FMMI: Kollektivvertrag in vierter Verhandlungsrunde fixiert

Maschinenbauer einigen sich mit Arbeitnehmervertretern auf eigenständigen KV-Abschluss

Wien (OTS) - Die vierte Runde der KV-Verhandlungen brachte eine Einigung über einen eigenständigen KV-Abschluss der Maschinen- und Metallwarenindustrie. Der FMMI hat in diesem Jahr erstmals direkte KV-Verhandlungen geführt, um den besonderen Rahmenbedingungen der Branche, wie etwa überdurchschnittlich hohe Lohntangenten, Rechnung zu tragen.

Das Ergebnis, gültig ab 1. 11. 2012, lautet: gestaffelte IST-Lohn-und -Gehaltserhöhungen von 3,0 bis maximal 3,3 %, differenziert nach Beschäftigungsgruppen. Die KV-Erhöhung beträgt 3,3 bis 3,4 %, Zulagen und Aufwandentschädigungen werden um 3,0 % erhöht, Lehrlingsentschädigungen um 3,4 %.

Die Verhandlungspartner sind darüber hinaus übereingekommen, Fragen wie die altersgerechte Arbeitszeitverteilung in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zu behandeln.

Das Verhandlungsteam des FMMI hatte den Gewerkschaften am Donnerstag Abend im Rahmen des Beschäftigungssicherungspakets ein mehrteiliges Angebot unterbreitet. Veit Schmid-Schmidsfelden, stellvertretender Verhandlungsleiter des FMMI-KV-Teams: "Wir sind den Gewerkschaften einen großen Schritt entgegengekommen." Trotz der schwierigen Wirtschaftslage und beunruhigenden Prognosen liegt dieser Abschluss deutlich über der Inflationsrate. Zu einer weiteren Erörterung von wesentlichen Fragen wie der ertrags- bzw. lohntangentenabhängigen Lohndifferenzierung und einer Erweiterung des Bandbreitenmodells war die Gewerkschaft nicht gesprächsbereit. "Im Interesse eines sozialpartnerschaftlichen und eigenständigen Abschlusses sind wir den Gewerkschaften heuer entgegengekommen. Da diese Fragen für unsere Branche enorm wichtig sind, werden wir sie aber weiterhin forcieren", kündigt Schmid-Schmidsfelden an.

Der FMMI beurteilt den Abschluss angesichts der Konjunkturaussichten als äußerst herausfordernd. "Vor dem Hintergrund der schwierigen Zeiten, die vor uns liegen, war es uns aber wichtig, den Betrieben und ihren Mitarbeitern mit einer raschen sozialpartnerschaftlichen Einigung Sicherheit zu geben", so Schmid-Schmidsfelden abschließend.

Daten & Fakten zur österreichischen MMI: Spezialisten als Rückgrat der heimischen Industrie

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Mitarbeiter der MMI stehen nicht am Hochofen. Die Maschinenbauer sind Spezialisten, die zum Teil in Handarbeit Kleinstserien oder Einzelanfertigungen statt Massenware herstellen und erfolgreich Nischen auf internationalen Märkten bearbeiten. Als zentraler Teil der Wertschöpfungskette in der österreichischen Industrie ist die MMI verantwortlich für rund 24 % des gesamten Produktionswertes und investiert rund 800 Mio. Euro pro Jahr in Forschung und Entwicklung.

MASCHINENBAUER ALS ARBEITGEBER UND AUSBILDNER

Die Maschinen- & Metallwaren-Produzenten sind eine der Schlüsselindustrien am Standort Österreich. Mit rund 120.000 Beschäftigten in 1.200 Unternehmen stellen sie über 30 % der industriellen Arbeitsplätze und bilden rund 40 % der Industrielehrlinge aus.
Die Branche ist besonders personalintensiv. Im Durchschnitt weisen die FMMI-Mitglieder eine Lohntangente (Personalaufwand an der Betriebsleistung) von über 20 % auf. Nicht wenige liegen aber weit darüber. Es gibt in der Branche auch Lohntangenten von über 50 % und mehr.

  • Der "Faktor Mensch" ist in der MMI wesentlich.
  • Beschäftigungszahlen steigen in den letzten 10 Jahren entgegen allen Trends in der Gesamtindustrie.
  • Auch in Krisenzeiten wurden überdurchschnittliche viele Mitarbeiter in den Betrieben gehalten, größtenteils auf Kosten der Arbeitgeber. Während der Produktionswert in der letzten Krise um über 20 % fiel, sank die Beschäftigung um nur ca. 4 %.
  • Es gibt zahlreiche Initiativen, um Lehrlinge und Fachkräfte für die MMI zu gewinnen, Mädchen und Frauen in technische Berufe zu holen usw.
  • Die MMI zahlt überdurchschnittlich gut. 2011 waren es brutto im Durchschnitt über Euro 2.600,- für Arbeiter und rund Euro 4.000,-für Angestellte.

GRÖSSTENEILS FAMILIENUNTERNEHMEN UND KMU

Die Branche der Maschinenbauer ist mehrheitlich kleinteilig strukturiert. Rund 85 % der FMMI-Mitglieder sind KMU (unter 250 Mitarbeiter). Über 80 % der Betriebe sind Familienunternehmen. Diese sind häufig die größten Arbeitgeber in der Region und über Generationen am Standort.

  • Schon aufgrund ihrer Geschichte und Strukturen denken die Unternehmen langfristig. Gewinne werden in der Regel in das Unternehmen, den Standort bzw. in die Mitarbeiter reinvestiert.
  • Nur 18 der rund 1.200 Betriebe sind börsennotiert. Davon gehören nur zwei Mitglieder zum Top-Segment auf der ATX-Liste.
  • Im Durchschnitt liegen die Gehälter des Top-Managements in der MMI bei rund Euro 150.000,- pro Jahr. Erfolgsabhängige Prämien von rund einem Drittel können hinzukommen, kommen aber bei schlechter Wirtschaftslage nicht zu tragen. Die durchschnittlichen Löhne liegen im Vergleich dazu bei Euro 36.400,- (monatlich Euro 2.600,-), die Gehälter bei Euro 56.000,-(monatlich Euro 4.000,-). Umgerechnet beträgt also das Fixum eines Top-Managers rund das Dreifache eines Angestellten und weniger als das Vierfache eines Arbeiters.
  • Fakt ist: Die häufig genannten Spitzengehälter für Manager und hohe Gewinnausschüttungen an Aktionäre betreffen nicht die MMI.

Grafiken zu den wirtschaftlichen Grundlagen der KV-Verhandlungen des FMMI:
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20121018_OTS0126
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20121005_OTS0147

Der Fachverband MASCHINEN & METALLWARN Industrie (FMMI) ist die gesamtösterreichische Vertretung aller Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau und Metallwaren. Die mittelständisch strukturierte Branche erwirtschaftete im Jahr 2011 einen Produktionswert von 36,5 Mrd. Euro und stellt mit rund 1.200 Unternehmen und etwa 120.000 Beschäftigten das Rückgrat der industriellen Beschäftigung in Österreich dar. Der Anteil der Branche am heimischen BIP liegt bei 6,5 Prozent.

Fotos aus der Branche finden Sie unter folgendem Link:
http://www.fmmi.at/aktuelles/bilder-der-mmi/

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Dr. Hans-Paul Nosko, Fachverband
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