Eric Kandel in der Secession - Was sich Kunst und Wissenschaft zu sagen haben

Wien (OTS) - "Die Menschen lieben es, über Baseball zu reden. Warum reden sie nicht über Wissenschaft?", fragt der Neurobiologe und Nobelpreisträger Eric Kandel in den vollen Hauptraum der Secession. Der in den USA lebende gebürtige Österreicher, der 1938 mit seiner Familie ins Exil gezwungen wurde, macht es seit Jahrzehnten und nicht zuletzt mit seiner aktuellen Publikation "Das Zeitalter der Erkenntnis" zum Vergnügen, einem Wissenschafter zuzuhören. In seinem Vortrag in der Secession anlässlich des Klimtjahres und zeitgleich mit dem Erscheinen der deutschsprachigen Ausgabe seines Buches, analysiert Eric Kandel die Bedingungen, die im Wien der Jahrhundertwende zu einem Neubeginn führten. Das Wiener AKH und Wissenschafter wie Carl von Rokitansky, Sigmund Freund und nicht zuletzt Arthur Schnitzler hätten dabei eine ebenso wichtige Rolle gespielt wie etwa Berta Zuckerkandl, die mit ihrem berühmten Salon eine Brücke zwischen Wissenschaft und Kunst gebaut habe, so Kandel. In seiner "Erforschung des Unbewussten in Kunst, Geist und Gehirn von der Wiener Moderne bis heute" - so der Untertitel des aktuellen Buches - habe er sich zudem sehr bewusst für drei Künstler und für ihre Portraitarbeiten entschieden: Egon Schiele, Oskar Kokoschka und Gustav Klimt.

Dort, wo letzterer 1902 seinen Beethovenfries einer zwischen mit Entsetzen und Begeisterung reagierenden Öffentlichkeit vorstellte, attestiert ihm Eric Kandel 110 Jahre danach eine viel außergewöhnlichere Sicht auf die weibliche Sexualität als etwa Sigmund Freud sie gehabt habe. Klimt, so Kandel, der mit seiner Frau Denise vor dem Vortrag die Plattform von Gerwald Rockenschaub erklomm, um den Beethovenfries im Untergeschoss der Secession auf Augenhöhe zu betrachten, habe in seinen Werken der weiblichen Sexualität ihre Kraft gegeben.

Dem begeisterten Publikum, das im Hauptraum der Secession zwischen den Gemälden der aktuellen Ausstellung von Kerry James Marshall über 90 Minuten gebannt zuhörte, gab der charmante und brillante Redner Eric Kandel noch zum Schluss mit: Wenn er von dem Zeitalter der Erkenntnis, der Wiener Moderne, spreche, so meine er damit auch die Secession.

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