Volkshilfe: Mit "Talk & Songs" gegen die Armut

Anlässlich des internationalen Tags zur Beseitigung der Armut zeigte die Volkshilfe im RadioKulturhaus Strategien zur Armutsbekämpfung auf.

Wien (OTS) - "Nicht nur Armut ist ein Problem, sondern auch Reichtum", sagt Mag. (FH) Erich Fenninger im Rahmen der Veranstaltung "Tag gegen Armut", die gestern erstmals von der Volkshilfe in Kooperation mit dem RadioKulturhaus veranstaltet wurde. Im Rahmen einer Talk-Runde wurden Strategien zur Armutsbekämpfung diskutiert. Zu den Podiumsgästen zählten Blogger Robert Misik, Autorin Sybille Hamann, Ökonom Markus Marterbauer und Volkshilfe Bundesgeschäftsführer Erich Fenninger. Moderiert wurde der "Tag gegen Armut" von Journalistin Renata Schmidtkunz. Im Anschluss gaben die Bluessängerin Meena Cryle und die Liedermacherin Beatrix Neundlinger zwei berührende Konzerte zum Besten.

Ungleichheit zwischen Arm und Reich gefährdet gesellschaftlichen Frieden

1,4 Milliarden Menschen sind nach UN-Angaben von extremer Armut betroffen In den EU-Ländern leben 81 Millionen Menschen unter der Einkommensarmutsgrenze. Auch in Österreich sind 511.000 Menschen von Armut betroffen. Gleichzeitig mit dem Ansteigen der Armut nimmt auch die Ungleichheit zu. Während das ärmste Zehntel ein Nettovermögen (Sach-und Finanzvermögen minus Schulden) von weniger als 1.000 Euro hat, beginnen die Nettovermögen des reichsten Zehntels mit 542.000 Euro - nach oben offen.

"Trotz Krise leben wir in großen Reichtum. Armut und soziale Ungleichheit sind ein politisches Problem", sagt Markus Materbauer, Leiter der AK-Abteilung Wirtschaftswissenschaft, und fordert mehr Transparenz in Vermögensfragen: "Es sollte nicht nur einen Armuts-, sondern auch einen Reichtumsbericht geben. Denn Armut und Reichtum hängen zusammen."

Netzaktivist Robert Misik gibt zu bedenken, dass "es nicht so einfach zu erklären ist, warum alle in einer Gesellschaft etwas davon haben, wenn alle etwas haben". Als Publizist sieht er seinen Beitrag zur Armutsbekämpfung in der Aufklärungsarbeit: "Eine gleichere Gesellschaft beginnt damit, dass wir uns gleicher behandeln. Und wenn wir das jetzt noch nicht tun, müssen wir heute damit anfangen."

Sybille Hamann hebt hervor, dass jeder und jede sich für eine gerechtere Wohlstandsverteilung einsetzen kann: "Was hilft, ist ein Blickwechsel. Man muss sich damit auseinandersetzen, was in der unmittelbaren Umgebung passiert und dann aktiv werden."

Strategien gegen Armut

Die zentralen Forderungen der Volkshilfe zur Armutsbekämpfung sind eine Anhebung des Arbeitslosengeldes und der Notstandshilfe, eine bessere Gesundheitsversorgung, eine qualitätsvolle Arbeitsmarktpolitik und Investitionen ins Bildungssystem.

Fenninger: "Die Demokratie erodiert, der Rechtspopulismus nimmt zu. Die Parteien müssen endlich wieder "Partei ergreifen" und sich für die Rechte sozial schwacher Menschen einsetzen. Der Umschwung muss auch von der Zivilgesellschaft ausgehen."

Mit der Analyse, dass "die Zeit der allgemeinen gesellschaftlichen Gemütlichkeit vorbei sei", schließt Renata Schmidtkunz die Diskussionsrunde. Volkshilfe Geschäftsführer Fenninger abschließend:
"Wenn Österreich das selbst gesteckte Ziel, die Zahl der Armutsgefährdeten bis zum Jahr 2020 um 235.000 Personen zu reduzieren, erreichen wolle, muss Armutsbekämpfung oberste Priorität werden. Wir dürfen nicht nur die reale Welt denken, sondern auch das Mögliche."

Im Anschluss an die Talk-Runde ließ das Trio "9linger und die geringfügig Beschäftigten" um Liedermacherin Beatrix Neundlinger mit politischen Liedern u.a. zu Altersarmut aufhorchen. Die internationale erfolgreiche Bluessängerin Meena Cryle sorgte mit ihrer einzigartigen Stimme für einen unvergesslichen Abschluss.

Weiterführende Informationen

Mit dem "Tag gegen Armut" setzt die Volkshilfe ihre erfolgreiche Veranstaltungsreihe rund um das Thema Armut fort - im Frühsommer findet seit 2004 jährlich die Benefiz "Nacht gegen Armut" statt. Mehr Informationen und Bilder: www.taggegenarmut.at

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Mag. (FH) Margit Kubala
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