WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Vom Schnee alleine kann keiner leben - von Günter Fritz

Vielen Skiregionen stehen einschneidende Veränderungen bevor

Wien (OTS) - Der Winter kommt verlässlich alle Jahre und lässt die Touristiker jubeln - heuer sogar sehr früh. Der Wintereinbruch Ende Oktober mag zwar mancherorts für Chaos auf den Straßen, gekappte Stromversorgung und verschnupfte Nasen sorgen - für die heimische Urlaubsbranche ist er aber ein Segen. Wenn schon jetzt die Bilder von verschneiten Landschaften medial in die Städte Europas transportiert werden, dann beginnen die Buchungen unweigerlich anzuspringen, wie die Erfahrung zeigt. Die Betriebe können sich die Hände reiben und mit einer positiven Grundstimmung in die kommende Wintersaison gehen.

Das ist erfreulich, aber keine Garantie, dass das ewig so sein wird -auch wenn der Tourismus sich bis jetzt erstaunlich krisenresistent gezeigt hat: Inklusive Freizeitbetrieben erzielt die Branche 14,8 Prozent des BIP, weist rund 630.000 Jobs aus und ist eine wesentliche Stütze der Wirtschaft. Der Wintertourismus spielt dabei eine immer wichtigere Rolle. Gab es in Österreich vor 30 Jahren noch doppelt so viele Nächtigungen in der Sommersaison wie im Winter, so ist das Verhältnis seit Mitte der 2000er-Jahre annähernd ausgeglichen. Winterurlauber geben mit 120 Euro pro Kopf und Tag zudem um 20 Prozent mehr aus als Sommerfrischler und sind eine besonders lukrative Zielgruppe.

Winterurlaub ist kein billiges Vergnügen: Für das Geld, das eine Woche Familienurlaub in einer Top-Skidestination kostet, ist auch eine Fernreise locker drinnen. Dafür bekommen die Gäste im Gros der Wintersportgebiete viel geboten - Liftanlagen und Hotels sind top. Doch langsam scheinen die Grenzen erreicht: Skifahren wird immer mehr zum Luxus und die Seilbahnen haben bereits so viel in den Infrastrukturausbau gesteckt, dass sie Investitionen sukzessive zurückfahren - auch aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen.

Die kleinen Skigebiete haben das Wettrüsten mit den Großen längst verloren und können bei Angebot und Qualität nicht mehr mithalten. Ihnen kommen sukzessive die Skifahrer abhanden - auch weil vielerorts attraktive Hotels und Gastronomiebetriebe fehlen. Dazu kommt noch, dass die Osteuropäer, die den Aufschwung der letzten Jahre mitgetragen haben, zunehmend selbst Skiresorts nach US-Vorbild entwickeln und künftig wieder mehr zu Hause bleiben könnten. Schon jetzt sind viele kleine österreichische Skigebiete in finanziellen Nöten; ihnen stehen einschneidende Veränderungen bevor. Künftig wird sich noch stärker die Spreu vom Weizen trennen - überleben wird nur, wer ein tragfähiges wirtschaftliches und inhaltliches Konzept vorweisen kann.

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