Lunacek: "Wir brauchen keine AKW-Stresstests, wir brauchen den Atomausstieg!"

Grüne: Stresstest-Bericht der EU-Kommission beweist, dass keine wirkliche Risikoabschätzung möglich

Wien (OTS) - "Der europäische AKW-Stresstest war von Anfang an eine Mogelpackung und ein fadenscheiniger Versuch das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Atomenergie nach der Fukushima-Katastrophe wieder herzustellen. Die Ergebnisse der Tests erlauben aber weder eine wirkliche Risikoabschätzung, noch geben sie Aufschluss darüber, welche Reaktoren am besten sofort abgeschaltet werden müssen. Die europäischen Bürgerinnen und Bürger dürfen sich von EU-Energiekommissar Oettinger und in seinem Gefolge von Österreichs Umweltminister Berlakovich, der diese Tests als mutigen Schritt verteidigt hat, nicht hinters Licht führen lassen, wenn diese versuchen die Tests als großen Fortschritt für die atomare Sicherheit zu verkaufen - das sind sie definitiv nicht!" erklärt Ulrike Lunacek, Europasprecherin der Grünen, nach dem Bekanntwerden der beunruhigende Ergebnisse der europäischen Stresstests für Atomkraftwerke und der für morgen avisierten Vorstellung des Berichtes durch Energiekommissar Oettinger.

Lunacek: "Die Prüfungen, die im Rahmen der Stresstests durchgeführt wurden, klammerten viele sicherheitsrelevante Bereiche, wie Risiken durch alternde Technik, überholtes Design, menschliches Versagen oder Terrorismus aus. Keine Beachtung fand auch die Erfahrung mit dem unerwarteten Katastrophenszenario in Fukushima. Zudem hat man nur wenige Reaktoren besucht, die dann auch nicht gründlich inspiziert wurden. Tausende von Rissen im Stahl belgischer Reaktoren wurden im Rahmen der Stresstests gar nicht entdeckt. Absolute Sicherheit, soviel ist seit der Katastrophe von Fukushima klar, kann es jedoch erst geben, wenn wir aus der Hochrisikotechnologie Atomkraft ausgestiegen sind. Wir brauchen keine Tests als Alibi für Günther Oettinger. Was wir brauchen ist eine endgültige Abkehr von der Nutzung der Atomkraft und ein klares Bekenntnis für Erneuerbare und Energieeffizienz in Europa."

Als Sofortmaßnahmen fordert Lunacek vom EU-Energiekommissar zumindest die identifizierten Sicherheitsmängel sofort abzustellen. Die Kosten dafür liegen laut Stresstest-Bericht bei 10 bis 25 Milliarden Euro. Für viele Anlagen werden sich diese Investitionen in verbesserte Sicherheit nur dann lohnen, wenn die Reaktoren noch möglichst lange am Netz bleiben. Damit geht die Befürchtung einher, dass die Stresstests dann von der EU-Kommission als Gütesiegel für alte riskante Atomkraftwerke missbraucht werden und im schlimmsten Fall noch eine Laufzeitverlängerung rechtfertigen. Lunacek: "Diese Befürchtung muss von Energiekommissar Oettinger widerlegt werden. Ein Schritt zu mehr Glaubwürdigkeit wäre, dass er endlich die sofortige Abschaltung für die AKWs fordert, die nach den Stresstests am schlechtesten abschneiden!"

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