Bevölkerung, speziell bei jungen Menschen, geschürt werden. Das erklärten Experten gestern, Dienstagabend, bei einer mehrheitlich von Optimismus für die Forschungszukunft getragenen Podiumsdiskussion im Rahmen des ersten APA-Science-Events in Wien.

Das Interesse und die Begeisterung für Physik, die Anton Zeilinger in seinen Vorlesungen von den erstsemestrigen Studenten zu spüren bekommt, ist für den Quantenphysiker der wichtigste Motor in der Vermittlung von Wissenschaftsthemen. "Die in manchen Medien publizierte negative Perzeption von Wissenschaft in der Öffentlichkeit stimmt mit meiner Erfahrung nicht überein", so der Vorstand des Instituts für Experimentalphysik der Universität Wien.

Um Österreich voranzubringen, müsse man junge Menschen sowohl für die Natur- als auch Geisteswissenschaften motivieren. Finanzierungsmöglichkeiten könnten sich auch daraus ergeben, indem man das Geld von hoch dotierten Forschungspreisen für die Unterstützung junger Forscher verwende: "Der Wittgensteinpreis ist eine gute Sache, aber wahrscheinlich historisch überholt", meint Zeilinger.

Neben der Etablierung von Exzellenzinitiativen dürfe man nicht darauf vergessen, auch Einzelpersonen und kleinere Universitäten zu fördern und interdisziplinärer zu forschen. Eine gewachsene Stärke Österreichs und Europas im Gegensatz zu anderen Regionen der Welt sieht Zeilinger in der Verbindung von fundamentalen Fragestellungen mit den Naturwissenschaften. "Das ist etwas, was wir hier revitalisieren müssen."

Taxifahrer, die von Forschung sprechen

Wenn ein Taxifahrer einmal seinem Fahrgast von den neuesten Errungenschaften der österreichischen Forschungsszene vorschwärmt, dann ist für Gerald Murauer, seit Anfang Dezember Forschungschef bei Siemens Österreich, ein wichtiges Ziel erreicht. Dazu müsse man den Standort aber noch mehr öffnen: "Internationalität ist gelebte Praxis für viele Organisationen. Man tut sich leichter Forschung zu verkaufen."

Mobile, hoch qualifizierte Mitarbeiter würden dorthin gehen, wo die attraktiven Themen sind, ist Wolfgang Knoll, wirtschaftlicher Geschäftsführer des Austrian Institute of Technology (AIT), überzeugt. Das zentrale Thema ist auch für ihn die Begeisterungsfähigkeit, die im besten Fall an den Nachwuchs weiter vermittelt wird. Der Kern dieses Problems liegt für Sonja Hammerschmid, Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität Wien, im Bildungssystem, das es schaffen müsse, "Talente zu fördern und zu halten". Dabei solle man auch andere, kreativere Formen finden, das Interesse für Forschung und Entwicklung zu wecken. "Wir in den Institutionen müssen zu den Leuten hingehen und ihnen sagen, was sie an uns haben", so Hammerschmid.

Investitionen zahlen sich aus

Investitionen in die Forschung würden sich immer auch volkswirtschaftlich rentieren, so Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Geld dafür sei in Österreich genug vorhanden, das zeige schon der Aufwärtstrend bei der Forschungsquote von ca. zwei Prozent im Jahr 2000 auf derzeit knapp drei Prozent, was in Summe zehn Mrd. Euro an Mehrinvestitionen bedeutet habe.

Ein nicht ganz so rosiges Bild von der alpenländischen Forschungszukunft zeichnete Ludovit Garzik, Geschäftsführer des Rates für Forschung und Technologieentwicklung (RFT). Für die von der Bundesregierung angestrebte Forschungsquote von 3,76 Prozent des BIP bis 2020 würden in Summe rund zwei Mrd. Euro fehlen, etwa zur Hälfte jeweils vonseiten des öffentlichen und des privaten Sektors. Auch bei den Humanressourcen sei in den nächsten Jahren ein eklatanter Mangel zu erwarten, bis zu 30.000 Forscher könnten Österreich bis 2020 fehlen: "Wo sollen die alle herkommen?"

Forschungsergebnisse müssen den Menschen anschaulicher begreiflich gemacht werden, etwa anhand der als "Smart City" konzipierten Seestadt Aspern, befand Gabriele Payr, Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke. Der Forschungsstandort Wien könne vor allem durch die in mehreren Rankings bestätigte hervorragende Lebensqualität punkten. Herausforderungen für die Forschung in Sachen Verkehr und Energie würden vor allem aus dem raschen Wachstum der Stadt - pro Jahr gebe es bis zu 15.000 Bewohner mehr - entstehen.

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