Protestmarsch Festplattenabgabe jetzt!

Künstlerinnen und Künstler demonstrierten gegen Blockadepolitik von Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer

Wien (OTS) - Zwischen 400 und 500 Künstlerinnen und Künstler folgten am Mittwoch, dem 17. Oktober 2012 dem Aufruf von 27 namhaften Kunst-und Kulturverbänden. Sie forderten bei einem Protestmarsch in der Wiener Innenstadt die Umsetzung der Festplattenabgabe - jener Abgabe auf Speichermedien, mit der das private Kopieren von urheberrechtlich geschützten Musikwerken, Filmen, Büchern, bildender Kunst und Fotografie abgegolten werden soll.

Schweigeminute vor dem ORF Funkhaus

Vom Schwarzenbergplatz ausgehend startete der Zug der Kunstschaffenden mit Trommelwirbel. Er stoppte zunächst beim ORF-Funkhaus in der Argentinierstraße für eine Schweigeminute. Peter Paul Skrepek, Musiker und Mit-Organisator der Demonstration, erklärte die Solidarität der Demonstrierenden mit den vielen engagierten ORF-Angestellten und insbesondere mit den Freien Mitarbeitern. In der Schweigeminute gedachte die Kundgebung der verloren gegangenen Programmhoheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die einsame Trompete von Bernhard Rabitsch
symbolisierte die Musikszene Österreichs.

Eine "Feste Platte" für die AK

Nächste Station des Protestmarsches war das Bildungszentrum der Arbeiterkammer Wien, in der an diesem Tag die Vollversammlung der AK stattfand. Co-Organisator und Autor Gerhard Ruiss, Kabarett-Autor Fritz Schindlecker, Schriftstellerin Marlene Streeruwitz und der Bildende Künstler Michael Kos erklärten ihr Unverständnis für die Position der Arbeiterkammer gegen die Kunstschaffenden. Gerhard Ruiss hob hervor, dass ein Protest der Künstlerinnen und Künstler vor der Arbeiterkammer eine historische Premiere darstellt: "Wir haben noch nie in der Geschichte der Künstler-Interessenpolitik gegen die Arbeiterkammer demonstriert, wir stehen hier zum ersten Mal und wir hoffen, es ist das letzte Mal. Seit 32 Jahren blockiert die Arbeiterkammer unsere Urheberrechtsanliegen, das nehmen wir nicht länger hin."

Eine mehrere hundert Kilo schwere "Feste Platte", eine Skulptur von Bildhauerin Ulrike Truger, wurde als "Gastgeschenk" vor der AK abgeladen. "Als Symbol, aber auch möglicher Verhandlungstisch", wie Ruiss ausführte. AK-Direktor Werner Muhm trat ebenfalls an das Mikrofon und bot den Kunstschaffenden einen konstruktiven Dialog zur Lösung der Problematik an. Das Angebot wurde von den KünstlerInnen und Künstlern mit Applaus angenommen. Gerhard Ruiss zweifelte nach Abzug von der AK die Ernsthaftigkeit der Worte an: "Auf heftigen Wunsch des AK-Direktors muss die 'Feste Platte' wieder abgeräumt werden. Die AK ist nicht in der Lage, ein visuelles Dokument auszuhalten, das wir hinterlassen haben." Bestätigt wurden die Zweifel auch durch eine Aussendung der Arbeiterkammer, die unmittelbar nach dem Protestmarsch folgte.

Festplatten für die WKO

Letzte Station des Demonstrationszuges war die Wirtschaftskammer Österreich. Auch die WKO erhielt ein "Gastgeschenk": Ausgediente Festplatten wurden von einem Bagger auf dem Vorplatz der WKO abgeladen. Dort sprachen Mitglieder der WKO, der Wega-Film-Produzent Dr. Veit Heiduschka sowie der Picus-Verleger Dr. Alexander Potyka zu den Kunstschaffenden. Es wurde betont, dass gerade der Wirtschaftskammer in dieser Angelegenheit eine wichtige Rolle zukommt. Denn viele Mitglieder ihrer Sparte Elektrohandel heben die Festplattenabgabe seit 2010 bereits ein, führen sie aber nicht an die Kunstschaffenden ab. Mit der Aufgabe ihrer Blockade gegen diese Pauschalvergütung könnte die Wirtschaftskammer auch die wirtschaftliche Existenz vieler Künstlerinnen und Künstler sichern. Der WKO wurde, ebenso wie der AK, anschließend an die Kundgebung eine Protestnote mit einer Begleitfestplatte überreicht.

400 bis 500 Künstlerinnen beim Protestmarsch

Neben den bereits genannten Personen nahmen zahlreiche namhafte Kunstschaffende an dem Rundgang von der Arbeiterkammer zur Wirtschaftskammer teil: Barbara Neuwirth, Tone Fink, Horst Chmelar, Christof Straub, Robert Schindel, Gustav Ernst, Sabine Gruber, Helmut Peschina, Kurt Palm, Slavko Ninic, Wolfgang Dorninger, Gustav Ernst, Heinz Rudolf Unger, Peter Gruber, Uli Soyka u.v.m.

Viele weitere unterstützten den Protestmarsch, darunter der Schauspieler Karlheinz Hackl, der Kabarettist Alf Poier, die Medienkünstlerin Valie Export, der Aktionskünstler Hermann Nitsch, die Jazz-Pianistin und Sängerin Sabine Hank, der Bildende Künstler Christian Ludwig Attersee sowie die Schriftsteller Doron Rabinovici und Karl-Markus Gauß, die Autorin Julya Rabinowich und der Drehbuchautor, Schriftsteller und Regisseur David Schalko.

Die Plattform der Kunst- und Kulturverbände des Protestmarschs "Festplattenabgabe jetzt!":
Musikergilde, IG Autorinnen Autoren, Gewerkschaft GdG-KMSfB, Berufsvereinigung der Bildenden Künstler Österreichs, ARGE Privatverlage, Dachverband der österreichischen Filmschaffenden, Drehbuchverband Austria, Grazer Autorinnen Autorenversammlung, GAV Salzburg, IG World Music Austria, IGNM - Internationale Gesellschaft für Neue Musik, Interessengemeinschaft Österreichischer Dokumentarfilm, Kunst hat Recht, Künstlerhaus Wien, Literaturkreis Podium, LVG-Literarische Vereinigung zur Wahrung der Urheberrechte, Musikverleger Union Österreich, Österreichische DialektautorInnen/Archive - Institut für Regionale Sprachen und Kulturen, Österreichischer Komponistenbund, Österreichischer Musikrat, Österreichischer P.E.N.-Club, OESTIG-Österreichische Interpretengesellschaft, Presseclub Concordia, Übersetzergemeinschaft, Verband der Bühnenverleger Österreichs, Verband Dramatikerinnen und Dramatiker, Verband FilmRegie Österreich, Verband unabhängiger Tonträgerproduzenten, Musikverlage und Musikproduzenten Österreich

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