Ärztekammer besorgt über Anstieg bei Übergewicht und Adipositas

Mix an umfassenden Maßnahmen gefordert - Szekeres nimmt auch die Betriebe in die Pflicht

Wien (OTS) - Besorgt reagiert die Ärztekammer auf den soeben veröffentlichten Ernährungsbericht 2012. Die Ergebnisse zeigten, dass zukünftig noch viel mehr Anstrengungen unternommen werden müssten, um die Österreicher zu einer gesunden Lebensführung zurückzuführen, betonte Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres in einer ersten Stellungnahme. ****

Dabei sei es notwendig, einen "ganzen Mix an Maßnahmen" zu ergreifen. Es reiche nicht aus, lediglich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen auf die Gefahren durch Übergewicht in Form von Vorsorgebroschüren und Pressekonferenzen hinzuweisen. Vielmehr müsste man "multidimensional ansetzen, um zu einem langfristigen Erfolg zu kommen".

Szekeres denkt hier einerseits an ordnungspolitische (command-and-control) sowie ökonomische Marktmaßnahmen, weiters an Selbstverpflichtungen (soft law) sowie - als vierte Säule - an begleitende informationsgestützte Maßnahmen. Ein solch umfassendes Konzept fehle in Österreich aber, kritisiert der Ärztekammerpräsident.

Es gebe zwar zahlreiche und sehr vielfältige Lebensmittel- und Produktinformationen, die täglich über Zeitungen, Zeitschriften, Medien, Broschüren und Bücher verbreitet würden. Aber: "Je mehr Handlungsempfehlungen für gesunde Ernährung herausgegeben werden, umso größer ist auch die Verunsicherung beim Konsumenten." Zudem seien bereits (zu) viele Berufsgruppen mit der Thematik Ernährung befasst. Auch das führe zu Verwirrungen aufgrund von unterschiedlichen Experten- und Laienmeinungen, wodurch viele Menschen sprichwörtlich "das Handtuch werfen" würden.

Ein weiteres Problem: Noch immer überwiegen beim Thema Übergewicht und Adipositas die negativen psychosozialen Aspekte wie Verunsicherung, Angst und Befürchtungen, Schuldzuweisungen, Stigmatisierung und Diskriminierung. Hier gelte es, von dieser Schiene wegzukommen und den Menschen klarzumachen, dass Übergewicht eine Krankheit wie jede andere sei, der man auf multiprofessioneller Ebene begegnen müsse, so Szekeres.

Familiäres und berufliches Umfeld einbeziehen

Um aus dem "Eck der Stigmatisierung" herauszukommen, sei jedenfalls das Engagement von vielen Personengruppen gefragt. Neben dem familiären Umfeld und dem Freundeskreis müssten vor allem die Kindergärten und die Schulen verstärkt in Vorsorgeprogramme einbezogen werden, genauso wie später die Betriebe. Szekeres: "Ab einer bestimmten Größe ist ein Betrieb verpflichtet, arbeitsmedizinische Betreuung zu finanzieren. Warum kann man das nicht ausweiten und beispielsweise Kooperationen mit Fitnessstudios eingehen?" Oft fehle nur der letzte Anstoß aus dem Umfeld eines Menschen, um für ihn mehr Bewegung und eine ausgewogene Ernährung zu erreichen.

Wobei Szekeres auch die Verantwortung der Ärzteschaft nicht aussparen will: "Auch wir müssen verstärkt den Vorsorgegedanken in die Ordinationen bringen. Es reicht nicht aus, den Patienten erst nach 'erledigtem' Übergewicht mit seinen Folgeerkrankungen zu therapieren." Vielmehr müssten die Ordinationen zu "Gesundheitszentren" werden, die sich verstärkt dem Vorsorgegedanken widmeten. Das müsste dann aber auch im Leistungskatalog der Krankenkassen seinen Niederschlag finden, fordert Szekeres. (hpp)

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