Jugendanwältin Wien fordert Kinder- und Jugendhilfegesetz, das österreichweite Qualitätsstandards für Kinderheime festschreibt

Heimstrukturen schaffen, die Kinder vor Gewalt und Missbrauch schützen

Wien (OTS) - "Seit dem Bekanntwerden der Gewalt- und Missbrauchsfälle in den Wiener Heimen hat die Stadt Wien entscheidende Schritte gesetzt, um die Situation für Heimkinder zu verbessern, es muss aber ein weiterer Schub passieren", sagt die Wiener Jugendanwältin Monika Pinterits. "Es braucht ein bundesweites Kinder- und Jugendhilfegesetz, das österreichweite Qualitätsstandards für sozialpädagogische Einrichtungen festschreibt", fordert Pinterits. Die Jugendanwältin begrüßt die Anstrengungen der Stadt Wien, die derzeit noch ca. 300 Wiener Kinder und Jugendlichen bis 2014 in kleinere, dem Lebensumfeld näher gelegene Wohngemeinschaften unterzubringen.

Mit der Einrichtung der HistorikerInnen-Kommission habe Wien außerdem die wissenschaftliche Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in den Wiener Heimen in die Wege geleitet. Damit seien die Strukturen und Erziehungskonzepte, die Missbrauch und Gewalt ermöglichten, weitgehend bekannt. "Es gilt nun, aus den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Aufarbeitung zu lernen und strukturelle Reformmaßnahmen weiter voran zu treiben", sagt Pinterits.

Die Ergebnisse der HistorikerInnen-Kommission zeigen, dass sowohl mangelnde Ausbildung der BetreuerInnen, autoritäre und totale Erziehungsmethoden, als auch fehlende externe Kontrollen Gewaltanwendungen an Kindern ermöglichten. Dies machte es unmöglich, bei Missbrauchsfällen einzuschreiten. Pinterits fordert deshalb sowohl interne als auch externe Vertrauenspersonen, die Kindern und Jugendlichen in Heimen zur Verfügung stehen. "In allen Bundesländern muss eine externe und unabhängige Ombudsstelle für Minderjährige in Fremdunterbringung geschaffen werden. Derzeit gibt es solche Anlaufstellen nur in Wien und Niederösterreich", so Pinterits.

Die Jugendanwältin fordert außerdem ein gesetzlich festgelegtes Mindestanforderungsprofil für ErzieherInnen und verbindliche und transparente Regelwerke in den Heimen, die den gewaltfreien respektvollen Umgang miteinander festschreiben. Wichtig seien außerdem laufende Fortbildungen zu Gewaltprävention und regelmäßige, externe Evaluierungen und Kontrollen der Qualitätsstandards. "Für den weiteren Schutz von Kindern und Jugendlichen in sozialpädagogischen Einrichtungen brauchen wir daher sowohl einen starken gesetzlichen Rahmen, als auch einheitliche und verbindliche Standards", schließt Pinterits.

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