• 28.09.2012, 11:31:20
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Ärztekammer besorgt über Anstieg bei Übergewicht und Adipositas

Mix an umfassenden Maßnahmen gefordert - Szekeres nimmt auch die Betriebe in die Pflicht

Utl.: Mix an umfassenden Maßnahmen gefordert - Szekeres nimmt auch
die Betriebe in die Pflicht=

Wien (OTS) - Besorgt reagiert die Ärztekammer auf den soeben
veröffentlichten Ernährungsbericht 2012. Die Ergebnisse zeigten, dass
zukünftig noch viel mehr Anstrengungen unternommen werden müssten, um
die Österreicher zu einer gesunden Lebensführung zurückzuführen,
betonte Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres in einer ersten
Stellungnahme. ****

Dabei sei es notwendig, einen "ganzen Mix an Maßnahmen" zu
ergreifen. Es reiche nicht aus, lediglich in mehr oder weniger
regelmäßigen Abständen auf die Gefahren durch Übergewicht in Form von
Vorsorgebroschüren und Pressekonferenzen hinzuweisen. Vielmehr müsste
man "multidimensional ansetzen, um zu einem langfristigen Erfolg zu
kommen".

Szekeres denkt hier einerseits an ordnungspolitische
(command-and-control) sowie ökonomische Marktmaßnahmen, weiters an
Selbstverpflichtungen (soft law) sowie - als vierte Säule - an
begleitende informationsgestützte Maßnahmen. Ein solch umfassendes
Konzept fehle in Österreich aber, kritisiert der
Ärztekammerpräsident.

Es gebe zwar zahlreiche und sehr vielfältige Lebensmittel- und
Produktinformationen, die täglich über Zeitungen, Zeitschriften,
Medien, Broschüren und Bücher verbreitet würden. Aber: "Je mehr
Handlungsempfehlungen für gesunde Ernährung herausgegeben werden,
umso größer ist auch die Verunsicherung beim Konsumenten." Zudem
seien bereits (zu) viele Berufsgruppen mit der Thematik Ernährung
befasst. Auch das führe zu Verwirrungen aufgrund von
unterschiedlichen Experten- und Laienmeinungen, wodurch viele
Menschen sprichwörtlich "das Handtuch werfen" würden.

Ein weiteres Problem: Noch immer überwiegen beim Thema Übergewicht
und Adipositas die negativen psychosozialen Aspekte wie
Verunsicherung, Angst und Befürchtungen, Schuldzuweisungen,
Stigmatisierung und Diskriminierung. Hier gelte es, von dieser
Schiene wegzukommen und den Menschen klarzumachen, dass Übergewicht
eine Krankheit wie jede andere sei, der man auf multiprofessioneller
Ebene begegnen müsse, so Szekeres.

Familiäres und berufliches Umfeld einbeziehen

Um aus dem "Eck der Stigmatisierung" herauszukommen, sei
jedenfalls das Engagement von vielen Personengruppen gefragt. Neben
dem familiären Umfeld und dem Freundeskreis müssten vor allem die
Kindergärten und die Schulen verstärkt in Vorsorgeprogramme
einbezogen werden, genauso wie später die Betriebe. Szekeres: "Ab
einer bestimmten Größe ist ein Betrieb verpflichtet,
arbeitsmedizinische Betreuung zu finanzieren. Warum kann man das
nicht ausweiten und beispielsweise Kooperationen mit Fitnessstudios
eingehen?" Oft fehle nur der letzte Anstoß aus dem Umfeld eines
Menschen, um für ihn mehr Bewegung und eine ausgewogene Ernährung zu
erreichen.

Wobei Szekeres auch die Verantwortung der Ärzteschaft nicht
aussparen will: "Auch wir müssen verstärkt den Vorsorgegedanken in
die Ordinationen bringen. Es reicht nicht aus, den Patienten erst
nach 'erledigtem' Übergewicht mit seinen Folgeerkrankungen zu
therapieren." Vielmehr müssten die Ordinationen zu
"Gesundheitszentren" werden, die sich verstärkt dem Vorsorgegedanken
widmeten. Das müsste dann aber auch im Leistungskatalog der
Krankenkassen seinen Niederschlag finden, fordert Szekeres. (hpp)

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