Textil-. Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie : In schwierigem Umfeld erfolgreich unterwegs

Betriebe der Branche punkten mit hoher Innovationskraft - Internationale Exporterfolge dank Top-Nischenprodukte - Kritik am neuen Energieeffizienzgesetz

Wien (OTS/PWK707) - "Laufende modische und technische Innovationen sind eines der Erfolgsgeheimnisse unserer vier Industriebranchen", betonte heute, Donnerstag, Ing. Reinhard Backhausen, Präsident des Fachverbandes der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie, im Rahmen der Jahrespressekonferenz und freute sich gleichzeitig über wiederum sehr gute Ergebnisse der 520 Unternehmen des Gesamtverbandes im Export.

Nach einem Plus im Außenhandel von 13 % im Jahr 2011 konnte die Bekleidungsindustrie auch im ersten Halbjahr 2012 die Exporte wiederum steigern. Gerade in den wichtigen Hoffnungsmärkten Russland und China gelangen besondere Erfolge. Die Schuhindustrie konnte die Aufwärtsentwicklung im Export ebenfalls fortsetzen. Im 1. Halbjahr 2012 wuchsen die Exporte von Schuh- und Lederwaren nochmals um 1,3 % auf 394 Millionen Euro. In der Sparte ledererzeugende Industrie gab es heuer sogar ein Plus von 18 %. Nach sehr guten Zahlen im Jahr 2011 liegen die Ergebnisse in der Textilindustrie heuer etwas tiefer. Der Umsatz betrug in der ersten Hälfte dieses Jahres 1,18 Milliarden (-4,2 %). Die Exporte sanken leicht um 3,1 % auf 1,06 Milliarden Euro. "Bei den Ergebnissen der Textilindustrie hatten allerdings die stark gesunkenen Rohstoffpreise - insbesondere bei Baumwolle - einen erheblichen Einfluss" erklärte Ing. Backhausen.
Die Industrie stehe aber unter großem Kostendruck. Zusätzliche Belastungen durch neue Gesetze müssen daher abgelehnt werden. Dazu verweist Ing. Backhausen auf einen Entwurf des Wirtschaftsministeriums für ein neues Energieeffizienzgesetz. "Das Ziel Energieeinsparung wird von uns voll unterstützt, aber nicht die Art, wie dies erreicht werden soll. Das Gesetz würde unseren Firmen verschiedene neue Belastungen und zusätzliche Abgaben auferlegen. Vergessen wird, dass unsere Industrie aufgrund der hohen Energiepreise und des harten weltweiten Konkurrenzkampfes bereits zahlreiche Maßnahmen zur Reduzierung des Energiebedarfs gesetzt hat."

Deswegen dürfe nicht allen Firmen gleichermaßen vorgeschrieben werden, den jährlichen Energieverbrauch jedes Jahr weiter um einen bestimmten Prozentsatz zu reduzieren - unabhängig davon, ob sie durch Investitionen in der Vergangenheit bereits einen tiefen Level erreicht haben. Weiters ist im Gesetzesentwurf wiederum eine neue Abgabe für alle Arten von Energie - zusätzlich zu den verschiedenen bereits jetzt vorhandenen Preisaufschlägen - vorgesehen. Dazu kommen noch verschiedene administrative Belastungen der Firmen. "Wir brauchen keine neue Energiebürokratie. Diese schränkt die betriebswirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Betriebe unnötig ein. Das neue Gesetz würde die Standortbedingungen für eine Produktion in Österreich verschlechtern" betont Ing. Backhausen.

Technische Textilien in der Textilindustrie auf dem Vormarsch

Nach einzelnen Sektoren zeigt sich, dass in der Textilindustrie die Technischen Textilien bereits ungefähr die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachen - nämlich Euro 577 Mio. (- 3,3 %). Der Umsatz bei Bekleidungs- und Heimtextilien betrug Euro 605 Mio. (-5,2 %). Bei allen Zahlen ist jedoch zu berücksichtigen, dass die etwas niedrigeren Umsätze zum Teil auf die gesunkenen Rohstoffpreise zurückzuführen sind. So sind die Preise für Rohbaumwolle vom Höchststand im März 2011 bis zum Juli 2012 von Euro 3,63 per Kilo auf Euro 1,61 gesunken. "Das ist mehr als eine Halbierung des Baumwollpreises", betonte Ing. Backhausen.

Die Exporte der österreichischen Textilindustrie sind im 1. Halbjahr 2012 leicht (um 3,1 %) zurückgegangen. Auch dies wurde von den gesunkenen Rohstoffpreisen mit beeinflusst. Die Textilimporte gingen um insgesamt 5 % zurück. Auf die aktuelle Situation der Textilindustrie erklärte Ing. Backhausen: "Wir sind zuversichtlich, die insgesamt recht positive Entwicklung im zweiten Halbjahr fortsetzen zu können. Belastend wirkt allerdings die Unsicherheit auf den Märkten und die herabgestuften Wachstumsaussichten."

Im Bereich der technischen Textilien, so Ing. Backhausen, sei man inzwischen "Europaspitze. Der Fachverband unterstütze deshalb die Firmen auch verstärkt im Bereich Innovationen. So wurde die Smart Textiles Plattform auf neue Beine gestellt. Eine erste Veranstaltung im September dieses Jahres brachte über 200 Teilnehmer aus der Textil- und Bekleidungsindustrie mit Partnern aus anderen Branchen, wie der Elektro- und Autoindustrie zusammen. "Innovationen und Nachhaltigkeit sind Schlüsselelemente für die erfolgreiche Entwicklung unserer Industrie" erklärte Backhausen.
Auf die aktuelle Situation der Textilindustrie erklärte Ing. Backhausen: "Wir sind zuversichtlich, die insgesamt recht positive Entwicklung im zweiten Halbjahr fortsetzen zu können. Belastend wirkt allerdings die Unsicherheit auf den Märkten und die herabgestuften Wachstumsaussichten."

Bekleidungsindustrie: Dynamik durch Exporterfolge -Beschäftigtenstand gehalten

"Die Exportentwicklung gibt uns weiterhin Zuversicht und stärkt unsere Dynamik" kommentiert KommR Ing. Sima, Obmann-Stv. des Fachverbandes der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie sowie Berufsgruppenvorsitzender der Bekleidungsindustrie die Exportleistungen der österreichischen Bekleidungsindustrie. So konnte 2011 als Zeichen der Erholung nach der Krise 2009 ein Ausfuhrzuwachs auf 2 Mrd. Euro (+ 13 %), im 1. Halbjahr 2012 sogar weitere Steigerung von 2 % (950 Mio. Euro) erzielt werden. Hauptmarkt ist weiterhin die BRD (2011: 772 Mio. Euro), gefolgt vom Modeland Frankreich und der Schweiz. Die Einfuhr von Bekleidungsprodukten in Österreich (2011 noch steigend) war im Zeitraum 1-6/2012 um 2,0 % rückläufig (2,2 Mrd. Euro). Erfreut zeigt sich der Branchensprecher über die Tatsache, dass der Beschäftigtenstand mit 7.800 MitarbeiterInnen 2011 gehalten werden konnte. In Hinblick auf den Zukunftsmarkt konnten - zwar auf niedriger Basis aber dennoch bemerkenswert - heimische Bekleidungsfirmen 2011 ihre Exporte nach China um 30 % auf 8,2 Mio. Euro steigern, im 1. Halbjahr 2012 um 40 % auf 4,1 Mio. Euro.

KommR Sima hebt besonders hervor, dass sowohl Fachhandel als auch Konsumenten mit dem Kauf von Markenprodukten der österreichischen Bekleidungsindustrie die Gewähr für eine verantwortungsvolle Herstellung hätten. "Produkte der österreichischen Bekleidungsindustrie werden nicht in Bekleidungsfabriken in Indien, Pakistan oder Bangladesch hergestellt, welche z.B. bei Bränden wie unlängst immer wieder zu tödlichen Käfigen für oft hunderte NäherInnen werden", betont Sima.

Hoch aktuell aus Sicht der Bekleidungsindustrie ist derzeit das Thema der textilen Mehrwegsysteme im Gesundheitswesen, denn bei der Verwendung moderner OP-Textilien nimmt Österreich im internationalen Vergleich eine absolute Spitzenstellung als Umwelt-Musterland ein:
Rund 80 Prozent der in heimischen Operationssälen verwendeten OP-Mäntel und OP-Abdeckungen sind Mehrwegprodukte aus hochmodernen High-Tech-Materialien. Diese Position gilt es im Interesse der heimischen Textilwirtschaft und der Umwelt auch weiterhin zu verteidigen und zu halten.

Schuh- und Lederwarenindustrie optimistisch

"International gut aufgestellt" präsentieren sich die 34 Unternehmen der österreichischen Schuh- und Lederwarenindustrie mit ihren hochwertigen Qualitätsmarken, so KommR Lorenz, Eigentümer der Lorenz Shoe Group AG und Vorsitzender der österreichischen Schuh- und Lederwarenindustrie im FV der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie. Und er ergänzt: "Einige Hersteller haben sich dabei erfolgreich auf Nischenprodukte spezialisiert." Die Exporte der österreichischen Schuhindustrie sind im Jahr 2011 um ca. 14 % auf 24,3 Mio. Paar gestiegen. Die wertmäßige Steigerung betrug ca. 19 % auf 653 Mio. Euro, was den Trend zu höherwertigen Produkten und Qualitäten widerspiegelt. Der wichtigste Exportmarkt ist nach wie vor Deutschland. Die wichtigsten Lieferländer nach Österreich sind mit Abstand China, gefolgt von Vietnam, Deutschland, Italien, Rumänien und Indien.

Auch die Ausfuhr von weltweit begehrten Lederwaren stieg 2011 um beachtliche 10 % auf 201 Mio. Euro. Im 1. Halbjahr 2012 steigerten sich, nach bisherigen Ziffern, die österreichischen Exporte von Schuh- und Lederwaren um 1,3 % und erreichten 394 Mio. Euro. Die Importe waren in diesem Zeitraum leicht rückläufig (749 Mio Euro). Insgesamt beträgt die Exportquote der Schuh- und Lederwarenindustrie je nach Firma und Produkt zwischen 75 und 90 %.
Die ledererzeugende Industrie konnte ihren Absatz bei ausländischen Kunden im 1. Halbjahr 2012 sogar um 18 % auf 220 Mio. Euro steigern konnte. Die Exportquote liegt derzeit bei 90 % - der Schwerpunkt liegt hier bei Ledern für die renommierten PKW-Herstellern und Möbelleder.

Besonders freut sich KommR Lorenz über die Entwicklung in den kaufkräftigen Zukunftsmärkten Russland und China. Sowohl bei Schuhen als auch bei Lederwaren waren nach Russland sowohl 2011 als auch im 1. Halbjahr 2012 überwiegend Zuwachsraten von 20-30 % feststellbar. Auch "in der Höhle des Löwen" - in China konnte entsprechend dem Trend zu westlichen Qualitätsmarken, teilweise sogar zwei- bis dreistellige Steigerungen erreicht werden. (us)

Der Fachverband Textil-, Bekleidungs-, Schuh und Lederindustrie ist eine bundesweite Fachorganisation im Bereich der Wirtschaftskammer Österreich. Der Fachverband ist gesetzliche Interessensvertretung und versteht sich als Servicestelle, Lobbying-Plattform (in Österreich, auf EU-Ebene und international) und Informationsnetzwerk für rund 520 überwiegend klein- und mittelständische Unternehmen der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie (Gesamtjahresumsatz mehr als Euro 4 Mrd., zirka 24.000 Arbeitsplätze).

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Fachverband der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie
Ing. Reinhard Backhausen, Präsident
T: +43 (0) 664 381 54 47
E: tbsl@wko.at
W: www.tbsl.at

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