Stadtwerke-Energievorstand kritisiert mangelhafte Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie

Marc Hall: Wirtschaftsministerium vergisst auf hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) - EP-Berichterstatter Turmes betonte in Wien Bedeutung der KWK für Energiewende

Wien (OTS) - Der Energievorstand der Wiener Stadtwerke, Marc Hall, hat am Freitag Kritik an der fehlenden Integration einer KWK-Förderung in das geplante österreichische Energieeffizienzpaket geübt. "Energieeffizienz vorantreiben zu wollen ohne die Kraft-Wärme-Kopplung zu integrieren, ist ähnlich absurd, wie beim Heimwerken zum Schraubenschlüssel zu greifen, wenn daneben der Akkuschrauber liegt", so Hall. Ähnlich argumentierte Claude Turmes, Berichterstatter des EU-Parlaments zur Energieeffizienzrichtlinie, am Donnerstag in Wien.

Turmes weiß, welche Werkzeuge gebraucht werden: Der Ausbau der KWK wurde als wichtiger Bestandteil in die Energieeffizienzrichtlinie integriert (u.a. Art. 14 Förderung der Effizienz bei der Wärme- und Kälteversorgung). Bei seinem Besuch in Wien bezeichnete Turmes am Donnerstag die Kraft-Wärme-Kopplung als "extrem wichtig" bei der Energiewende. So gewährleiste sie die "beste Nutzung der fossilen Energie", die in Zukunft noch gebraucht wird. Von der Politik erwartet er sich Mithilfe beim Erstellen von Rahmenbedingungen, um bestehende Anlagen zu erhalten und neue zu ermöglichen.

Genau hier hakt es in Österreich, denn dieser Teil der Energieeffizienzrichtlinie wird vom österreichischen Wirtschaftsministerium im Rahmen der nationalen Umsetzung nachhaltig ignoriert. So enthält der - sich derzeit in Verhandlungen befindliche - österreichische Gesetzesentwurf zur Energieeffizienz keine Bestimmungen zur finanziellen Unterstützung des Ausbaus und Erhalts von hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Dies ist problematisch, stehen KWK-Betreiber doch laut Turmes gerade bei der derzeitigen energiewirtschaftlichen Situation - niedriger Strompreis an den Börsen bei hohen Gaspreisen - vor einem Dilemma. Turmes zufolge ersetzt die Energieeffizienzrichtlinie zwei "eher schwache Richtlinien" zu Energiedienstleistungen und zur Kraft-Wärme-Kopplung. Die fehlende Umsetzung dieses wichtigen Teils der Energieeffizienzrichtlinie in österreichisches Recht macht den Systemumbau unnötigerweise mühsamer.

"Beim Verzicht auf das effizienteste Werkzeug verzögert sich die Erreichung des Ziels und es wird anstrengender", ergänzte Vorstandsdirektor Hall und verwies auf das hohe Primärenergieeinsparpotential von KWK-Anlagen. "Energiewende bedeutet nicht Selbstgeißelung und Verzicht, sondern die Auswahl und Anwendung der richtigen Instrumente" argumentiert Hall. "Wir haben bereits sehr effiziente Werkzeuge, die vermehrt genutzt und ausgebaut werden müssen, wie die hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungstechnologie. Energieeffizienzeinsparungen im großen Stil sind einfacher und komfortabler zu erreichen. Die hocheffiziente KWK macht dies ganz von selbst".

Zur Funktionsweise der Kraft-Wärme-Kopplung

In KWK-Anlagen werden Strom- und Wärmeerzeugung kombiniert. Die bei der Stromproduktion entstehende Wärme wird ebenfalls verwendet und nutzt so die vorhandenen Energieträger optimal aus: Durch die gekoppelte Erzeugung von Strom und Wärme werden hohe Wirkungsgrade erreicht, die zu einer Senkung des Primärenergieverbrauchs und der Verringerung des Ausstoßes von schädlichen Treibhausgasen führen. Der Wirkungsgrad gibt an, welcher Teil der Energie, die bei der Verbrennung freigesetzt wird, auch tatsächlich genutzt werden kann. Die von Wien Energie eingesetzten Kraft-Wärme-Kopplungen in den kalorischen Kraftwerken erhöhen den Nutzungsgrad der eingesetzten Brennstoffe von rund 40 bis 50% bei konventionellen Stromerzeugungsanlagen auf bis zu 86%. Durch die Erzeugung von Strom und Wärme in hocheffizienten KWK und in den thermischen Abfallbehandlungsanlagen wurden im Vergleich zur getrennten thermischen Stromerzeugung und Wärme aus Heizanlagen im Wirtschaftsjahr 2010/11 rund 4,2 Mio. Tonnen CO2 vermieden.

Die Inklusion einer KWK-Förderung in das österreichische Energieeffizienzpaket ist ein wichtiger Schritt hin zur Erreichung des Energieeffizienzziels und dem Gelingen der Energiewende. "Es kommt auf den richtigen Technologie-Mix an" sagt Hall. Und abschließend: "Energiewende ohne KWK ist wie ein Auto ohne Motor. Auf den Einbau des Motors sollte der österreichische Gesetzgeber im Energieeffizienzgesetz auf keinen Fall verzichten!"

Rückfragen & Kontakt:

Wiener Stadtwerke Holding AG
Mag. Thomas Geiblinger
Konzernpressesprecher
Tel.: +43 (01) 53 123 / 73953
thomas.geiblinger@wienerstadtwerke.at
http://www.wienerstadtwerke.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | WSP0001