"Sparen auf Kosten der Beschaeftigten bringt den Handel nicht weiter"

Unzureichendes Gehaltsangebot der Arbeitgeber - Verhandlungen für den Kollektivvertrag unterbrochen

Wien (OTS/ÖGB) - Die zweite Verhandlungsrunde für einen neuen Kollektivvertrag im Handel wurde heute ohne Ergebnis vertagt. "Das Angebot der Arbeitgeber für die Gehaltserhöhung der rund 520.000 Beschäftigten ist völlig inakzeptabel", berichten die Verhandlungsleiter der ArbeitnehmerInnen, Franz Georg Brantner, Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs Handel in der GPA- djp, und Manfred Wolf, Wirtschaftsbereichssekretär in der GPA-djp. "Das heutige Angebot der Arbeitgeber ist ein Lockangebot ohne inhaltlicher Substanz und Qualität", so Wolf, " es bedeutet, dass sich die Beschäftigten die stärkere Anhebung der unteren Gehälter selbst finanzieren."

"Die Arbeitgeber orientieren sich offenbar am heutigen Weltspartag, verstehen den Hintergrund des Sparens aber völlig falsch", ergänzt Brantner. Ihrer Argumentation zufolge hätte jedes Gehaltsplus einen Verlust von 170 Millionen Euro zur Folge. "Das bedeutet im Umkehrschluss aber einen Kaufkraftverlust für die Beschäftigten von 170 Millionen Euro für jedes Prozent weniger Gehalt. Die Menschen geben das Geld, das sie verdienen aus und auch der Handel profitiert davon. Sparen auf Kosten der Beschäftigten bringt den Handel nicht weiter."

Der Handel ist darüber hinaus der größte Wirtschaftsbereich, jede/r sechste Beschäftigte in Österreich arbeitet im Handel, der Frauenanteil beträgt weit mehr als 50 Prozent. "Mit ihrem aktuellem Angebot geben die Arbeitgeber den Beschäftigten einmal mehr zu verstehen, dass ihnen die Leistung von Frauen offenbar weniger Wert ist", ergänzt Wolf.

Eine aktuelle IFES-Befragung bestätigt, dass der Handel nach wie vor eine Niedriglohnbranche ist, das Durchschnitts-Bruttogehalt bei Vollzeitbeschäftigung liegt um 380 Euro unter dem Durchschnitts-Bruttogehalt aller Angestellten in Österreich.

Auch werde die Attraktivität des Handels vor allem für junge Menschen durch die ständige Weigerung, finanzielle Verbesserungen für die Lehrlinge herbeizuführen nicht gesteigert, ärgert sich GPA-djp-Bundesjugendsekretär Helmut Gotthartsleitner: "Es ist erfreulich, dass einige Betriebe bereits die Internatskosten für die Berufsschulaufenthalte ihrer Lehrlinge übernehmen. Nicht nur, weil die Internate in manchen Bundesländern ohnehin der Wirtschaftskammer gehören, kann die Kostenübernahme nicht auf Freiwilligkeit basieren, sie muss Mindeststandard im Kollektivvertrag werden."

"Die Leistungen der Beschäftigten sind auf jeden Fall mehr wert. In diesem Sinne sind wir zu den Kollektivvertragsverhandlungen angetreten, um den Abstand aufzuholen, aber nicht, um ihn zu vergrößern", so Brantner und Wolf abschließend.

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