Finanzmarktaufsicht unterbindet im Auftrag der Politik zivilgesellschaftliches Engagement

Jugend Eine Welt im Visier der Finanzmarktaufsicht wegen zinsenloser Darlehen.

Wien (OTS) - Seit Mitte 2012 prüft die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) die Vergabe von zinsenlosen Privatdarlehen an das Hilfswerk Jugend Eine Welt. Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt, zeigt sich besorgt: "Die Menschen wollen uns helfen, dürfen aber nicht! Wir bekommen, abgesehen von Spenden, auch Unterstützung in Form von Darlehen von unseren Freunden und Förderern. Diese dürfen wir aber gar nicht annehmen. Die geltende Rechtslage verbietet uns das." Das Geld wird sogar ohne Zinsen zur Verfügung gestellt! Diese Förderdarlehen dienen zur Zwischen- und Vorfinanzierung von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe. Spenden und öffentliche Fördermittel fließen unregelmäßig, oft ist aber schnelle und unbürokratische Unterstützung zur Finanzierung dringender Projekte und Hilfsaktionen gefragt. Die Versorgung mit der dafür nötigen Liquidität erfolgt über solche zinslose Förderdarlehen, die aus dem Umfeld des Vereins kommen.

Seit einigen Monaten prüft die Finanzmarktaufsicht solche Darlehensbeziehungen. Jugend Eine Welt wird "verbotenes Einlagengeschäft" vorgeworfen. Für derartige Darlehen ist eine Bankkonzession erforderlich - was für karitative Vereine eine Unmöglichkeit darstellt. Andere, von der Finanzmarktaufsicht genannte Finanzierungsmodelle, sind mit hohem administrativem und finanziellem Aufwand verbunden und daher für NPO's nicht leistbar. "100.000 Euro an Kosten für die Erstellung eines Prospektes um dann Darlehen über eine Anleihe in der Höhe von 500.000 Euro einzusammeln steht in keiner Relation. Jugend Eine Welt ist weder gewerbsmäßig tätig, noch haben wir irgendwelche Gewinnerzielungsabsichten. Es handelt sich daher um kein Bankenmodell, sondern um ein privates Fördermodell entwicklungspolitischer Aktivitäten", betont Reinhard Heiserer: "Die FMA begründet ihre restriktive Vorgehensweise mit dem Schutz der Anleger. Doch bei den DarlehensgeberInnen handelt es sich um Privatpersonen, die über die Risiken aufgeklärt sind und ihr Geld bewusst dem Verein zur Verfügung stellen wollen."

Einfacher Vertrag auf Augenhöhe

Entschließt sich eine Privatperson die Arbeit von Jugend Eine Welt mit einem zinsenlosen Darlehen zu unterstützen, wird ein Vertrag auf unbestimmte Zeit zwischen DarlehensgeberIn und Jugend Eine Welt abgeschlossen. Die DarlehensgeberInnen werden in diesem Zusammenhang auch über die Risiken aufgeklärt und schließen den Vertrag in voller Kenntnis aller Eventualitäten ab. Zinsen werden bei dieser Form des Darlehens nicht gezahlt und damit stellt diese Unterstützungsmöglichkeit keine Konkurrenz zu verzinsten Bankeinlagen dar. "Wenn gewünscht, wird das Geld an die UnterstützerInnen zurückbezahlt", erklärt Reinhard Heiserer: "Fast die Hälfte der DahrlehensgeberInnen entscheiden sich jedoch dafür im Todesfall das Kapital zu spenden."

Politik ist gefordert

Die Finanzmarkaufsicht agiert innerhalb des gesetzlichen Rahmens. Die Zivilgesellschaft unterstützt alternative Finanzierungsformen, wie der Waldviertler Schuhproduzent GEA, Jugend Eine Welt und viele andere sie nutzen. "Es braucht gesetzliche Regelungen von Seiten der Politik, die sinnvolle Beteiligungsmodelle und Finanzinnovationen ermöglichen statt verhindern", ergänzt Reinhard Heiserer: "Für Unterstützerinnen und Unterstützern von Jugend Eine Welt sind zinsenlose Darlehen ein Zeichen ihres konkreten Engagements für Kinder und Jugendliche weltweit. Denn zinsenlose Darlehen sind somit ein Instrument des Zivilgesellschaftlichen Engagements. Dieses muss gefördert werden."

Von Seiten des CRIC, der größten Plattform für ethisch und nachhaltig orientierte InvestorInnen im deutschsprachigen Raum, werden die alternativen Finanzierungsmodelle, wie zinsenlose Darlehen, Beteiligungsmodelle usw., unterstützt. "Dadurch werden regionale Projekte mit hohem sozialen und ökologischen Wirkungsgrad ermöglicht. Projekte, die Sinn machen und sonst nicht realisiert werden könnten", erklärt Klaus Gabriel, Geschäftsführer von CRIC.

Jugend Eine Welt: 15 Jahre "Bildung überwindet Armut"

Jugend Eine Welt ist ein internationales Hilfswerk und wurde 1997 als Verein gegründet. Seit 15 Jahren setzt sich die unabhängige Nicht-Regierungsorganisation für internationale Jugendhilfe sowie nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit ein. Unter dem Leitgedanken "Bildung überwindet Armut" unterstützt Jugend Eine Welt Schulen, Straßenkinder-Programme und Bildungszentren in Asien, Afrika, Lateinamerika und Osteuropa. Bevorzugte Projektpartner sind dabei die Salesianer Don Boscos und die Don Bosco Schwestern, die über langjährige Erfahrung und Expertise vor Ort verfügen. In den 15 Jahren seines Bestehens hat der unabhängige Verein hunderte Bildungs-und Straßenkinderprojekte weltweit unterstützt. Zehntausende junge Menschen aus ärmsten Verhältnissen haben so die Möglichkeit bekommen eine Schule zu besuchen oder einen Beruf zu erlernen.

Nähere Informationen unter www.jugendeinewelt.at

Rückfragen & Kontakt:

Marion Fercher
Mail: marion.fercher@jugendeinewelt.at
Tel: 0664 82 43 792

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