Kinderarmut: Katholische Jungschar geht in die Offensive

Jungschar fordert u.a. Kindergrundsicherung und Gesamtschule - 135.000 Kinder in Österreich sind "manifest arm"

Wien, 13.11.12 (KAP) Die Katholische Jungschar geht in die Offensive gegen Kinderarmut. In ihrem am Dienstag vorgestellten "Bericht zur Lage der Kinder 2012" werden auf der Basis einer soziologischen Studie Armutserfahrungen von Kindern aufgezeigt, in einer Pressekonferenz wurden aber auch konkrete Forderungen zu einer effizienten Kinderarmutsbekämpfung in Österreich erhoben. Unter dem Titel "Genug für alle!" verlangt die größte österreichische Kinderorganisation von den politische Verantwortlichen u.a. eine Kindergrundsicherung unabhängig von Familienform und Herkunft.

Weitere Forderungen sind Rahmenbedingungen für existenzsichernde Erwerbsarbeit vor allem für Frauen, familienfreundliche Arbeitszeiten und qualitätsvolle Kinderbetreuungseinrichtungen. Den Kindern käme nach Überzeugung der Jungschar auch eine Absenkung der Normalarbeitszeit bei gleichbleibendem Lohn sowie eine verpflichtende Väterzeit analog zum Mutterschutz nach der Geburt zugute. Da Bildung ein Schlüssel zur Armutsbekämpfung sei, plädiert die Jungschar für eine gemeinsame Schule aller Kinder bis 15 Jahre "mit ganzheitlich gestaltetem Lern- bzw. Miteinander-leben-Konzept". Sozial benachteiligte Kinder seien gezielt zu fördern.

Martin Schenk, Sozialexperte der evangelischen Diakonie, sprach bei der Pressekonferenz von 135.000 "manifest armen" Kindern in Österreich. Neben einem geringen Haushaltseinkommen bedeute dies kalte und feuchte Wohnungen, höhere Gesundheitsgefährdung, schlechtere Kleidung und Probleme bei unerwarteten Ausgaben wie die notwendige Neuanschaffung einer Waschmaschine. Immerhin 50.000 Kinder und Jugendliche lebten in Österreich in Haushalten, die mit Mindestsicherung auskommen müssen.

Schenks dringende Empfehlung an die Bildungspolitik: weg von einem selektierenden Schulsystem hin zu integrierenden Ganztagsschulen, in denen alle Kinder in ihren Begabungen bestmöglich gefördert werden. Schenk berichtete von einem Besuch im diesbezüglichen Vorbild Finnland, das bei PISA-Studien regelmäßig an der Spitze steht. In jeder Schule seien dort Prinzipien der Schulverfassung nachzulesen, die - so Schenk - auch schöne Slogans für eine Schulreform in Österreich sein könnten: "Kein Kind beschämen" und "kein Kind zurücklassen".

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