Caritas-Präsident: Friedensnobelpreis stärkt "Seele Europas"

Küberl betont Bedeutung der EU als Friedensprojekt und erneuert Forderung nach Ausbau zu "Solidaritätsunion"

Wien, 15.10.12 (KAP) Caritas-Präsident Franz Küberl hat nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU seine Forderung zum Ausbau der Union hin zu einer "Solidaritätsunion" erneuert. Der Nobelpreis stärke die "Seele" Europas, betonte Küberl am Montag in einem Kathpress-Interview; die Auszeichnung sei ein "sehr kräftiges und aufmunterndes Lebenszeichen" für das europäische Wertesystem und Wertegefüge. Zum Wertesystem sowie der wirtschaftlichen und politischen Union müsse nun auch der solidarische Aspekt dazukommen. Dies sei "fundamental" für die Zukunft des Staatenverbundes. "Meine große Hoffnung ist, dass wir aus der Krise als Solidaritätsunion herauswachsen", sagte Küberl.

Im Friedensnobelpreis für die EU sieht der Caritas-Präsident eine Ermutigung und zugleich die große Aufforderung, den Weg des Friedens, der Menschenrechte, der Demokratie, der Freiheit und der Solidarität weiter zu gehen. Die Caritas helfe weltweit in vielen Regionen, wo der Krieg unaufhörlich Menschenleben und Familien zerstöre, erinnerte Küberl. "Die EU hat es geschafft, diesen Frieden für Europa auf ein unumstürzliches Fundament zu stellen." Angesichts der vielen Klagen über die EU, solle der Friedensnobelpreis ein Grund zum Innehalten sein, so Küberl: "Ich verspüre Dankbarkeit dafür, dass Männer und Frauen dieses Friedensexperiment gewagt und entschieden vorangetrieben haben, Dankbarkeit dafür, auf diesem Kontinent des Friedens leben zu dürfen."

Die EU müsse weiter versuchen, die Krise zu bewältigen und dürfe sich dabei nicht von den Finanzmärkten aus der Ruhe bringen lassen, betonte Caritas-Präsident Küberl gegenüber Kathpress. "Ich stehe auch nicht an zu sagen, dass es in der EU viele Konstruktionsfehler gibt, die die Handhabung dieser Krise erschweren", sagte Küberl.

Es gelte prinzipiell anzuerkennen, dass die Staatengemeinschaft viel Geld in die Hand nimmt, um Staaten vor dem Zusammenbruch zu retten. Angesichts desaströser sozialer Auswirkungen gelte es aber darüberhinaus bessere Wege zu finden, so Küberl, "sei es mehr Zeit, bessere Abstimmung oder einen vielfältigen Maßnahmen-Mix".

"Der Schuldenabbau muss erfolgen, ohne die Armut in die Höhe schnellen zu lassen", sagte Küberl. "Es kann nicht sein, dass Banken gerettet, aber die Sozialhilfe gekürzt wird. Es kann nicht sein, dass Steuereinnahmen weiterhin ausbleiben, aber Kinder in der Schule ernährt werden müssen, weil den Eltern das Geld fürs Essen fehlt."

"Menschen müssen Europa spüren"

Die EU solle ihren Blick stärker auf den sozialen Frieden richten und sich zu einer "Solidaritätsunion" entwickeln, unterstrich der Caritaschef. "Die Menschen müssen Europa spüren und das tun sie vor allem dort, wo soziale Fragen betroffen sind." Ohne soziale Verantwortung sei nachhaltige friedliche Entwicklung undenkbar.

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