"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Letzte Chance: Die Reform der Bildung"

Die Große Koalition muss die Zeit bis zur Wahl noch sinnvoll nutzen.

Wien (OTS) - Also waschen wir weiter den Schmutz der letzten Jahre:
Das ÖBB-Inserat für Schüssel gegen das ÖBB-Inserat für die SPÖ, die Schwarzen hauen den Kanzler, die Roten die Justizministerin - und am Ende steht die Sehnsucht nach einem Erlöser, so widersprüchlich seine Ideen auch sein mögen.
Ja, es ist wichtig, dass die Korruption in all ihren Formen aufgeklärt wird, die Justiz war da in der Vergangenheit manchmal zu ängstlich. Die Methoden des gekauften Journalismus mussten auch aufgedeckt werden, weil die Medien Glaubwürdigkeit brauchen. Aber SPÖ und ÖVP müssen trotzdem das verbliebene Jahr der gerade noch Großen Koalition für einige lebenswichtige Reformen nützen, vor allem im Bereich Bildung.
Und weil das die zuständigen Minister alleine nicht schaffen, muss die Regierung jetzt auf das Rezept zurückgreifen, das ja schon einmal funktioniert hat: Als vor dem Sommer klar war, dass die Gesetze zur Finanzierung der Parteien renoviert werden müssen, setzten sich Minister von Rot und Schwarz zusammen und schafften immerhin ein achtbares Ergebnis. Die Zukunft unserer Kinder sollte mindestens so wichtig sein. Die KURIER-Aktion "Wir verbessern Österreich" zeigt eindeutig, dass die Verbesserung der Schulen das vordringlichste Anliegen der Österreicher ist.
Ideen und Vorschläge gibt es genug. Professor Markus Hengstschläger von der MedUni Wien hat mit anderen Experten eine umfassende Auflistung erarbeitet, die Grundlage von schnellen Maßnahmen sein könnte. Das beginnt beim verpflichtenden zweijährigen Kindergarten und geht über die neue Organisation der Schulen bis zur Lehrerausbildung. Da gibt es auch Vorschläge, die auf Widerstand stoßen werden und solche, die Geld kosten. Wenn die Lehrer 40 Stunden in der Schule arbeiten sollen, wird das nicht allen gefallen. Und das erfordert natürlich ordentlich ausgestattete Arbeitsplätze. Aber die überwiegende Mehrheit der Experten hält genau das für richtig. Also wird die Regierung das nötige Geld finden müssen. Wie gesagt, es geht um unsere Kinder und außerdem um die entscheidende Frage, ob unser Land in zehn oder zwanzig Jahren auch noch international wettbewerbsfähige Produkte herstellen kann. Und genau deshalb müssen sich die wichtigsten Minister zusammensetzen und schnell konkret werden.
Natürlich wird es bei jeder Maßnahme hundert und ein Gründe geben, warum das gerade jetzt nicht geht, es kann auch Blockade von mächtigen Organisationen geben. Aber deshalb heißt es ja Regierung, weil die Damen und Herren fürs Machen bezahlt werden, nicht fürs Reagieren oder fürs Fürchten.
Die öffentliche Meinung lässt sich nicht kaufen, das haben wir ja erlebt. Sie lässt sich aber durch sinnvolle Maßnahmen beeinflussen. Wenn SPÖ und ÖVP nicht in den nächsten Monaten unser Schulsystem neu aufstellen, dann können sie sich die Plakate und Inserate vor den nächsten Wahlen sparen.

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