Austropapier: Österreich muss Führungsrolle beim Zukunftsthema Bio-Ökonomie anstreben!

Branche im ersten HJ stabil - Plus bei Investitionen bekräftigt Bekenntnis zum Standort Österreich - Investitionssicherheit und Belastungsstopp dringend erforderlich

Wien (OTS/PWK659) - Die Eintrübung der globalen Konjunkturaussichten und der Abschwung der Industriedynamik in der Eurozone hinterlassen auch in der heimischen Zellstoff- und Papierindustrie, sowie bei deren Kunden und den Endverbrauchern der Papier- und Verpackungsprodukte, deutliche Spuren. "Mit einem Plus von gerade einmal 0,1% gegenüber 2011 bei Zellstoff und Papier liegt die Entwicklung der Produktion in Österreich immer noch unter den bestgereihten Ländern Europas. Träger dieses Trends bleibt der Export, der bei Papier, Karton und Pappe um 3,4%, bei Zellstoff um 2,6% anstieg. Nur wenige Unternehmen konnten ihre Umsätze bzw. Nettoergebnisse steigern. Für das zweite Halbjahr erwarten wir eine zunehmende Verschärfung des Standortwettbewerbes und steigenden Druck auf die Ertragslage", brachte Dkfm. Wolfgang Pfarl, Präsident der Austropapier - Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie, die aktuelle Situation der Branche anlässlich der Jubiläen 100 Jahre ÖZEPA und 140 Jahre Austropapier auf den Punkt. Pfarl weiter: "Wir appellieren an die Politik, mit wichtigen Standortfaktoren wie Rohstoffversorgung, Umwelt- und Energiepolitik sorgsam umzugehen und keine weiteren Belastungen für Unternehmen zuzulassen - umso mehr, als unsere Branche mit einem deutlichen Aufwärtstrend bei den Investitionen ein klares Bekenntnis zum Standort Österreich abgibt. Im Gegenzug darf Österreichs Politik die Schwerpunktsetzung auf das Zukunftsthema Bio-Ökonomie und die biobasierte Industrie, wie sie auf EU-Ebene sowie in Deutschland, den Niederlanden und in Skandinavien bereits eingeleitet wurde, nicht verschlafen, sondern muss hier eine Führungsrolle anstreben".

Standortwettbewerb nimmt deutlich zu
Nur in Ungarn, Tschechien, Polen, Rumänien, Belgien und Österreich konnte die Papierherstellung im ersten Halbjahr gegenüber dem Vergleichszeitraum 2011 gesteigert werden - in allen anderen Ländern musste die Branche teilweise signifikante Einbrüche hinnehmen, wobei die durchschnittliche Produktionsentwicklung in Europa bei minus 3,5% lag. Ähnlich die Situation bei Zellstoff - auch hier blieb Österreich mit einem leichten Plus von 0,1% unter den Top 4 Europas, der Durchschnitt lag bei minus 2,5%. "Die europäische Statistik zeigt bei allen Papiersorten außer Hygienepapieren (plus 1,3%) fallende Tendenz, bei grafischen mit minus 6,4% stärker als bei Verpackungspapieren mit minus 2,3%. Dass es sich beim Rückgang in der Papierproduktion um einen globalen Trend handelt, bestätigen auch die Zahlen aus Kanada (minus 12,6%), den USA (minus 1,2%), sowie Brasilien und Japan (minus 0,5%), sowie. Nur China verzeichnete zuletzt mit einem Plus von rund 10% weitere Zuwächse. Dies zeigt den enormen Standortdruck, der in Europa wirksam wird, und dem auf allen Ebenen - im Betrieb, aber auch bei den Rahmenbedingungen auf der wirtschaftspolitischen Ebene - entgegen gewirkt werden muss", unterstrich DI Dr. Max Oberhumer, Präsident der ÖZEPA -Österreichische Vereinigung der Zellstoff- und Papierchemiker und -techniker.

Neuinvestitionen als Bekenntnis zum Standort Österreich
Trotz schwierigem Marktumfeld gibt die heimische Zellstoff- und Papierindustrie ein klares Bekenntnis zum Standort Österreich ab -die seit acht Jahren anhaltende Abwärtsspirale bei den Investitionen wird heuer erstmals durchbrochen. "Mit den Entscheidungen zum Bau einer neuen Papiermaschine in Pöls (Zellstoff Pöls AG, geplantes Investvolumen 115 Mio Euro) und eines neuen Laugenkessels in Frantschach (Mondi Frantschach, geplantes Investvolumen 60 Mio Euro), sowie weiteren Investitionsschüben etwa bei Schweighofer Fiber in Hallein (Umrüstung auf Textilzellstoff, geplantes Investvolumen 53 Mio Euro), und Verbesserungen der Ressourcen- und Energieeffizienz an anderen Standorten, treiben die Unternehmen ihre Zukunftsstrategien voran. Wir appellieren an die Bundesregierung, diese Bemühungen mit zukunftsgerichteter Politik bestmöglich zu unterstützen", forderten Austropapier-Vizepräsident DI Christian Skilich, Operations Director Mondi Europe & International, und ÖZEPA-Vizepräsident DI Dr. Kurt Maier, CEO der Zellstoff Pöls AG.

Forderungen an die Politik
Der Papierindustrie geht es dabei konkret vor allem um drei Punkte, bei denen sie Handlungsbedarf der Politik dringend gegeben sieht:
- Investitionssicherheit statt neuer Belastungen: "Am Beispiel des europäischen CO2-Emissionshandels zeigt sich das Dilemma politischer Eingriffe in marktbasierte Instrumente. In Zeiten, in denen die europäische Industrie neue Impulse für Wachstum und Innovationen dringend benötigt, sind Korrekturen wie die von der EU-Kommission geplante Verknappung von CO2-Zertifikaten zur Erhöhung des CO2-Preises, sowie die Aufhebung der "carbon leakage"-Regelung ohne global verpflichtendes Klimaschutz-Abkommen, strikt abzulehnen. Kompensationszahlungen für gestiegene Strompreise an energieintensive Betriebe, wie sie etwa in Deutschland und Norwegen vorgesehen sind, müssen auch bei uns ernsthaft auf Umsetzung geprüft werden", fordert Dr. Max Oberhumer.

- Biomasse-Versorgungsstrategie und kaskadische Nutzung von Holz:
"Durch den starken Ausbau der Ökostromerzeugung aus forstlicher Biomasse mussten die Holzimporte der Zellstoff- und Papierindustrie seit 2005 mehr als verdoppelt werden und nehmen bereits einen Anteil von über 37% am gesamten Holzbezug ein. Steigende Einspeisetarife für feste Biomasse würden diese Rohstoffknappheit und Preisspirale weiter verschärfen", erläutert Dr. Kurt Maier. Darüber hinaus könnte die weitere Anhebung der Einspeisetarife nach Expertensicht rechtswidrig sein. "Stattdessen ist die kaskadische Nutzung von Holz - stofflich vor energetisch - zur Optimierung der Wertschöpfung und des Green-Job-Potenzials als Eckpfeiler zukünftiger Fördersysteme zu forcieren und eine bundesweite Biomasse-Versorgungsstrategie auszuarbeiten", so Maier.

- Sektorspezifische Politiken und Innovationspartnerschaften: "Die Zellstoff- und Papierindustrie wird mit ihren Produkten und ihrer Innovationskraft als Rohstoff- und Recyclingdrehscheibe zum Herzstück der biobasierten Industrie, die Produkte auf Basis nachwachsender Rohstoffe wie Holz mit entsprechender technologischer Kompetenz herstellt. Dazu wurde von unserem europäischen Branchenverband CEPI die "2050 Roadmap to a low-carbon bio-economy" ausgearbeitet. Gerade bei sektorspezifischen Politikfeldern wie Rohstoffversorgung, Ressourceneffizienz, Recycling, Energieeffizienz und dem Ausbau von KWK-Anlagen muss sich jetzt auch die heimische Politik mit den Herausforderungen und Potenzialen der Branche individuell auseinandersetzen, um die Unternehmen auf ihrem Weg zur Bio-Ökonomie bestmöglich zu unterstützen", appellierte DI Christian Skilich.

Zukunftsthemen bei Jubiläen 100 Jahre ÖZEPA und 140 Jahre Austropapier im Vordergrund
Unter Bio-Ökonomie wird die nachhaltige Nutzung biologischer Ressourcen verstanden. Neben der Zellstoff- und Papierindustrie umfasst sie Branchen wie Land- und Forstwirtschaft, Holzindustrie, Textil, Chemie, Energie und Umwelttechnologie. "Ausgehend von ersten Potenzialerhebungen des BMVIT müssen nun die Aktivitäten ausgebaut und auf politischer Ebene gebündelt werden. Dies wäre nicht nur ein wichtiger standortpolitischer Impuls, sondern auch ein notwendiger Beitrag zum Klimaschutz und zur Schaffung von Green Jobs. Dabei kann auf Erfolgsmodellen wie der Kooperationspartnerschaft Forst Holz Papier FHP, sowie dem Wissens- und Kompetenznetzwerk unserer Organisationen Austropapier und ÖZEPA aufgebaut werden", hielt Austropapier-Geschäftsführer DI Oliver Dworak fest.
Anlässlich der Jubiläen 100 Jahre ÖZEPA und 140 Jahre Austropapier standen dies und andere Zukunftsthemen im Vordergrund. Spitzenvertreter wichtiger Wegbegleiter des Papierindustrie-Verbandes, wie Forschungsförderungsgesellschaft, Umweltbundesamt und Energieagentur, analysierten gemeinsam Erfolge, Leistungen und neue Herausforderungen der Branche. Den Höhepunkt der Festveranstaltung bildete die Preisverleihung des branchenweiten Lehrlingsfoto-Wettbewerbes "(M)eine Zukunft mit Papier". Dabei zeigte sich, dass auch bei Jugendlichen die Nachhaltigkeit, der nachwachsende Rohstoff Holz und das Altpapierrecycling, eine moderne und umweltfreundliche Papierproduktion, sowie Erfolgsfaktoren der Branche wie Arbeitssicherheit und Teamarbeit einen hohen Stellenwert einnehmen. (US)

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