Ö1-Themenschwerpunkt "Weltuntergänge": über Untergangsszenarien und die Lust an der Apokalypse

Wien (OTS) - Der nach astronomischen Berechnungen der Maya am 21. Dezember 2012 angeblich zu erwartende Weltuntergang ist eine Spekulation ohne wissenschaftliche Fundierung. Solche Untergangsszenarien treten periodisch auf, sie ängstigen, aber faszinieren auch in modernen Gesellschaften noch viele Menschen: Der Bogen spannt sich von der Apokalypse in den Weltreligionen über kosmische Kollisionen und Kometeneinschläge bis zu dramatisierten Endzeitszenarien der modernen Wissenschaft. Ö1 gestaltet zum Thema "Weltuntergänge" einen Schwerpunkt.

Zum Auftakt wird in "Kontext" (12. 10., 9.05 Uhr) John Castis Sachbuch "Der plötzliche Kollaps von allem. Wie extreme Ereignisse unsere Zukunft zerstören können." vorgestellt. "Steine, die vom Himmel fallen" sind Thema der Reihe "Vom Leben der Natur" von 15. bis 19. Oktober, jeweils um 8.55 Uhr in Ö1. Christian Köberl, Generaldirektor des Naturhistorischen Museums und Professor für Impaktforschung und planetare Geologie an der Universität Wien spricht über Himmelskörper, die auf unsere Erde fallen. Extraterrestrisches Material, das sich auf Kollisionskurs mit der Erde befindet, macht sich vor allem durch Leuchterscheinungen in der Atmosphäre bemerkbar. Ob es darüber hinausgehende Auswirkungen gibt, hängt von der Größe des jeweiligen Objektes ab. Kleine Körper verglühen vollständig, größere Himmelskörper wie Meteoroiden oder gar Asteroiden werden durch die Atmosphäre nicht mehr abgebremst. Sie treffen mit großer Wucht auf der Oberfläche unseres Planeten auf, und werden in der resultierenden Explosion meist vollständig zerstört. Die Wissenschaft ist sich inzwischen sicher, dass derartige Einschläge zu gravierenden Katastrophen für das Leben auf der Erde geführt haben, und wohl auch weiterhin eine Bedrohung darstellen.

Unter dem Titel "Die Welt steht auf kein' Fall mehr lang ...'" befasst sich das "Radiokolleg" von 15. bis 18. Oktober, jeweils um 9.30 Uhr, mit der lustvollen Angst vor dem Untergang. Am 21. Dezember 2012, pünktlich zur Wintersonnenwende, steht - wieder einmal - der Weltuntergang bevor. Jene, die daran glauben, berufen sich dabei auf den Langzeitkalender der Maya, der zu diesem Zeitpunkt enden soll. Ein Irrtum, wie man längst weiß. Denn besagtes Datum markiert kein Ende, sondern vielmehr das Auslaufen einer Epoche, vergleichbar mit der letzten Jahrtausendwende in unserem Kalendersystem. Auch von einer seltenen Planetenkonstellation, mit der eingefleischte "Apokalyptiker" ihre Theorie vom nahenden Ende der Erde stützen, kann keine Rede sein. Bei allen Widerlegungsversuchen:
Endzeitvorstellungen üben offenbar eine große Faszination aus - wie sonst ist deren hartnäckige Haltbarkeit quer durch die Menschheitsgeschichte zu erklären? Welche Vorstellungen dominieren, worauf gründen sie, wer profitiert von diesen Untergangsängsten zu welcher Zeit und warum?

In den "Dimensionen - die Welt der Wissenschaft" am 22. Oktober (19.05 Uhr) steht ein Bericht vom 20. "ernst mach forum" auf dem Programm. Die Veranstaltung zum Thema "Untergangsszenarien. Propheten und Profiteure" findet am Mittwoch, den 17. Oktober im Theatersaal der ÖAW, Sonnenfelsgasse 19, 1010 Wien, statt. Beginn: 18.00 Uhr. Es diskutieren Karl-Heinz Brodbeck (Wirtschaftsethiker, Würzburg/München), Florian Freistetter (Astronom & Blogger, Jena), Ulrike Schiesser (Psychologin, Wien), Klaus Vondung (Literaturwissenschaftler, Siegen) und Hartmut Zinser (Religionswissenschaftler, Berlin). Moderation: Martin Bernhofer, Ö1. Geht es dem Ende zu? Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher und ökonomischer Krisen verbindet sich das magische Datum "2012" mit realen Befürchtungen und Erwartungen. Prognosen und Prophezeiungen vom Ende der Welt lösen Ängste aus. Die spekulative "Lust am Untergang" beflügelt aber auch Phantasien. Im Medienzeitalter wird daraus ein Hype, von dem auch Kritiker profitieren. Vorstellungen vom Weltuntergang gehören offenkundig zu den grundlegenden Erzählmustern unserer Zivilisation. Welche Auswirkungen haben Untergangsvorstellungen auf unser kollektives Selbstverständnis? Brauchen Gesellschaften diese Szenarien des Untergangs, um zu überleben? Oder ist damit auch eine Endzeit der Vernunft verbunden?

"Endlich Weltuntergang!": Mit der Lust an der Apokalypse beschäftigt sich auch "Diagonal - Radio für Zeitgenoss/innen" am 10. November ab 17.05 Uhr. Zur Wintersonnenwende am 21. Dezember wird es endlich so weit sein und die Welt untergehen. So lautet angeblich eine Prophezeiung der Maya. Untergehen hätte die Welt schon einige Male sollen: im Jahr 1000, weil da das "Tausendjährige Reich" aus der Apokalypse des Johannes an sein Ende gekommen war, oder 1603, weil da die Erde mit der Sonne kollidieren würde. Martin Luther hat den Weltuntergang für drei verschiedene Jahre vorausgesagt, ein anderer Religionsgründer, Charles T. Russell, erwartete ihn mit seinen "Zeugen Jehovas" für 1874. 1910 kam der Halley'sche Komet, im Jahr 2000 der Millennium-Bug Y2K. Auch andere Voraussagen katastrophischer Natur rufen immer wieder einen Schauer der Angstlust hervor:
Waldsterben! Erderwärmung! Atomkrieg! Und als ob die Finanzkrise nicht schlimm genug wäre, überbieten sich manche in Szenarien des Untergangs und erwarten "Eurogeddon": den Zusammenbruch des Geldsystems, bürgerkriegsähnliche Zustände und eine Rückkehr des Tauschhandels. Und rund um das Datum 21. Dezember wird der Schwerpunkt abgerundet mit einer Ausgabe von "Hörbilder" und "Logos".

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