Tumpel ad Sozialbericht: Schieflage bei Vermögen beseitigen

AK sieht sich in ihren Forderungen bestärkt - mehr Verteilungsgerechtigkeit längst überfällig

Wien (OTS) - Der Sozialbericht 2012 macht deutlich: In Österreich gibt es eine enorme soziale Schieflage. "Die Schere zwischen Arm und Reich ist zu weit aufgegangen", sieht sich AK Präsident Tumpel in den Forderungen der Arbeiterkammer bestärkt. Frauen sind immer noch eine stark benachteiligte Gruppe, 37 Prozent der Alleinerzieherinnen und jede dritte alleinlebende Frauen ohne Pension sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. "Dem müssen wir entschlossen entgegen treten. Die Ungleichheiten bei Einkommen und Vermögen zwischen Männern und Frauen müssen beseitigt werden." Auch die Zahlen zur Vermögensverteilung untermauern die Argumente der AK für mehr Verteilungsgerechtigkeit. "Es ist längst an der Zeit, von großen Vermögen einen fairen Beitrag zu fordern. Mit diesem Geld kann in wichtige Maßnahmen wie den Ausbau der Kindergärten, Ganztagsschulen und Pflegedienste investiert werden. Kürzungen im Sozial- und Bildungsbereich sind angesichts der sozialen Lage fehl am Platz und würden die soziale Schieflage nur noch weiter verschärfen."

Keine Mittelschicht beim Vermögen laut Sozialberichtsdaten
Die obersten 5 Prozent der privaten Haushalte besitzen 45 Prozent des Gesamtvermögens. Diese rund 190.000 Haushalte besitzen mindestens je eine Million Vermögen. Die untere Hälfte, also 1,9 Millionen Haushalte, hat insgesamt weniger als 4 Prozent des Gesamtvermögens. Der private Vermögensbesitz ist damit in den Händen einiger weniger. Vermögensarme Haushalte besitzen etwa den Gegenwert von ein oder zwei Autos und Sparbüchern, mittlere Vermögensgruppen eine Eigentumswohnung oder ein abbezahltes Haus. Reiche Haushalte mit Vermögen über 500.000 Euro hingegen haben dazu Unternehmensbeteiligungen (inklusive Landwirtschaften), Zinshäuser, und Aktien, Anleihen oder Fonds.

Ausgrenzungsgefährdung bei Frauen am höchsten
Österreich muss die aktuelle Ausgrenzungsgefährdung noch um mindestens 15 Prozent absenken, um das Europa-2020-Ziel zu erreichen ("Ausgrenzungsgefährdung" umfasst die Gruppe der Armutsgefährdeten, der erheblich materiell Deprivierten oder Personen in nahezu erwerbslosen Haushalten). Die Zahl der armuts- oder ausgrenzungsgefährdeten Menschen hat sich zwar trotz Krise verringert, gleichzeitig hat sich die Zahl jener, die von langfristig verfestigter Armut direkt betroffen sind, mehr als verdoppelt (2010:
10,6 Pro-zent; 2005: 5,1 Prozent). Bei der Ausgrenzungsgefährdung liegt Österreich mit 16,6 Pro-zent im EU-Vergleich an vierter Stelle der Länder mit der geringsten Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung. Dennoch besteht auch hier eine deutliche soziale Schieflage. Besonders Frauen sind stark von sozialer Ausgrenzung betroffen, unter jenen im erwerbsfähigen Alter sind es 100.000 mehr als bei Männern. Würde das Armutsrisiko von Frauen auf das Niveau von Männern abgesenkt, wäre auch gleichzeitig das Europa 2020 Ziel der Bundesregierung erreicht. Die AK sieht sich daher in ihren Forderungen bestärkt. Um die soziale Schieflage zu beseitigen fordert die AK:

+ Arbeit wird hoch besteuert, Vermögen kaum: Große Vermögen müssen einen fairen Beitrag leisten. Der Großteil der Bevölkerung wäre von einer Vermögenssteuer nicht betroffen.

+ Wohnbau-Offensive im sozialen Wohnbau: Das schafft Beschäftigung und macht die Mieten für viele wieder erschwinglich.

+ Bildung und soziale Dienstleistungen ausbauen: Kindergärten, Ganztagsschulen und Pflegedienste müssen ausgebaut werden - das ist auch ein Beschäftigungsmotor, der die Chancen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessert.

+ Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit: Das Lohnniveau der Frauen soll auf das der Männer angehoben werden - mit Quoten, transparenten Einkommensberichten und der Möglichkeit zur Vollzeitbeschäftigung. Auch das ist Armutsbekämpfung.

+ 150 Millionen mehr für aktive Arbeitsmarktpolitik: Die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen, bei Menschen mit schlechter Berufsausbildung und gesundheitlich beeinträchtigten ArbeitnehmerInnen muss mit Ausbildungs- und Unterstützungsmaßnahmen abgefedert werden.

+ Eine Stärkung des Binnenkonsums durch entsprechende Lohnentwicklung und durch gefestigtes Vertrauen in den Sozialstaat muss den nachlassenden Export ausgleichen. Angstsparen muss vermieden werden.

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