Plass/Grüne Wirtschaft: Selbstgestrickte Urbefragung der SVA liefert gewünschtes "Sensationsergebnis" in fast nordkoreanischer Dimension

Leitl verantwortlich für reine Geldverschwendung ohne Nutzen für Versicherte!

Wien (OTS) - "Die heutige Präsentation der SVA-Urbefragung hat unsere Kritik voll bestätigt. Sogar bei der heutigen Pressekonferenz wurde zugegeben, dass die vorgelegten Ergebnisse nicht repräsentativ sind und deshalb keinerlei wissenschaftliche Relevanz besitzen", kritisiert Volker Plass, Bundessprecher der Grünen Wirtschaft. "Eine technisch äußerst mangelhafte und tendenziöse Befragung wird jetzt auf zynische Art zur Abstimmung einer Minderheit über die Mehrheit uminterpretiert. SVA-Obmann Christoph Leitl hat mit dieser populistischen PR-Aktion nur zweierlei erreicht: die Versicherten ein weiteres Mal zu verärgern und dafür ein Maximum ihrer sauer verdienten Versicherungsbeiträge zu verschwenden!"

Lieber nicht genau fragen!

Gleich nach dem Start dieser Urbefragung hat die Grüne Wirtschaft die Vorgangsweise der Befragung und die Formulierung des Fragebogens heftig kritisiert: Einerseits wurden tendenziöse Suggestivfragen gestellt und Tabuthemen wie die Zusammenlegung der Krankenkassen, die von der überwältigenden Mehrheit der Versicherten gefordert wird, gleich ganz vermieden. Andererseits wurden wichtige Persönlichkeitsmerkmale der Versicherten wie Betriebsgröße, Einkommen und Gesundheitszustand nicht erhoben: "Dadurch ist weder eine repräsentative Auswertung möglich, noch können wir feststellen, ob sich die Meinung der Gesunden von jener der Kranken, oder die Meinung der Geringverdiener von jener der Wohlhabenden unterscheidet", kritisiert Plass. Welche spezifischen Bedürfnisse die rund 240.000 Ein-Personen-Unternehmen haben, könne man dadurch leider auch nicht erkennen: "Wir wissen nun lediglich, was jener kleine Teil der Versicherten denkt, der diesen Fragebogen ausgefüllt hat. Und das ist wissenschaftlich vollkommen wertlos!"

Tendenziöse Suggestivfragen

Ein gutes Beispiel seien die Selbstbehalte beim Arztbesuch, erläutet Plass: Aus einer Anfang Oktober von der Grünen Wirtschaft vorgelegten repräsentativen Umfrage des Sozialforschungsinstituts SORA wisse man, dass eine klare Mehrheit von 56% der Versicherten Selbstbehalte als ungerecht empfindet (36% Befürworter). Wenn man jedoch frage, ob bei einer Abschaffung der Selbstbehalte die Versicherungsbeiträge erhöht werden sollen, wird die überwältigende Mehrheit der gesunden Versicherten, für die die Selbstbehalte nicht ins Gewicht fallen, natürlich mit Nein antworten. "Leitl fragt nach der Methode: Jetzt hast du Schnupfen, willst du das gegen Lungenentzündung tauschen? Die Alternative zu einer Abschaffung der Selbstbehalte sei selbstverständlich keine Beitragserhöhung, sondern Einsparungen in der aufgeblähten Verwaltung des Gesundheitssystems", zeigt sich Plass verärgert. "Verantwortungsbewusste Politiker müssten sich auch dafür interessieren, wie Einkommensschwache und Kranke über Selbstbehalte denken, anstatt eine zynische Abstimmung der Mehrheit über die betroffene Minderheit zu veranstalten."

Auch die Frage nach einem anderen Beitragsmodell (Befreiung der Geringverdiener von den Versicherungsbeiträgen) sei ohne ausführliche Diskussion ziemlich wertlos. Dank sachlich falscher Fragestellungen und der Mobilisierungskraft des ÖVP-Wirtschaftsbundes kann aber jedes politisch gewollte Ergebnis erzeugt werden, meint Plass: "Wir wissen aus unserer repräsentativen SORA-Umfrage, dass mehr als die Hälfte der Versicherten die SVA-Mindestbeiträge als ungerecht empfindet. Dass angeblich vier Fünftel mit dem derzeit ungerechten System glücklich sind, ist von der Realität meilenweit erntfert!"

Umfrage offenbar ohne seriöse wissenschaftliche Begleitung

Bezeichnend ist, dass diese Urbefragung nicht mit einem angesehenen Meinungsforschungsinstitut durchgeführt, sondern offenbar von der SVA selbst gestrickt wurde, was dem Ganzen zusätzlich die Glaubwürdigkeit nimmt: "Normalerweise ist es üblich, dass jemand, der für die wissenschaftliche Begleitung zuständig war, bei der Präsentation anwesend ist und mit seinem Namen für die Seriosität der abgelieferten Arbeit bürgt. Darauf hat man offenbar aus guten Gründen gleich ganz verzichtet", kommentiert Plass.

"Als Fazit kann man nur feststellen, dass diese SVA-Urbefragung nicht mehr war als eine sündteure PR-Aktion, mit der vom Reformunwillen der Bundesregierung und der SVA-Spitze abgelenkt werden soll", so Plass abschließend.

Die Ergebnisse der von der Grünen Wirtschaft in Auftrag gegebenen repräsentativen SORA-Umfrage zum Thema SVA finden Sie unter:
http://www.gruenewirtschaft.at/content/site/bund/home/article/2662.ht
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Rückfragen & Kontakt:

Volker Plass, Tel. 0676 / 303 22 60

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