Ukrainisches Bärenkind Nastia in neuem tiergerechten Zuhause

Nervenkrieg: Der Zoo in Lutsk weigert sich, Mutter Masha zu übergeben - neue Gespräche mit Bürgermeister in Kürze

Wien (OTS) - VIER PFOTEN hat heute morgen das von Tierhändlern misshandelte Bärenkind Nastia vom ukrainischen Zoo Lutsk in ihr neues Zuhause in Zhytomyr, 159 km westlich von Kiew, gebracht. Mit Unterstützung der französischen Tierschutzorganisation 30 Millions d'Amis und großzügigen Spenden aus aller Welt hatte VIER PFOTEN auf einem 10.000 Quadratmeter großen Gelände die neue Bärenstation Nadiya erbaut.

Nastia erfreut sich bester Gesundheit und genießt bereits ihr neues Leben in einer artgerechten Umgebung. Der Transfer selbst verlief problemlos, der kleine Bär musste nicht einmal anästhesiert werden: Zur Freude der Tierärzte und Experten von VIER PFOTEN konnte Nastia mit ihrem Lieblingsessen - Weintrauben und in Honig getunktes Brot - in den Transportkäfig gelockt werden.

Leider gestaltete sich die Situation für Nastias Mutter Masha ungleich schwieriger: Dr. Amir Khalil, Projektleiter von VIER PFOTEN in der Ukraine, spricht von einem "regelrechten Nervenkrieg, Frust während der Verhandlungen und unnötigen Hindernissen der Zoodirektoren". Noch vor wenigen Tagen schien der Transfer von Masha noch in Stein gemeißelt. Ganz plötzlich weigerte sich der Zoo in Lutsk, weiter zu kooperieren - ganz offensichtlich deshalb, weil sie von der trächtigen Masha weiterhin profitieren wollen. Ihr noch ungeborenes Baby wurde bereits an Tierhändler verkauft, wie VIER PFOTEN anhand eines Videos beweisen kann. In harten und ermüdenden Verhandlungen versuchte Dr. Khalil bis zur letzten Minute, die Zoodirektoren zu überzeugen, leider vergebens. Allerdings konnte im Anschluss daran im Zuge eines in freundschaftlicher, wenn auch angespannter Atmosphäre geführten Gesprächs mit dem Bürgermeister von Lutsk, Mykola Romaniuk, eine Wiederaufnahme der Verhandlungen um den Transfer von Masha beschlossen werden.

"Ich bin optimistisch, dass die kommenden Gespräche mit Bürgermeister Romaniuk zu einem ebenso guten Ende für Masha führen werden", sagt Dr. Khalil. "Er war offensichtlich falsch informiert über die Absichten des Zoos in Lutsk. Nachdem ihm die wirkliche Lage bzw. die tatsächlichen Pläne des Zoos bewusst wurden, war er schockiert und zeigte sich sehr entschlossen, das Problem im Sinne des Tierschutzes positiv zu lösen. Wir haben auch von den ukrainischen Medien vor Ort sehr viel Unterstützung erfahren".

Nastia war im Mai 2012 vom Zoo Lutsk an skrupellose Tierhändler in Winnyzja verkauft und brutal ihrer Mutter entrissen worden. VIER PFOTEN hatte im Juni ein schockierendes Video veröffentlicht, das zeigt, wie die damals erst vier Monate alte Nastia laut schreiend in eine viel zu kleine Transportkiste gezwängt und in einem Auto abtransportiert wurde, während ihre Mutter panisch im Käfig auf und ablief (http://www.youtube.com/watch?v=JiqsN7yXmko).

Dr. Amir Khalil konnte sie mit Hilfe der ukrainischen Behörden im Juli 2012 beschlagnahmen und von den Tierhändlern in Winnyzja wieder zurück zu ihrer Mutter in den Zoo Lutsk bringen
(https://www.youtube.com/watch?v=aT4Fy75aThQ). Dort wurden beide
Tiere seitdem von VIER PFOTEN Mitarbeitern rund um die Uhr versorgt und beschützt. Währenddessen baute die Tierschutzorganisation unter Hochdruck die neue Bärenstation Nadiya in Zhytomyr. Auf Ukrainisch bedeutet "Nadiya" "Hoffnung".

Die Reise von Lutsk nach Zhytomyr dauerte etwa drei Stunden. Nastia bezog ihr neues Gehege, das viel Platz, Bäume zum Klettern und einen Teich zum Baden bietet. Das Bärenkind verließ sofort die Transportbox, sprang zum ersten Mal in ihrem Leben ins Wasser und nutzte den weitläufigen Platz des Geheges, um einmal richtig schnell zu laufen. "Auf diesen schönen Moment haben wir alle so lange gewartet", sagt Dr. Khalil. "Nastia darf endlich ein bärengerechtes, schönes Leben führen. Hier ist sie in Sicherheit; VIER PFOTEN wird für sie für den Rest ihres Lebens sorgen."

Helmut Dungler, Geschäftsführer von VIER PFOTEN, spricht von einem wichtigen Erfolg seiner Organisation: "Es ist berührend, Nastias erste Schritte in die Freiheit mit zu verfolgen.
Ich freue mich, dass es uns heute gelungen ist, die Leidensgeschichte des kleinen Bären zu einem Ende bringen. Zudem haben wir es in diesem Fall geschafft, die Öffentlichkeit für das wichtige Thema Tierschutz in der Ukraine zu sensibilisieren."

Nastia und Masha sind zwei von insgesamt sechs misshandelten ukrainischen Braunbären, die VIER PFOTEN in den letzten Monaten befreien und in Sicherheit bringen konnte. Der Verkauf von Zootieren an Privatpersonen ist in der Ukraine illegal, doch der Handel mit Bären blüht. "Der Verkauf von einem Zootier an eine Privatperson ist in der Ukraine zwar verboten, er wird aber mit umgerechnet nur etwa 60 Euro geahndet", so Dr. Khalil. "Wir fordern die Regierung auf, rigoros gegen das skrupellose Gechäft mit Zootieren vorzugehen."

Derzeit leben etwa 80 Bären unter katastrophalen Bedingungen in Privathaltung. Viele fristen ein trostloses Leben in engen Käfigen neben Tankstellen, Restaurants oder Hotels und müssen zur Belustigung von Touristen Tricks aufführen. Die Tierschutzorganisation will weitere leidende Bären in der Ukraine retten und ihnen ein tiergerechtes Leben ermöglichen. Das neue Bärenschutzzentrum in Zhytomyr wird neben Nastia und Masha mindestens zwei weiteren ukrainischen Bären in Not ein neues Zuhause bieten können.

VIER PFOTEN verfügt über langjährige Erfahrung in der Haltung von Braunbären und betreibt neben der neuen Bärenstation drei weitere Auffangstationen für Bären in Not in Österreich, Deutschland und Bulgarien.

Printfähige Fotos, professionell gedrehtes Videomaterial und ein Kurzfilm über Nastias Entführung, ihre Rettung und Freilassung im neuen Gehege sind auf Anfrage ab morgen (28.11.) kostenfrei erhältlich.

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Anita Hauser
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