Stromhandel tendiert Richtung Spotmärkte

Oesterreichs Energie: Intraday-Handel der EPEX SPOT noch 2012 in Österreich

Wien (OTS) - Strom-Spotmärkte in Europa werden in den kommenden Jahren durch die Umsetzung des europäischen Strombinnenmarkts und den fortschreitenden Ausbau der Kapazitäten zur Stromproduktion aus erneuerbaren Energien zu zentralen Drehscheiben und Garanten einer sicheren und wettbewerbsfähigen Stromversorgung. Das erklärten Handelsexperten der österreichischen E-Wirtschaft und Spitzenvertreter der europäischen Strom-Spotbörse im Rahmen einer Informationsveranstaltung von Oesterreichs Energie, der Interessenvertretung der E-Wirtschaft. "Es ist davon auszugehen, dass der Stromhandel an den Intraday-Märkten an Bedeutung gewinnen wird", erklärte Jean-Francois Conil-Lacoste, Chairman of the Management Board der europäischen Strombörse EPEX SPOT.

Conil-Lacoste, der Österreich aus Anlass der bevorstehenden Eröffnung des Intraday-Handels der EPEX SPOT für Österreich besuchte, bezifferte den aktuellen Intraday-Handel in Deutschland auf 15,9 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2011. Das bedeute eine Steigerung um 56 Prozent gegenüber 2010. Auch in den kommenden Jahren werden dank vermehrter Kopplung mit benachbarten Märkten steile Wachstumsraten erwartet. Grenzüberschreitende Geschäfte machen inzwischen im Schnitt 13 Prozent des Intraday-Volumens der Börse aus. 2014 soll der gesamteuropäische Strommarkt integriert sein. Der Start des börslichen Intraday-Handels in Österreich ist ein weiterer Baustein dafür.

Stromhandel braucht sinnvolle Rahmenbedingungen
Für sinnvolle Rahmenbedingungen und gegen ein überbordendes Regulierungsumfeld des Stromhandels sprach sich Werner Fleischer, Vorstand der VERBUND Trading AG aus. Fleischer: "Als eine Folge der Finanzmarktkrise und des daraus folgenden Bestrebens, transparentere Finanzmärkte zu schaffen, sieht sich auch der Energiegroßhandel mehr denn je mit einer verstärkten Regulierung konfrontiert. Der Umstand, dass der Handel mit Strom und Gas bei Energieunternehmen in erster Linie der Vermarktung und finanziellen Absicherung der eigenen Erzeugung dient und nichts mit den hochspekulativen Transaktionen der Finanzinstitute zu tun hat, bleibt nach wie vor weitestgehend unberücksichtigt."
Die bisherigen Richtlinien- und Verordnungsentwürfe stellen den Energiehandel laut Fleischer schon jetzt vor eine Vielzahl von Herausforderungen: Die Einhaltung spezieller Insiderhandels- und Marktmissbrauchsbestimmungen für den Strom- und Gashandel sowie die Verpflichtung zur Veröffentlichung von Insiderinformationen regelt die Verordnung über die Integrität und Transparenz des Energiemarkts (REMIT). Die Verordnung über die europäische Marktinfrastruktur (EMIR) zielt auf die Unterwerfung des Over-the-counter (OTC)-Handels von Strom, Gas und Emissionszertifikaten unter die Finanzaufsicht ab. Gemeinsam beinhalten REMIT und EMIR die Verpflichtung zur umfassenden Berichterstattung von Transaktionsdaten. Die Einordnung der Handelsaktivitäten unter den Kriterien- und Ausnahmekatalog der Finanzmarktregulierung geht auf die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID) zurück.

Kurzfristiger Handel in Österreich
Durch die unplanbaren und witterungsbedingten Einflüsse auf die Stromerzeugung sowie auf den Stromverbrauch müssen typische regionale Energieversorgungsunternehmen rund 15 bis 20 Prozent der gesamten Strommenge kurzfristig handeln, erklärte Erwin Mair, Geschäftsführer der Energie AG Oberösterreich Trading GmbH. Der Großteil dieser Geschäfte finde an den Spotbörsen DayAhead statt, im geringeren Ausmaß würden auch am laufenden Tag weitere Geschäfte vorgenommen, um für jede Stunde einen Ausgleich zwischen Erzeugung und Bedarf vorzunehmen.
Mair: "Strombörsen sind zentrale Marktplätze, die den Marktteilnehmern eine kostengünstige und transparente Abwicklung ihrer kurzfristigen Stromgeschäfte ermöglichen. Insbesondere für kleinere Unternehmen wäre ohne Börse eine direkte Teilnahme am liberalisierten europäischen Handelsmarkt schwierig." In Zukunft werden Spotgeschäfte auch nach Ansicht Mairs an Bedeutung gewinnen:
"Wir gehen auch davon aus, dass das Ausmaß der Intraday-Geschäfte (Fahrplangeschäfte auf Viertelstunden- bzw. Stundenbasis am laufenden Tag) erheblich steigen wird."

Herkunftsnachweise garantieren klare Produktdeklaration
Das System der Herkunftsnachweise im Stromhandel ermöglicht es der E-Wirtschaft, den Kunden auch bei zunehmenden Handelsmengen nachprüfbare Bestätigungen über die Stromherkunft zu garantieren. Für das österreichische Labeling müssen höchste Kriterien erfüllt werden, erklärte Siegfried Müllegger, Leiter Energiehandel der Salzburg AG. Müllegger: "das Herkunftsnachweis-System ist transparent und es gibt keine Doppelzählung." Die Nachweise basieren auf der 2001 veröffentlichten EU-Richtlinie zur Einführung eines Zertifikate-Systems (Herkunftsnachweise - HKN) für erneuerbare Energien. In Österreich sieht Müllegger das System bestens eingespielt: "Seit 2004 betreibt E-Control Austria die österreichische Datenbank für die Verwaltung von Herkunftsnachweisen."

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