GLOBAL 2000: Pestizide in Eiswürfeln zeugen von längerfristiger Trinkwasserkontamination

Grundwasserskandal von Korneuburg wird zum Trinkwasserskandal - BM Stöger muss Trinkwasserschutz stärken

Wien (OTS) - Fünfzehn der zwanzig untersuchten Eiswürfel-Proben aus Haushalten, die bis September 2012 von der EVN Wasser mit Trinkwasser aus dem mittlerweile abgeschalteten Brunnenfeld Bisamberg beliefert wurden, enthielten das Pestizid Clopyralid, dreizehn davon über dem gesetzlichen Grenzwert. Zwei der am Umweltbundesamt untersuchten Eiswürfel-Proben wurden - laut Aussagen der SpenderInnen - bereits im Jahr 2011 eingefroren. Betroffen war Wasser aus den Gemeinden Bisamberg, Kleinrötz, Kreuttal, Kleinengersdorf und Großrussbach.

Damit steht nun fest, dass die vom Pestizidhersteller Kwizda verursachte und von der verantwortlichen Bezirksbehörde jahrelang ineffizent behandelte Grundwasserkontamination im Korneuburger Becken die KonsumentInnen erreicht hat. Noch am 30. Oktober versicherte die Bezirkshauptmannschaft Korneuburg gegenüber MedienvertreterInnen, die "öffentliche Wasserversorgung der EVN Wasser sei nicht von den Grundwasserverunreinigungen betroffen" - obwohl GLOBAL 2000 zuvor darauf aufmerksam gemacht hatte, dass das Brunnenfeld Bisamberg innerhalb der Kontaminationsfahne von Clopyralid liegt.

"Dass die BH Korneuburg Daten und Fakten zur Grundwasserkontamination nach wie vor nur zögerlich und unvollständig preisgibt und gleichzeitig beschwichtigende Aussagen tätigt, die sich später als falsch herausstellen, trägt nicht zu ihrer Glaubwürdigkeit bei. Vielmehr wird eine durch die verfehlte Informationspolitik der Vergangenheit bereits vorhandene Verunsicherung der Menschen noch zusätzlich verstärkt", sagt Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000. Gleichzeitig beruhigt Burtscher bezüglich möglicher gesundheitlicher Auswirkungen der festgestellten Kontamination: "Die Trinkwasserbelastung ist zwar über dem gesetzlichen Grenzwert, allerdings ist dieser ausgesprochen niedrig angesetzt, sodass man bei den festgestellten Clopyralid-Mengen auch bei regelmäßigem und jahrelangem Trinkwasserkonsum nicht von einer Gesundheitsgefährdung für die Konsumenten ausgehen muss. Anders als Pestizidgrenzwerte für konventionell produziertes Obst, Gemüse oder Getreide, die um das Tausendfache höher liegen, wurde der Pestizidgrenzwert für Trinkwasser mit dem primären Ziel festgesetzt, Pestizide vom Trinkwasser generell fern zu halten."

Auch wenn im konkreten Fall eine Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung - glücklicherweise - als sehr unwahrscheinlich betrachtet werden kann, muss Gesundheitsminister Stöger für die Zukunft sicherstellen, dass pestizidbelastetes Trinkwasser nicht so einfach in die Haushalte gelangen kann. GLOBAL 2000 erneuert daher die Forderung an Gesundheitsminister Alois Stöger, allen österreichischen Trinkwasserversorgern ein umfassendes Pestizidscreening in viertel-bis halbjährlichen Intervallen, z.B. durch das Umweltbundesamt, vorzuschreiben.

Matthias Schabl von der Bügerinitiative "PRO REINES WASSER" ist über die BH Korneuburg verärgert: "Der Nachweis der Trinkwasserkontamination hat leider ein weiteres mal deutlich gezeigt, dass die Bezirkshauptmannschaft ohne fremde Hilfe nicht in der Lage ist, Umweltgefährdung zu vermeiden und einmal ausgekommene Giftstoffe einzufangen, bevor Schaden entsteht. Die Bürgerinitiative fordert daher die sofortige Suspendierung von Bezirkshauptmann-Stellvertreter Dr. Peter Suchanek, der das Verfahren geführt hat und immer noch führt. Weiters fordern wir eine Sonderprüfung aller Gewerbebetriebe, speziell auf Abwasserbecken, damit keine weitere Kontamination mehr passieren kann."

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