AUVA und KFV Aktion "Nimm dir Zeit für meine Sicherheit" feiert Jubiläum

Kinder betreiben seit 20 Jahren erfolgreich Bewusstseinsbildung

Mitterndorf (OTS) - Seit nunmehr 20 Jahren verteilen Kinder vor Schulen Äpfel an brave Lenker und Zitronen an Schnellfahrer, um an die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung zu erinnern. Die erfolgreiche Aktion von AUVA und KFV nahm in Niederösterreich ihren Anfang und blickt auf eine erfolgreiche Bilanz zurück. Unter dem Motto "Nimm dir Zeit für meine Sicherheit!", schafft die persönliche Konfrontation von Schnellfahrern mit ihren potenziellen Opfern Bewusstsein für die Bedürfnisse der jungen Straßenbenutzer. In der Volksschule Mitterndorf an der Fischa wird heute das Jubiläum der Aktion gefeiert.

An viel zu vielen Tagen im Jahr lautet die Medienmeldung "Kind nach Kollision mit Pkw in Lebensgefahr" oder gar "Auf dem Schutzweg überfahren - Schülerin tot". Dramatisch spiegelt sich die brutale Realität des Straßenverkehrs in den Zahlen der Statistik. Im Jahr 1992 kam es zu 706 Unfällen mit Kindern im Alter bis 14 Jahre auf Niederösterreichs Straßen - 195 davon am Schulweg -, 748 wurden verletzt und 11 wurden bei Verkehrsunfällen getötet. Bis zum heutigen Tag sind die Unfallzahlen, dank zahlreicher Präventionsmaßnahmen, drastisch gesunken. Dennoch ist die Statistik alarmierend. Im Jahr 2011 starben 3 Kinder als Fußgänger in Niederösterreich, 522 - davon 35 am Schulweg - wurden verletzt - viele davon schwer, mit lebenslangen Folgen.

Kein Wunder: Das Verhalten vieler Fahrer macht aus dem "Lebensraum" Straße für Kinder einen "Überlebensraum" - und das oft nur mit knapper Not. Denn das Verantwortungsbewusstsein der Erwachsenen steckt leider allzu oft noch selbst in den Kinderschuhen. Sind Tempolimits bloße Tipps? Diese Frage stellt sich beim Blick auf die Daten aktueller Geschwindigkeitsmessungen: Rund 60 Prozent der Pkw-Lenker ignorieren Tempo-30-Limits im Ortsgebiet, und etwa 40 Prozent aller Autofahrer überschreiten Tempo 50. Höchste Zeit für Sicherheit!

"Nimm dir Zeit für meine Sicherheit!"

Diesen Appell richten KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) seit 20 Jahren im Rahmen der unter dem Titel "Apfel/ Zitrone" gestarteten Initiative an alle Kraftfahrzeuglenker, um zu verhindern, dass die Schwächsten auf der Straße - Fußgänger und ganz besonders Kinder - unter die Räder kommen. Die Aktion wirbt österreichweit für mehr Achtsamkeit: Die vom Risiko Betroffenen selbst - Kinder im Volksschulalter - bitten dabei am Straßenrand von der Exekutive angehaltene Schnellfahrer höchstpersönlich und durchaus eindringlich um Zeit für Sicherheit. Weil die Wahl der Fahrgeschwindigkeit über Sein oder Nicht-Sein von Fußgängern entscheiden kann. Die Idee dazu kam von einem niederösterreichischen Polizisten.

Süßes oder Saures...

Wenn Raser von der Polizei zur Kasse gebeten werden, ist dies eine unangenehme Sache. So richtig peinlich wird es aber, wenn eine ganze Klasse von Schulkindern um mehr Rücksicht bittet. Der vorwurfsvolle Blick aus Kinderaugen wirkt, der flammende Appell ans Verantwortungsbewusstsein kommt an und wird im Idealfall auch nicht so schnell vergessen. Als Draufgabe zur persönlichen Aufforderung von Seiten der Kinder wartet schließlich auch noch Süßes oder Saures: Ein süßer Apfel belohnt jeden angepassten Fahrer - jeden Tempoüberschreiter mahnt eine saure Zitrone. Seit 1992 haben 36.543 Schüler 22.623 Äpfel und 11.122 Zitronen an Lenker verteilt.

Bei einer Evaluation der Aktion gaben 94 Prozent der angehaltenen Autofahrer an, dass sie die Aktion als positiv empfinden und es befürworten würden, wenn sie regelmäßig durchgeführt würde. Die Einbindung von Schülern in die Aktion erfuhr große Zustimmung, da Kinder dadurch schon früh mit dieser Thematik konfrontiert werden. "Die teilnehmenden Schüler arbeiten aktiv mit und haben Spaß an der Kommunikation mit den angehaltenen Lenkern. Gleichzeitig beschäftigen sie sich mit den Verkehrsregeln und werden für die Thematik sensibilisiert. Die Evaluation hat uns gezeigt, dass die Aktion Apfel-Zitrone von allen Teilnehmern akzeptiert wird und einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit leistet", sagt DI Christian Kräutler, KFV-Landesstellenleiter Niederösterreich.

Mangelware Zeit - Luxusgut Sicherheit?

Oft sind es Ablenkung und Zeitdruck, die dem Menschen am Volant den Blick fürs Wesentliche nehmen. Telefonieren, SMS-Tippen, In-der-Tasche-Kramen, kurze Unaufmerksamkeit beim Abbiegen an der Kreuzung - und schon passiert es: Gedankenlosigkeit wird zur tödlichen Gefahr. Ing. Bernd Toplak, stellvertretender Leiter des Unfallverhütungsdienstes der AUVA-Landesstelle Wien, erklärt "Die Jubiläums-Aktion war 2011 in rund 75 Schulen in Niederösterreich zu Gast. Was wir heute am wenigsten haben und am meisten brauchen, ist Zeit. Da bleibt die Sicherheit im Straßenverkehr schnell auf der Strecke. Doch Sicherheit darf kein Luxusgut sein. Sicherheit braucht Zeit für Achtsamkeit! Unser aktueller Appell ist wörtlich zu nehmen. Fuß weg vom Gas und volle Konzentration voraus: Ist da vielleicht jemand, der für seine sicheren Schritte auch ein Stück Straße beansprucht? Jemand, dessen Leben von meinem Fahrverhalten abhängt?"

"Unsichtbarer Schutzweg": für Kinder immer und überall!
Egal, ob auf dem Zebrastreifen oder nicht, bei Rot oder bei Grün: Für Kinder gilt der "unsichtbare Schutzweg" - und zwar immer und überall! Fahrzeuglenker müssen Kindern allerorts und jederzeit, ob in Begleitung oder allein auf der Straße, den Vorrang einräumen und eine gefahrlose Querung der Fahrbahn ermöglichen.

Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/3604/

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit):
Tel.: 05-77077-1919, E-Mail: pr@kfv.at, www.kfv.at

Gabriela Würth, Öffentlichkeitsarbeit der AUVA-Landesstelle Wien
Tel.: 0676-33 24 879,
E-Mail: gabriela.wuerth@auva.at, www.auva@at/wien

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