Die AIFM Richtlinie - große Herausforderungen für die Investment Management Industrie

Wien (OTS) - Im Rahmen eines Business Breakfast von Deloitte nahmen anerkannte Experten zum bevorstehenden In-Kraft-Treten der Alternative Investment Fund Managers Richtlinie (AIFM-D) Stellung. Fazit: Die Richtlinie wird die Investment Management Landschaft in Österreich und europaweit tiefgreifend und nachhaltig verändern. Betroffen davon sind Alternative Investment Fund Manager, aber auch deren Service Provider wie Depotbanken, Prime Broker und Versicherungen sowie professionelle Investoren und Aufsichtsbehörden.

Bis 22. Juli 2013 muss die AIFM Richtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Zukünftig bedürfen die Verwaltung sowie der Vertrieb eines AIFs (Alternative Investment Fund) der Zulassung des Managers durch die zuständige Behörde des betroffenen Mitgliedsstaats. Durch die breite Definition des Begriffes AIF sind unter anderem sowohl die "klassischen" Hedgefonds und Private Equity Fonds aber auch Immobilien- und Spezialfonds vom Anwendungsbereich der Richtlinie erfasst.

Einige der Anforderungen, die in der AIFM-D niedergelegt sind, bedeuten für die Branche ein Abgehen von bis dato gelebter Praxis. Die Richtlinie sieht unter anderem strenge Bestimmungen zur Auslagerung von Tätigkeiten vor, die verhindern sollen, dass AIFM sogenannte Briefkastenunternehmen werden. Diese Bestimmungen werden dazu führen, dass ein Großteil der Branche sein aktuelles Outsourcingkonzept überdenken muss. Zudem sieht die Richtlinie umfangreiche Informationspflichten gegenüber den Anlegern des jeweiligen AIF sowie gegenüber den Aufsichtsbehörden vor. Bestimmungen zur Verwahrstelle mit den daran knüpfenden weitreichenden Haftungsbestimmungen sind ebenso wie die Organisationsanforderungen oder die Vergütungsbestimmungen der Richtlinie ein Bruch mit bisherigen Branchenstandards. Die bevorstehenden Herausforderungen sind also umfassend und, in Ermangelung vorliegender Level II Bestimmungen, häufig noch nicht präzise definiert. Die legistische Umsetzung der Level I Richtlinie ist in Österreich zurzeit noch nicht genau absehbar. Somit sind auch Bestimmungen, die Wahlrechten auf nationaler Ebene unterliegen, wie z. B. de-minimis Ausnahmen, für die Branche zurzeit noch unkalkulierbar.

Studie: Neue Möglichkeiten für große Manager, die Luft für kleinere Fonds wird dünner

Die von Deloitte präsentierte Studie "Responding to the new reality - Alternative Investment Fund Managers Directive Survey" unterstreicht, dass die Auswirkungen weit über regulatorische Compliance Anforderungen hinausgehen. Auch die Vertriebs- und Geschäftsstrategie des jeweiligen Investment Managers sowie das Wettbewerbsumfeld in der EU insgesamt sind davon betroffen. Die Richtlinie stellt aber nicht nur eine Herausforderung dar, sondern kann durch nationale Umsetzungsmaßnahmen und drittstaatliche Kooperationsvereinbarungen auch dazu beitragen, die EU als Markt für Alternative Investments zukünftig noch attraktiver zu gestalten.

Die Umfrage zeigt: 68% der Befragten sind der Meinung, dass als Folge der AIFM-D weniger Manager aus dem EU-Ausland in der EU tätig sein werden. Ebenfalls rund 2 Drittel der Befragten denken, dass die Anforderungen der Richtlinie die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen AIF-Branche, nicht zuletzt auf Grund der mit der Umsetzung der Anforderungen der Richtlinie verbundenen Kosten, beschränken werden. Manager kleinerer Fonds sowie Private Equity und Immobilien-Fonds stehen der Richtlinie eher negativ gegenüber. Größere Manager, besonders jene, die auf regulierte Nicht-UCITS-Fonds spezialisiert sind, sehen überwiegend Geschäftspotenzial durch die AIFM-D. Die Richtlinie hat das Potenzial, einen Trend zur Konsolidierung anzustoßen, dem größere Fonds aufgrund ihrer Ressourcen, sowohl finanziell wie auch personell, besser aufgestellt entgegen sehen. Demgegenüber wird die Aufgabe, alle zukünftigen Erfordernisse zu erfüllen, für kleinere Fonds Manager zunehmend zur existenziellen Herausforderung.

Für 61% der Befragten hat die AIFM-D Einfluss auf die Wahl ihres Fondsdomizils. Die Richtlinie wirkt also auf die Standort-Wahl und bestärkt Manager in ihren Überlegungen, Fonds außerhalb der EU zu gründen oder ins EU-Ausland zu verlegen. "Besonders überraschend ist, dass Manager trotz anderslautender Regulierungsvorhaben weiterhin großes Vertrauen in die ungehinderte Fortführung des Private Placement Regimes in der EU haben. Zudem setzt ein Teil der Befragten seine Hoffnungen in den ab 2015 geltenden EU-Pass für Manager aus Drittstaaten", so Mag. Elisabeth Lucius, Expertin bei Deloitte Financial Advisory für den Bereich Investment Management.

Bedrohung für die Branche

"72% der Befragten sehen in der AIFM-D eine Bedrohung für ihr Geschäft. Themen in diesem Zusammenhang sind vor allem Kosten für die Verwahrstelle, Auslagerungsbestimmungen, Vertriebskanäle, Vergütungsbestimmungen und erforderliche Änderungen in vertraglichen Vereinbarungen. Diesen stehen zwar teilweise Vorteile wie erweiterte Vertriebschancen durch den EU-Pass und potenziell größeres Investorenvertrauen gegenüber, in Summe überwiegen jedoch für die meisten Befragten die Nachteile der neuen Regulierung", skizziert Lucius das Szenario aus Sicht der Befragten. "Letztlich werden wohl die Investoren über den Erfolg der AIFM-D als globale Marke entscheiden."

Manager werden abhängig von der jeweiligen Geschäfts- bzw. Vertriebsstrategie, ihren Produkten und ihrer jeweiligen Investorenbasis unterschiedliche Ansätze im Umgang mit der AIFM-D wählen. Sie werden sich entscheiden müssen, ob sie weiterhin in der EU tätig sein wollen, indem sie das Private Placement Regime so lange wie möglich nützen oder unter dem EU-Pass agieren. Als Alternative verbleibt die Verlegung ihrer Geschäfts- und Vertriebsaktivitäten ins EU-Ausland mit weitreichenden Folgen für europäische Investoren und für die europäische Investment Management Industrie.

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