• 28.09.2012, 12:02:45
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Studie: Stark rückläufige Wohnbauförderung 2011 - Allzeittief erreicht - Massiver Rückgang bei Förderungszusicherungen

Frei finanzierter Wohnbau nimmt zu: Arbeitgeber- u. Arbeitnehmervertreter warnen vor Negativkonsequenzen für leistbares Wohnen

Utl.: Frei finanzierter Wohnbau nimmt zu: Arbeitgeber- u.
Arbeitnehmervertreter warnen vor Negativkonsequenzen für
leistbares Wohnen=

Wien (OTS/PWK664) - Im Auftrag des Fachverbandes der Stein- und
keramischen Industrie und der Arge Eigenheim hat das IIBW - Institut
für Immobilien, Bauen und Wohnen die Wohnbauförderungsstatistik für
das Jahr 2011 erstellt. Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des
Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie zum wichtigsten
Ergebnis: "Eine zunehmend steigende Wohnungsnachfrage trifft auf
einen starken Rückgang bei der geförderten Bauleistung. Die damit
verbundene Negativkonsequenz ist eine Verlagerung in Rich-tung frei
finanzierter Wohnbau, der viel stärker vom Kapitalmarkt abhängig ist.
Ein Rückfall bei den Förderungszusicherungen von 34.000 auf ein
Allzeittief von 25.300 im vergangenen Jahr müssen die Alarmglocken
läuten lassen, denn mit 43.300 Wohnungsbewilligungen wurde 2011 so
viel gebaut wie seit Mitte der 90er Jahr nicht mehr. Wir beobachten
die Tendenz zum instabileren freifinanzierten Wohnbau mit Sorge. Die
Wohnbauförderung ist das wichtigste wirtschaftspolitische Instrument
für eine stabile und bedarfsorientierte Wohnungsproduktion".

Abg. z. NR Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender Gewerkschaft
Bau-Holz - Sprecher der Nachhaltig-keitsinitiative UMWELT + BAUEN:
"Jetzt haben wir es Schwarz auf Weiß! Wovor wir als Bausozialpartner
seit der endgültigen Abschaffung der Zweckbindung der
Wohnbauförderung mit 2009 gewarnt haben, wird nun traurige Realität.
Österreich verabschiedet sich vom leistbaren Wohnen. Die
Wohnungskosten steigen in einigen Teilmärkten massiv. Dramatisch ist
es für Haushalte mit niedrigen Einkommen. Dort "ver-schlingen" die
Wohnkosten beim untersten Viertel der Einkommensgruppe in geförderten
Mietwohnungen 36,4 Prozent und in nicht geförderten sogar 43,3
Prozent vom Haushaltseinkommen. Die Politik muss endlich aufwachen
und dem Grundbedürfnis Wohnen zum sozialpolitischen Schwerpunkt
erklären. Seitens der Nachhaltigkeitsinitiative UMWELT + BAUEN haben
wir Instrumente in der Strategie "Wohnen 2020" für leistbares Wohnen
mit zahlreichen Experten erarbeitet. Diese werden der Bundesregierung
noch im Okto-ber vorgestellt. Wir brauchen einen ausgewogenen Mix
zwischen freifinanziertem Wohnbau für jene, die höhere Wohnansprüche
stellen und es sich leisten können, sowie dem geförderten Wohnbau für
einkom-mensschwache Haushalte. Was Österreich international
ausgezeichnet hat, wurde von der Politik abge-schafft. Das ist
unverständlich und nicht nachvollziehbar - leider!".

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

- Anhaltende hohe Wohnungsnachfrage
Die Prognose der Statistik Austria geht von einem
Bevölkerungswachstum von 4% bis 2021 aus. Das sind zusätzlich etwa
333.000 Einwohner bzw. 220.000 Haushalte, mit entsprechenden
Wohnbedürfnissen. Be-sonders stark ist das Wachstum in Wien mit
prognostizierten 6% im kommenden Jahrzehnt.

- Minus 25% bei den Förderungszusicherungen. Rückgang auf Allzeittief

Die Förderungszusicherungen im Neubau gingen innerhalb von nur zwei
Jahren um 25% von fast 34.000 (2009) auf das Allzeit-Tief von nur
noch 25.300 (2011) Einheiten zurück. Besonders stark waren die
Rück-gänge in Wien, im Burgenland, in Salzburg, Niederösterreich und
Vorarlberg. Der Rückgang betrifft die Eigenheimförderung (8.500
Zusicherungen) stärker als den Geschoßwohnbau (16.800 Zusicherungen).

- Konsolidierung der Länderbudgets auf Kosten des Wohnbaus
Mit EUR 2,66 Mrd. hatten die Länder 2011 um 10% niedrigere
Förderungsausgaben als im Jahr zuvor. Der Rückgang betrifft alle
Bereiche, besonders stark aber die Sanierung. Überdurchschnittliche
Rückgänge verzeichnen das Burgenland, Niederösterreich, Salzburg und
Wien.

- Frei finanzierter ersetzt geförderten Wohnbau
2011 wurde der Rückgang der Förderungszusicherungen durch den
derzeitigen Boom bei freifinanziertem Wohnbau kompensiert. Mit 43.300
Wohnungsbewilligungen wurde 2011 so viel gebaut wie seit Mitte der
1990er Jahre nicht mehr. Der Neubau liegt damit nahe am
Wohnungsbedarf.

- Risiken durch den Rückgang der geförderten Bauleistung
Die Verlagerung vom geförderten zum privaten Markt birgt allerdings
wesentliche Gefahren. Während frei-finanzierter Wohnbau sehr rasch
auf eine Verschlechterung der Konjunktur reagiert, ist der geförderte
Wohnbau in der Lage, durch eine stabile Wohnungsproduktion zur
Überwindung wirtschaftlicher Flauten beizutragen. Ein Kippen des
Gleichgewichts zugunsten des freifinanzierten Wohnbaus kann auch dazu
führen, dass es bei leistbaren Wohnungen zu Engpässen kommt.

- Steigende Wohnkosten - vor allem im privaten Bereich.
Die Wohnkosten in Mietwohnungen stiegen 2011 im gemeinnützigen Sektor
im Bereich der Inflationsrate (2,3%), bei privaten Mietwohnungen
deutlich stärker (4,3%). Sinkende Förderungszahlen führen zu
stei-genden Wohnkosten, gerade auch am privaten Markt.

- Massiver Rückgang der Sanierungsförderung
Nicht nur die Sanierungszusicherungen, sondern auch die
Sanierungsausgaben waren 2011 massiv rück-läufig. Mit EUR 700 Mio.
fielen die öffentlichen Investitionen in die Sanierung gegenüber dem
Vorjahr um 14%. Damit wird bei der Schwerpunktverlagerung der
Wohnbauförderung vom Neubau zur Sanierung wieder zurück gerudert.

- Ausgabendynamik bei der Wohnbeihilfe gedreht: Von der Subjekt- zur
Objektförderung
Der bisherige massive Ausgabenanstieg bei der Wohnbeihilfe konnte
2010 gestoppt und 2011 gedreht werden. Die Ausgaben sanken 2011 um 6%
auf EUR 380 Mio. Der Rückgang ist auf verschärfte Regelun-gen bei der
"allgemeinen Wohnbeihilfe" und die Einführung der bedarfsorientierten
Mindestsicherung zu-rückzuführen. Angesichts noch stärker sinkender
anderer Förderungskomponenten ist ihr Anteil an den Gesamtausgaben
dennoch auf 15% gestiegen.

- Kosten der Wohnbauförderung
Die Ausgaben von Bund, Ländern, Gemeinden und Energieversorgern für
den Wohnbau beliefen sich 2011 auf rund 0,8% des
Brutto-Inlandsprodukts. Dieser Wert liegt deutlich unter jenen vieler
westeuropäischer Länder.

Dazu Wolfgang Amann, als IIBW-Chef für die Studie verantwortlich:
"Das Kosten-Nutzen-Verhältnis fällt bei der Wohnbauförderung
ausgesprochen positiv aus. Mit im internationalen Vergleich moderaten
Kosten wird eine Performance im europäischen Spitzenfeld erreicht."

Andreas Pfeiler abschließend: "Die Wohnbauförderung ist das
Herzstück des österreichischen woh-nungspolitischen Modells, das aus
gutem Grund als eines der besten Europas gilt. Die Wohnbauförderung
hat massive wirtschaftspolitische Wirkungen, etwa die Stabilisierung
der Wohnungsmärkte, die Stabilisierung der Bauproduktion oder die
Sicherung von Arbeitsplätzen. Die Wohnbauförderung aktiviert in
enormem Ausmaß privates Investitionskapital und forciert Innovation.
Wohnen trägt wie kaum ein anderer Bereich zur gesellschaftlichen
Integration bei. Wir brauchen ein langfristig gesichertes und gut
austariertes System der Wohnbauförderung, dass einer
bedarfsorientierten Zweckbindung folgt."

Die Studie ist in der Langfassung unter www.iibw.at/wbf2011 zum
Download bereit. (US)

WEITERE INFORMATIONEN
Dr. Andreas Pfeiler
Fachverband der Stein- und keramischen Industrie
steine@wko.at
Tel. 0590 900 3531

Abg. z. NR Josef Muchitsch
Gewerkschaft Bau-Holz
josef.muchitsch@gbh.at
Tel. 01 40147 246

Dr. Wolfgang Amann
IIBW office@iibw.at
Tel. 01 968 6008

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