Psychiater Bonelli: "Religion ist dem Menschen gemäß und tut gut"

Wiener Psychiater und Psychotherapeut Bonelli in "Kathpress"-Interview über Grenzen und Berührunspunkte zwischen Seelsorge und Psychotherapie

Wien, 17.10.12 (KAP) "Religion als kollektive Zwangsneurose": Mit dieser von Sigmund Freud-Anhängern ebenso wie von Religionsverächtern mitunter liebevoll gepflegten Karikatur gelebter und vitaler Religiosität will der Wiener Psychiater und Psychotherapeut Raphael M. Bonelli aufräumen. In 70 Prozent aller aktuellen psychiatrischen Studien werde Religion als wesentlicher Faktor menschlichen Wohlbefindens und psychischer Gesundheit genannt, es sei daher Zeit, an einer Versöhnung, zumindest jedoch an einem echten Dialog zwischen Religionswissenschaften und Psychologie auf Augenhöhe zu arbeiten, betonte Bonelli im Gespräch mit "Kathpress".

Anlass der Wortmeldung Bonellis war eine Podiumsdiskussion am Dienstag in der Wiener Sigmund Freud-Universität zur Frage "Soll Religion in der Psychotherapie vermieden werden?" Bonelli ist auch Direktor des "Institut für Religiosität in Psychiatrie & Psychotherapie" (RPP), das immer wieder Gespräche auf universitärem Niveau zwischen Religion und Psychologie initiiert. Gerade von Seiten der Psychotherapie und Psychologie werde Religion heute "tabuisiert wie Sexualität zur Zeit Freuds". Erst in den letzten Jahren habe ein langsames Umdenken stattgefunden, dass man Religion verstärkt als wichtige "Ressource" des Menschen begreift.

Er habe "schon den Eindruck, dass Religion dem Menschen gemäß ist und gut tut", berichtete Bonelli gegenüber "Kathpress" aus der eigenen therapeutischen Erfahrung. Wo Religion fehle, "fehlt eine wichtige Dimension menschlichen Lebens". Es sei ein sich auch in der psychischen Gesundheit niederschlagender Unterschied, "ob ich mich als von einem Schöpfer geliebtes und gewolltes Geschöpf begreife, oder als 'gottlos' in die Existenz hineingeworfen", so Bonelli.

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