Bundesarbeitskammer fordert von EU verbindliche Geschlechterquote in Aufsichtsräten

Wien (OTS) - Eine Verordnung, die bis spätestens 2020 eine einheitliche Geschlechterquote von 40 Prozent bei der Besetzung von Aufsichtsrats- bzw Verwaltungsratsfunktionen vorschreibt, fordert die Bundesarbeitskammer in einem Schreiben an alle EU-KommissarInnen.

Der Brief im Wortlaut:

Die Europäische Union engagiert sich von Beginn an für die Gleichstellung von Frauen und Männern, nimmt immer wieder eine Vorreiterrolle ein und setzt damit wichtige Impulse in den Mitgliedsstaaten. Die Repräsentanz von Frauen in den mächtigen und einflussreichen Entscheidungspositionen der Wirtschaft ist eine der wichtigsten Messlatten dafür, wie es tatsächlich um die Chancengleichheit steht. Die Österreichische Bundesarbeitskammer (BAK) bedauert daher ganz besonders, dass die Initiative von EU-Kommissarin Viviane Reding für eine europaweite Geschlechterquote in den Aufsichtsräten nicht von der gesamten EU-Kommission mitgetragen bzw unterstützt wird.

Gleichstellung ist nicht nur eine Frage sozialer Gerechtigkeit, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Ohne die Verwirklichung der Gleichstellung der Geschlechter werden die Potenziale und Fähigkeiten von Frauen nur unzureichend genutzt. Zahlreiche Studien zeigen, dass gemischte Führungsteams besser wirtschaften und Vielfalt positiv auf die Unternehmenskultur wirkt.

Der Anteil von Frauen in den Führungspositionen der europäischen Wirtschaft ist trotzdem seit Jahren unverändert niedrig. Obwohl Frauen ebenso häufig ein Studium absolvieren und in gleichem Maße qualifiziert sind wie Männer, sind weiblichen Führungskräfte deutlich unterrepräsentiert. Zwar haben europaweit noch nie so viele Frauen wie heute die Vorstände und Aufsichtsräte der größten börsennotierten Unternehmen besetzt, jedoch liegt der weibliche Anteil im Jahr 2012 noch immer unter 14 Prozent.

Die BAK führt seit zehn Jahren eine Evaluierung von Frauen in Führungspositionen in Österreich durch und stellt dabei keinen substantiellen Fortschritt fest. Der Frauenanteil in den Geschäftsführungen der umsatzstärksten 200 Unternehmen liegt 2012 nach wie vor bei 5 Prozent. Auch im Aufsichtsrat bleibt der Anteil mit 11 Prozent vernachlässigbar gering. Trotz entsprechender Soft-Law-Regelungen im Österreichischen Corporate Governance Kodex ist selbst in den Unternehmen am Kapitalmarkt keine Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen festzustellen.

Wie ein Vergleich innerhalb europäischer Staaten zeigt, führt ausschließlich die Steuerung per Gesetz dazu, die Repräsentanz von Frauen zu erhöhen. Dem Beispiel Norwegen folgend haben die Nationalstaaten Frankreich, Italien und Belgien bereits entsprechende Quoten-Gesetzgebungen verabschiedet, die Sanktionen beinhalten. Bisher hat die Europäische Kommission darauf gesetzt, es den Unternehmen zu überlassen, in Eigenverantwortung und dem Prinzip der Selbstverpflichtung folgend für eine Verbesserung des Geschlechtergleichgewichts zu sorgen. Mit dem Ergebnis, dass gutgemeinte Versprechungen und freiwillige Regeln völlig wirkungslos geblieben sind.

Die BAK fordert die EU-Kommission daher auf, eine Verordnung zu erlassen, die bis spätestens 2020 eine einheitliche Geschlechterquote von 40 Prozent bei der Besetzung von Aufsichtsrats- bzw. Verwaltungsratsfunktionen vorschreibt. Wir ersuchen Sie, die entsprechende Initiative von EU-Kommissarin Viviane Reding zu unterstützen und damit weiterhin der Vorreiterrolle der EU in der Frage der Gleichberechtigung gerecht zu werden.

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