50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil: ORF III setzt Vatikan-Schwerpunkt

Ab 1. Oktober im Kultur- und Informations-Spartenkanal des ORF

Wien (OTS) - Der Katholizismus steckt in der Krise. Sollten keine außergewöhnlichen Maßnahmen getroffen werden, sei die katholische Kirche dem Tod geweiht. - Keine Zeitdiagnose, sondern die Meinung von Papst Johannes XXIII., der am 11. Oktober 1962, aus tiefstem Glauben heraus und vom Wunsch nach Erneuerung der Kirche beseelt, das Zweite Vatikanische Konzil in Rom einberief. Nach seinem Tod führte Papst Paul VI. das Konzil bis zu seinem Ende 1965 weiter und suchte verstärkt den Dialog mit der modernen Welt. Das Zweite Vatikanum bedeutete die einschneidendste Zäsur der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert und führte zu einer Öffnung der Kirche gegenüber anderen Glaubensrichtungen und Nichtgläubigen, zur Stärkung der Laien im kirchlichen Dienst und einer radikalen Reform der Liturgie, die beispielsweise beinhaltete, dass Messen nicht mehr in Latein, sondern erstmals in der jeweiligen Landessprache gehalten wurden.

Im Oktober jährt sich der Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils zum 50. Mal. Aus diesem Anlass setzt ORF III Kultur und Information einen Vatikan-Schwerpunkt, beleuchtet Voraussetzungen und Auswirkungen des Konzils und lässt auch einen kritischen Blick auf die Gegenwart zu.

Montag, 1. Oktober

Der ORF-III-Doku-Montag steht ganz im Zeichen des Vatikan-Schwerpunkts. Mit Andreas Grubers Dokumentation "Der Kardinal" erinnert ORF III Kultur und Information am Montag um 20.15 Uhr an den langjährigen Erzbischof von Wien, Kardinal Franz König (1905-2004). Er war eine der prägendsten Persönlichkeiten Österreichs im 20. Jahrhundert und galt als Brückenbauer, moralisches Gewissen des Landes oder Wegbereiter der Ökumene und des interreligiösen Dialogs. Obwohl er von vielen geschätzt und respektiert wurde, musste er aufgrund seiner liberalen Haltung auch harte Kritik von Seiten konservativer Kreise hinnehmen.

Um 21.55 Uhr blickt der Film "Der verlorene Krieg des Vatikans" auf die Vergangenheit der katholischen Kirche zurück. In Anbetracht der Tatsache, dass es beim Zweiten Vatikanischen Konzil um die eigentliche Berufung der Kirche und ihrer Identität ging, bringt Patrick Benquets Dokumentation das Dilemma, vor dem die katholische Kirche heute steht, auf den Punkt: Die Geschichte eines Papstes, der den möglichen Einsturz des Hauses Gottes erkannte, dessen Versuche, es zu renovieren, allerdings einen Kampf entfachten.

Den Abschluss des Doku-Montags macht "Benedikt XVI. - ein Porträt" um 22.55 Uhr, ein intimer Blick auf das Leben des Joseph Ratzinger: Was treibt Papst Benedikt XVI. an? Wo liegt der Schlüssel zu seiner Erkenntnis? Wer formte seine Persönlichkeit? Was hat er der Kirche und was der Welt mitzuteilen? Diese Dokumentation zeigt seine jungen Jahre, sein Alltagsleben im Vatikan und ein Exklusivinterview mit seinem Bruder. Im Mittelpunkt stehen zudem seine Kindheit im Nazi-Deutschland, die Freundschaft zu Johannes Paul II., die Regensburg-Krise sowie sein bewegendes Gebet am Ground Zero.

Dienstag, 2. Oktober

Dienstagnacht zeigt ORF III um 0.15 Uhr in der Programmleiste "Fernsehen wie damals" anlässlich des 50. Jahrestages des Zweiten Vatikanums "Best of Club 2: Papst Johannes Paul Superstar" vom 15. Juli 1980. Horst Friedrich Mayer diskutiert mit Bischof Johann Weber, Luise Rinser, dem Theologen Ferdinand Klostermann, Axel Corti und Pia Maria Plechl.

Mittwoch, 3. Oktober

Am Mittwoch nimmt ORF III zwei überaus interessante und doch so unterschiedliche Papstpersönlichkeiten in den Blick: Papst Johannes XXIII., der, aufgeschlossen und volksnah, das Zweite Vatikanische Konzil initiierte, und Papst Pius XII., dessen Duldungspolitik während des Zweiten Weltkriegs ihn zu einer umstrittenen Persönlichkeit machte.

Johannes XXIII. galt als leutseliger Kirchenvater, volksnah, lebensfroh, legendenumrankt. Die Dokumentation "Johannes XXIII. und der Aufbruch" um 22.30 Uhr porträtiert den Bauernsohn Angelo Roncalli aus Bergamo, der als die Lichtgestalt unter den Päpsten des 20. Jahrhunderts betrachtet wird. Kaum einer wurde zu Beginn seines Pontifikats so unterschätzt wie er, kaum einer hat in der katholischen Kirche mehr bewegt als er.

Danach nähert sich um 23.25 Uhr die Dokumentation "Papst Pius XII. und der Holocaust" seinem Vorgänger Eugenio Pacelli, der 1939 inauguriert wurde. "Was wird die Geschichte wohl zu meinem Schweigen sagen?", fragte Papst Pius XII. seinen Mitarbeiter Angelo Giuseppe Roncalli, den späteren Nachfolger im Amt. Die Geschichte urteilt hart über den Stellvertreter Christi. Von den Gläubigen wie ein Heiliger verehrt, von den Kritikern gebrandmarkt als tatenloser Mitwisser des Holocaust. Schon früh hörte der Papst von deutschen Kriegsverbrechen, doch er schweigt. Ob er nicht sehen wollte oder ob es ihm darum zu tun war, Schlimmeres zu verhindern - noch heute gilt Papst Pius XII. unter den Historikern als umstrittene Persönlichkeit.

Rückfragen & Kontakt:

http://presse.ORF.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRF0015