GPA-djp-Gotthartsleitner: Unbezahlte Überstunden auch bei Lehrlingen im Handel auf der Tagesordnung

Umfrage unter 17.600 Handelslehrlingen bestätigt arbeitsrechtliche Verstöße der ausbildenden Unternehmen

Wien (OTS/ÖGB) - Lehrlinge, die geleistete Überstunden nicht bezahlt bekommen und Probleme mit den Chefs haben, wenn sie in den Krankenstand müssen, Samstagseinsätze, die laut Kollektivvertag nicht erlaubt sind - die aktuelle Umfrage der GPA-djp-Jugend unter den rund 17.600 im österreichischen Handel beschäftigten Lehrlinge bestätigt einmal mehr, dass es nicht alle Arbeitgeber mit dem Berufsausbildungsrecht ganz genau nehmen.

"Ein sehr repräsentativer Teil der rund 17.600 befragten Lehrlinge hat bei unserer Umfrage mitgemacht, die größte Unzufriedenheit herrscht definitiv wegen nicht abgegoltener Überstunden und wegen Arbeitszeitproblemen", berichtet der Bundesjugendsekretär der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier), Helmut Gotthartsleitner. Obwohl Überstunden für Lehrlinge unter 18 Jahren verboten sind, haben rund zwei Drittel der Befragten bereits welche geleistet, mehr als die Hälfte davon nicht freiwillig. Bei jedem fünften Lehrling wurden diese Überstunden außerdem weder in Geld noch Freizeit abgegolten.

Auch im Bereich der Wochenendruhe werden offenbar systematisch Rechte von Lehrlingen beschnitten, erläutert Gotthartsleitner: "Jeder Fünfte Lehrling gibt an, an mehr als nur an zwei Samstagen im Monat nach 13 Uhr arbeiten zu müssen. Rund 6 Prozent der Lehrlinge arbeiten sogar an jedem Samstag!" Dass diese Wochenendeinsätze nicht freiwillig geleistet werden, beweist die Tatsache, dass rund 70 Prozent der Lehrlinge am Samstag lieber frei hätten.

Weiters geben rund 40 Prozent der Lehrlinge an, dass sie die Kosten für das Berufsschulinternat selbst bezahlen müssen. "Das ist ein klarer Bruch der kollektivvertraglichen Regelungen", zeigt sich Gotthartsleitner empört. "Der Kollektivvertrag regelt nämlich eindeutig, dass Lehrlingen, die im Internat sind, 50 Prozent der Lehrlingsentschädigung übrig bleiben müssen. Die Differenz haben die Betriebe zu bezahlen". Aufgrund der Tatsache, dass sich offenbar fast jeder zweite Ausbilderbetrieb nicht an diese Bestimmung hält, hat die GPA-djp keine Alternative, als die Forderung nach der vollen Übernahme der Internatskosten durch die Betriebe zu einem Schwerpunkt bei den Kollektivvertragsverhandlungen zu machen, kündigt Gotthartsleitner an.

"Wir alle kennen leider die immer wiederkehrenden, wenig wertschätzenden Klagen der Arbeitgeber, dass sich nur der sogenannte Bodensatz (Arbeitgeber-Zitat) der Lehrlinge für eine Ausbildung interessieren würde. Die Ergebnisse der Umfrage belegen allerdings einwandfrei, dass viele Handelsunternehmen offenbar auch überhaupt kein Interesse daran haben, die Ausbildung attraktiv zu gestalten", fordert Gotthartsleitner abschließend einmal mehr ein Benchmarksystem: "Lehrlingsausbildung bedeutet nicht nur Nehmen, sondern auch Geben, das gilt nicht nur für die Lehrlinge, sondern besonders für die Unternehmen. Die Leistungen der Lehrlinge werden geprüft, es müssen aber auch jene der Ausbilderbetriebe abgefragt werden, an die Ergebnisse dieser Überprüfungen sollten finanzielle Förderungen geknüpft werden. Der Handlungsbedarf ist unübersehbar."

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