Steinmetzen: Gold bei EuroSkills

Bei den Berufs-Europameisterschaften sichert sich eine österreichische Steinmetzin vor der männlichen Konkurrenz die Goldmedaille

Wien (OTS/PWK739) - Großer Jubel herrscht bei den österreichischen Steinmetzen: Bei der Berufs-Europameisterschaft "EuroSkills 2012" vom 4. bis 6. Oktober 2012 im belgischen Spa-Francochamps verwies die 23-jährige Steinmetz-Gesellin Melanie Seidl fünf männliche Konkurrenten auf die Plätze. Schon in der Vorbereitungsphase überließ Melanie Seidl nichts dem Zufall: "Beim Training habe ich bei jedem Arbeitsschritt die Minuten mitgeschrieben. Daher wusste ich im Wettbewerb immer genau, wie viel Zeit noch übrig war."

Nervenstärke bewiesen
Trotz aller Vorbereitung war der Wettbewerb nervenaufreibend. Bis zuletzt kann etwas schiefgehen, etwa wenn eine Schablone nicht passt. "Ich habe an allen drei Tagen mein bestes gegeben, doch erst als ich meinen Namen bei der Preisverleihung hörte, habe ich realisiert, dass ich gewonnen habe." Während der 18-stündigen Prüfung sind neben Schablonen auch eine Gravur sowie ein kompliziertes Profilteil aus einem Kalkstein anzufertigen. Für die Perfektionistin Seidl kein Problem. Sie arrangierte den Arbeitsplatz in Spa genau wie beim Abschlusstraining an der Landesberufsschule in Wals. Mit dem Training allein war es aber nicht getan; bis man so perfekt im Umgang mit Hammer und Meissel ist, übt man jahrelang bei der täglichen Arbeit am Stein: "Der Stein schenkt Dir nichts, jeder Tag ist eine neue Herausforderung", erklärt die Siegerin.

Berufseinstieg mit Hürden
Disziplin war bereits nötig, bis der Einstieg ins Berufsleben gelang. Steinmetz galt bis vor wenigen Jahren als typischer Männerberuf. Die Gold-Gewinnerin bekam das bei ihrer Suche nach einer Lehrstelle zu spüren. Schließlich absolvierte sie in der Steinmetzfachschule der HTL Hallein eine Berufsausbildung und arbeitet seitdem beim Steinmetz-Meisterbetrieb Kienesberger im oberösterreichischen Schlüßlberg. Probleme im vermeintlichen Männerberuf? Fehlanzeige, sagt Melanie Seidl: "In unserem Handwerk herrscht Gleichberechtigung. Es braucht Gespür für das Material, egal ob Mann oder Frau. Motivation und Ehrgeiz zählen. Wenn mir etwas zu schwer ist, bitte ich Kollegen um Hilfe." Auch für ihren Arbeitgeber, Steinmetzmeister Norbert Kienesberger, ist die Goldmedaille ein besonderes Ergebnis. "Der Sieg von Melanie Seidl erregte das größte Aufsehen unter den 22 Medaillen, die das österreichische Team erringen konnte. Melanie ist cool und junge Leute identifizieren sich mit ihr, weil sie als Frau in dem Beruf so erfolgreich ist".

Zukunft im Handwerk
Viel Lob bekommt die leidenschaftliche Steinmetzin auch von der Bundesinnung der Steinmetze in Wien. Für den Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker hat Melanie Seidls Erfolg Signalwirkung für alle Interessentinnen am kreativen und zukunftsträchtigen Lehrberuf. "Unser Handwerk ist nicht angestaubt, sondern leistungsfähig und vielfältig." Der Anteil an Berufseinsteigerinnen im Steinmetzhandwerk beträgt rund fünf Prozent. Ecker hofft, dass dieser Anteil nach Melanie Seidls großem Erfolg steigt. Berufseinsteiger haben gute Aufstiegschancen, denn im Dualen System ausgebildete Fachkräfte sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Noch besser sind die Chancen durch eine Meisterausbildung, die Melanie Seidl ab dem Wintersemester 2012 in Hallein beginnt. Danach steht einem eigenen Betrieb nichts im Wege; reizen würde die engagierte Steinmetzin aber auch eine Lehrtätigkeit, um ihre Begeisterung für das Material und den Beruf auf andere weiterzugeben. Einmal Steinmetz, immer Steinmetz.

Über die Bundesinnung der Steinmetze
Die Bundesinnung der Steinmetze ist die Spitzenorganisation aller österreichischen Steinmetzmeister unter der Leitung von Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker aus Traiskirchen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Kommunikation nach innen und außen sowie die Unterstützung der rund 700 Mitgliedsbetriebe in den Kernbereichen Friedhofskultur, Bau und Innenausbau sowie der Denkmalpflege. Weitere Schwerpunkte sind die berufliche Weiterbildung, die Arbeitssicherheit und die Förderung von qualifizierten Nachwuchs-Fachkräften. (us)

Rückfragen & Kontakt:

Bundesinnung der Steinmetze
Tel (01) 505 69 60
Fax (01) 505 69 60-240
baunebengewerbe@bigr4.at
http://wko.at/steinmetzmeister

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0011