Causa Birnbacher: Jörg Haider hätte Haftstrafe bekommen, meint Grünen-Politiker Holub

Hitzige Diskussion in ATV "Am Punkt" über "System Haider"

Wien (OTS) - Anlässlich des vierten Todestages von Jörg Haider haben sich Kritiker und Anhänger des früheren Kärntner Landeshauptmanns in der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt" einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Der Kärntner Landtagsabgeordnete Rolf Holub von den Grünen sagte angesichts der Verurteilung des ehemaligen Kärntner ÖVP-Chefs Josef Martinz zu fünfeinhalb Jahren Haft im Birnbacher-Prozess: "Ich glaube, dass wenn Jörg Haider auch vor Gericht gestanden wäre, er sicherlich an die acht oder neun Jahre bekommen hätte und der Josef Martinz weniger, weil die ÖVP ja nur -unter Anführungszeichen - Junior-Partner war und der Jörg Haider war an der Macht und hat das alles eingefädelt."

Dem widersprach der BZÖ-Politiker und ehemalige Pressesprecher Haiders Stefan Petzner entschieden. Haiders Gegnern warf er eine Kampagne vor: "Weil man Jörg Haider zu Lebzeiten an der Wahlurne nicht besiegen konnte, versucht man nun posthum, ihn zu kriminalisieren und das was er geleistet hat für Österreich, für Kärnten, für die Menschen in diesem Land schlecht zu machen. Und das ist meiner Meinung nach nicht fair." Holub, der im Kärntner Landtag den Hypo-Alpe-Adria-Untersuchungsausschuss leitet, legte dennoch nach: "Kärnten ist so hoch verschuldet wie noch nie, das war das System Haider, Kärnten ist so korrupt wie noch nie, das war das System Haider, und der Jörg Haider - ich hab ihn auch mögen - war ein netter Zeitgenosse, aber er war für Kärnten eine Katastrophe. Wir sind wirklich an die Wand gefahren und für ihn war Macht gleich Recht."

Auch die Journalistin Antonia Gössinger ("Kleine Zeitung"), die als "Lieblingsfeindin" Haiders galt, ging in "Am Punkt" hart mit dem "System Haider" ins Gericht: "Man sieht schon, dass sich im Umfeld von Jörg Haider die Fälle massiert haben, man denke nur Karl-Heinz Grasser, Walter Maischberger, Gernot Rumpold, Mathias Reichhold, Stefan Petzner, Harald Dobernig: Das sind lauter Leute, gegen die ermittelt wird. Für mich ist das einfach ein Indiz dafür, dass Jörg Haider bei seiner Personalauswahl keine große Sorgfalt hat walten lassen. Und man hat dann gesehen, man ist endlich am Trog der Macht, und da wollte man sich halt bedienen, und diese Unkultur hat Jörg Haider in die Politik gebracht in dieser Massierung. Es hat immer Skandale gegeben, aber dass in einer so kurzen Zeitspanne so viele Leute ins Zweilicht geraten sind, ist schon eine Besonderheit."

In der emotional geführten Debatte warf Petzner Gössinger und Holub mehrmals vor, die Unwahrheit zu sagen. Aber auch für Haiders ehemalige Partei FPÖ fand der BZÖ-Mandatar scharfe Worte: "Als die Nachricht gekommen ist, dass Jörg Haider verstorben ist unmittelbar nach seinem Wahlerfolg im Jahr 2008, hat man in der FPÖ Champagnerflaschen aufgemacht und angestoßen darauf. Das haben mir FPÖ-Leute selber erzählt. Und das soll auch zeigen, wie heuchlerisch seitens der FPÖ mit diesem Haider umgegangen wird. In Wahrheit ist es beim Herrn Strache so: wenn er glaubt, dass ihm der Haider wählerstimmenmäßig nützt, dann verteidigt er ihn. Wenn er glaubt, dass er ihm wählerstimmenmäßig schadet, dann verdammt er ihn. Und das ist einfach menschlich gesehen und moralisch gesehen verwerflich."

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