Neues Volksblatt: "Fünfeinhalb" (von Michael Kaltenberger)

Ausgabe vom 3. Oktober 2012

Linz (OTS) - Damit es ja keine Missverständnisse gibt: Wer Mist gebaut hat, egal, ob Politiker oder nicht, muss dafür gerade stehen. Und es soll hier auch nicht darüber diskutiert werden, ob der Richter im Birnbacher-Prozess mit fünfeinhalb Jahren unbedingt für Josef Martinz zu tief in den "Schmalztopf" gegriffen hat. Der Richter hat sicher im Rahmen der Gesetze nach bestem Wissen und Gewissen geurteilt.
Allerdings fragt man sich, wenn man sich Urteile der letzten Wochen anschaut, ob die Strafen für die einzelnen Delikte im Gleichgewicht sind oder ob man nicht die Gesetze kritisch hinterfragen sollte. Zum Beispiel: Ein Mann, der seine Tochter jahrelang missbraucht, bekommt drei Jahre, davon sechs Monate unbedingt, die er daheim mit der Fußfessel absitzen kann. Und ein Politiker, der zwar ordentlich Mist gebaut, aber niemandem körperlich etwas zu leide getan hat, bekommt fünfeinhalb Jahre unbedingt. Während ein Klagenfurter für die Produktion und den Konsum von Kinderporno-Material zu 27 Monaten und ein Niederösterreicher wegen sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen Person zu einer Geldstrafe von 4500 Euro und 15 Monaten verurteilt worden ist. Dem gegenüber - um vom Vergleich mit dem Politiker weg zu kommen - hat ein 23-Jähriger, der aus einer Waldviertler Burg zwei Rhinozeros-Hörner gestohlen hatte, vier Jahre, zwei davon bedingt, ausgefasst.
Da fragt man sich: Wie passt das zusammen?

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