• 02.12.2012, 20:48:36
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Berlin braucht eine Behördenreform. Joachim Fahrun über die Unfähigkeit eines Bezirksamtes, das Elterngeld pünktlich auszubezahlen

Berlin (ots) - Laxe Behörden stürzen arme Bürger durch ihr Versagen
in existenzielle Notlagen. Nein, die Rede ist nicht von Griechenland,
wo die Wirtschaftskrise wütet und der Staatsapparat umgekrempelt
wird, sondern von Berlin, Deutschland. Bei uns müssen junge Familien
offensichtlich monatelang auf Geld warten, das ihnen zusteht. Denn
schließlich hat die Bundesregierung schon vor Jahren beschlossen und
verkündet, Verdienstausfälle mit Elterngeld abzufedern. Doch in
Berlin bekommen es einige Bezirke nicht hin, Anträge der Bürger auf
diese Leistung in angemessener Frist zu bearbeiten. Und so rutschen
die Opfer dieser Schlamperei kurz vor Weihnachten in den Dispokredit
- oder pumpen Geld bei Verwandten. Der Stadtrat verweist, wie in
solchen Fällen üblich, auf die Sparvorgaben des Senats und die
Überlastung seiner Mitarbeiter. Als ob es im ganzen Bezirksamt
Charlottenburg-Wilmersdorf nicht noch 1800 Kollegen gäbe, über deren
Einsatz die sonst so selbstbewussten Bezirkspolitiker in eigener
Verantwortung entscheiden können. Aber die Zustände in den
Elterngeldstellen werfen ein Schlaglicht auf ein Problem, das viel
tiefer geht als die mangelnde Fähigkeit von Behördenleitern. Es
knirscht inzwischen bedenklich in Berlins öffentlichem Dienst. Zwei
Jahrzehnte Personalabbau haben ihre Spuren hinterlassen. Die
Mitarbeiter sind im Durchschnitt 50 Jahre alt und oft frustriert,
weil sie seit Jahren nur wenig planvolles Schrumpfen erleben. An den
Bedürfnissen der Bürger orientierte Personalentwicklung hat jahrelang
ebenso wenig stattgefunden wie eine Diskussion darüber, welche
Aufgaben die Behörden in Zukunft überhaupt noch bewältigen sollen und
können. Der Senat hat sich verhalten wie die Bundesregierung: Immer
der unteren Ebene zuschieben, ohne dass es oben jemanden
interessiert, ob und wie die Basis mit solchen zusätzlichen Lasten
klarkommt. Es ist jetzt allerhöchste Zeit für eine Schubumkehr in
Berlins öffentlichem Dienst. Wenn der Senat nicht rasch handelt, viel
mehr junge Leute ausbildet und sich verstärkt um Quereinsteiger
bemüht, werden die Verwaltungen weiter ausbluten und die Bürger mit
ihren Anliegen immer weiter hinten in der Warteschlange landen. Bis
2016 gehen 25.000 Leute in den Ruhestand, fast jeder Vierte aus der
aktuellen Mannschaft. Da reicht es auch nicht, Menschen erst dann
anzustellen, wenn die Schreibtische leer sind. Neueinsteiger brauchen
das Wissen der Älteren, wenn sie deren Arbeit vernünftig weiterführen
oder verbessern wollen. Und wo will der Arbeitgeber Land Berlin dann
auf die Schnelle Tausende motivierte und qualifizierte Leute
hernehmen, die auch von Firmen gesucht und vielleicht auch besser
bezahlt werden? Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD)
sollte das Problem auch nicht einfach den einzelnen Ressortsenatoren
überlassen. Personalplanung und die Modernisierung der Verwaltung
müssen zentrale Aufgaben sein. Die Politiker mahnen gerne, die
Unternehmen sollten sich durch vorausschauende Personalpolitik auf
den demografischen Wandel vorbereiten. Berlins Senat hat das im
eigenen Haus viel zu lange verschlafen.

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