GLOBAL 2000 begrüßt Schließung des Brunnenfeldes Bisamberg

EVN Trinkwasserbrunnen zuletzt mit 0,3 bis 4,3 Mikrogramm pro Liter Clopyralid belastet

Wien (OTS) - Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 begrüßt den Schritt der EVN, das Brunnenfeld Bisamberg in Abstimmung mit der Trinkwasseraufsicht des Landes Niederösterreich zu schließen. Die von der EVN heute im Rahmen einer Informationsveranstaltung präsentierten Daten zeigen, dass alle drei Brunnen mit dem Pestizid Clopyralid kontaminiert sind, und zwar in Mengen zwischen 0,3 und 4,3 Mikrogramm pro Liter. Dass eine Messsonde, die stromaufwärts der Brunnen liegt, bereits mit 15 Mikrogramm belastet ist, deutet darauf hin, dass die Werte weiter ansteigen werden. Die Untersuchungsergebnisse stammen vom 7.September 2012. Sie veranlassten die EVN, das Brunnenfeld Bisamberg sofort vom Trinkwassernetz zu nehmen. Leider kann aus heutiger Sicht nicht ausgeschlossen werden, dass während der Sommermonate, in denen die EVN diese Brunnen nach eigenen Angaben zur Abdeckung von Spitzenlasten zuzog, mit Clopyralid belastetes Wasser in die Trinkwasserversorgung gelangt ist. Davon betroffen wären möglicherweise die Gemeinden Leobendorf, Bisamberg, Stetten, Kreuzstetten, Enzersfeld, Ernstbrunn, Hagenbrunn, Großebersdorf, Großmugl, Großrußbach, Ladendorf, Harmannsdorf, Hochleithen, Kreutal, Ulrichskirchen, Pillichsdorf und Niederleis.

"Viele Menschen quält nun die Frage, ob das Trinkwasser, das sie in den letzten Monaten und Jahren konsumiert haben, mit Pestiziden belastet war, und welche gesundheitlichen Auswirkungen damit verbunden sein könnten", sagt Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000 und führt fort: "Die gute Nachricht ist, dass der EU-weit geltende Grenzwert für Pestizide in Trinkwasser mit 0,1 Mikrogramm pro Liter sehr niedrig ist! Selbst wenn wir vom Worst-Case-Szenario ausgehen, und den am stärksten belasteten Brunnen hernehmen, enthielte sein Trinkwasser mit 4,3 Mikrogramm Clopyralid pro Liter im Vergleich immer noch deutlich weniger Pestizide als ein durchschnittliches Kilogramm Obst oder Gemüse aus konventioneller Landwirtschaft. Dieses enthält laut deutschen Untersuchungsprogrammen durchschnittlich 300 bis 400 Mikrogramm an verschiedenen Pestizidrückständen pro Kilogramm. Doch wirklich beruhigend ist das nicht, wenn man sich die Bilder von verkrüppelten Pflanzen in Erinnerung ruft, die mit kontaminiertem Korneuburger Grundwasser gegossen worden waren."

Ganz und gar nicht beruhigend ist allerdings die Tatsache, dass die Entdeckung dieser Kontamination von Trinkwasserbrunnen letztlich nur einer glücklichen Verkettung von Umständen zu verdanken ist. Der Skandal rund um das Korneuburger Wasser wurde im Rahmen von GLOBAL 2000- und ORF-Recherchen für eine "Am Schauplatz"-Sendung aufgedeckt. Die Behörden versuchten zu beschwichtigen und ignorierten jahrelang eindeutige Hinweise besorgter BürgerInnen. Dank dem ORF und GLOBAL 2000 kann die Kontamination des Grund- und mitunter sogar Trinkwassers nicht mehr totgeschwiegen werden. Damit der Schutz von KonsumentInnen zukünftig aber keine Glückssache mehr ist, legt GLOBAL 2000 Gesundheitsminister Alois Stöger dringend nahe, allen österreichischen Trinkwasserversorgern in viertel- bis halbjährlichen Intervallen ein umfassendes Pestizidscreening durch z.B. das Umweltbundesamt vorzuschreiben. Mit geringem Kostenaufwand ließe sich so ein hohes Maß an Sicherheit für die TrinkwasserkonsumentInnen gewinnen.

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Umweltchemiker: DI Dr. Helmut Burtscher, Tel.: 0699/14 2000 34

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