superhands - neues Internetportal für pflegende Kinder und Jugendliche

Wien (OTS) - In Österreich werden rund 440.000 Menschen zu Hause gepflegt, viele davon von Kindern und Jugendlichen. Die Johanniter haben als erste Anlaufstelle ein neues Internetportal für sie entwickelt, wo sie Informationen finden und sich mit Gleichgesinnten austauschen können.

"Diese Jahre haben mich sehr stark geprägt, diese Erfahrungen zählen zu den wichtigsten Dingen in meinem Leben. Ich habe als Jugendlicher Dinge gemacht, die man eigentlich erst mit 40 oder 50 Jahren macht. Ich habe so gesehen einen Teil meiner Kindheit versäumt. Ich war an etwas gebunden, was ich nicht auslassen konnte", erzählt Herr O., wenn er an seine Jugendzeit zurückdenkt.
Herr O. war 15 Jahre alt, als sein Vater so schwer erkrankte, dass er Hilfe brauchte - zunächst im Haushalt und beim Kochen, dann beim Duschen und Anziehen, später auch dabei, auf die Toilette zu gehen oder den Katheder zu setzen.

Etwa 25.000 Kinder pflegen Angehörige

So oder so ähnlich geht es vielen Kindern und Jugendlichen in Österreich. Sie helfen bei der Pflege der Großeltern, der Eltern oder Geschwister. Die Aufgaben reichen von der einfachen Hilfe im Haushalt, über die Körperpflege bis zum Wechsel der Inkontinenzeinlage oder Verbandwechsel. Die Mädchen und Burschen tragen ein hohes Maß an Verantwortung, dem sie häufig nicht gewachsen sind. Sie müssen eigene Bedürfnisse zurückstecken und soziale Kontakte hintanstellen.

Schätzungen zufolge sind etwa 22.000 bis 25.000 Mädchen und Burschen betroffen. Für Kinder oder Jugendliche von psychisch erkrankten Eltern gibt es einige Initiativen sowohl auf lokaler als auch auf EU-Ebene. Aber für gesamte Zielgruppe der pflegenden Kinder und Jugendliche, unabhängig von der Erkrankung existierten bislang keinerlei Ansprechpartner, Informationen oder Hilfsangebote in Österreich. Häufig stehen diese Kinder/Jugendlichen mit den Erfahrungen, die sie täglich machen, alleine da und wissen nicht, wie sie mit belastenden Situationen umgehen sollen.

superhands - erste Anlaufstelle für junge Menschen, die Angehörige pflegen

Daher haben die Johanniter die Internetplattform superhands ins Leben gerufen: unter www.superhands.at finden junge Menschen, die Angehörige pflegen, altersgerechte aufbereitete Informationen über Krankheiten, Pflegetipps und Pflegevideos, Erste-Hilfe-Tipps und Anleitungen für den Notfall. Sie erhalten wertvolle Hinweise über Pflegegeld, Pflegehilfsmittel, Pflegenotdienste und Anlaufstellen. Außerdem können sie sich im "Forum" mit Gleichgesinnten austauschen. Auch individuelle telefonische oder - wenn gewünscht anonymisierte -Online-Beratung und Unterstützung wird angeboten. Im Bedarfsfall werden Hilfesuchende an andere Initiativen, Selbsthilfegruppen oder Hilfseinrichtungen mit entsprechenden Unterstützungsmöglichkeiten weitergeleitet.

"Das Ziel von superhands ist es, zu informieren, zu unterstützen, zu beraten, zu vernetzen", erklärt Anneliese Gottwald, Pflegedienstleiterin der Johanniter und Initiatorin von superhands. "superhands kann aber auch für jene Menschen nützlich sein, die selbst von Familienmitgliedern gepflegt werden, genauso wie für Lehrerinnen und Lehrer oder alle, die mit Jugendlichen zu tun haben."

Finanziert aus Privatsponsoring

Derzeit wird superhands dank der Unterstützung der Diakonie Österreich im Bereich der Unternehmenskooperation durch private Quellen finanziert. Unter anderen hat sich SAP Österreich für diese gemeinnützige Initiative eingesetzt. "Es war uns ein großes Anliegen dieses Projekt finanziell zu unterstützen, da die pflegenden Kinder und Jugendlichen dringend Unterstützung und Begleitung in dieser schwierigen Situation benötigen", so Gerhard Zeiner, Geschäftsführer von SAP Österreich.

"Die langfristige Finanzierung zur Betreuung der Homepage, der online-Beratung und der Telefonhotline ist jedoch ungewiss. Auch für die zukünftigen Ausbaustufen fehlen uns noch finanzielle Mittel, daher werden noch weitere Sponsoren gesucht", hofft Johanniter-Präsident Johannes Bucher, weitere Unterstützer zu finden. Bis dahin werden die Leistungen aus Spendenmitteln der Johanniter abgedeckt.

Entlastung für pflegende Angehörige ist nötig

Dass auch Kinder und Jugendliche in die Pflege eingebunden werden, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Unterstützungsangebote für die mobile Pflege nicht ausreichen. Zwar läuft derzeit noch die Strukturreform "Pflege", die bis Ende 2012 Vorschläge für eine Verbesserung vorlegen soll. "Seitens der Diakonie sehen wir aber den großen Wurf noch nicht, denn wir brauchen leistbare Angebote wie Kinderentlastungsdienste, Akutpflegedienste, mobile Dienste, Hauskrankenpflege, Kurzzeitpflege, die flächendeckend und rund um die Uhr angeboten werden", mahnt Diakonie-Direktor Michael Chalupka. Gerade dieser Lückenschluss würde eine höhere Lebensqualität für Betroffene bedeuten und eine Entlastung für Angehörige ermöglichen.

Weitere Informationen und Fotodownload unter www.superhands.at/presse/
sowie unter
www.johannniter.at

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Belinda Schneider
Kommunikation und Marketing
T +43 1 470 70 30/3913
M +43 676/83 112 813
F +43 1 470 47 48
presse@johanniter.at

Kontaktadresse
Johanniter-Unfall-Hilfe
Bundesgeschäftsstelle
1180 Wien, Herbeckstraße 39

Internet
www.johanniter.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | JOH0001