Journalistenworkshop: "Influenza - Ein Gesundheitsrisiko?"

Eine Veranstaltung der Österreichischen Apothekerkammer in Kooperation mit dem Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH)

Wien (OTS) -

Diese Meldung wurde korrigiert Neufassung in Meldung OTS0095 vom 28.09

In Grippewellen mit besonders schwerem Verlauf können
sich pro Jahr rund 840.000 Österreicher mit einer saisonalen Grippe wie der Influenza infizieren. Junge und ansonsten gesunde Erwachsene überstehen eine Influenza meist gut und sind nach ein bis zwei Wochen wieder wohlauf. Ganz anders kann es dagegen Menschen ergehen, die über 50 Jahre alt sind, ein Grundleiden wie z.B. Asthma, eine Gefäßerkrankung, eine Herzkrankheit, Diabetes oder ein Nierenleiden haben, oder etwa schwanger sind. Sie alle haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Influenza-Erkrankung und für damit verbundene Komplikationen, die im schlimmsten Fall bis zum Tod führen können. Selbst wenn die Influenza eine "bekannte" Erkrankung darstellt, wird diese in der Bevölkerung nach wie vor unterschätzt. Die Influenza ist in Österreich für mehr als 1.000 Todesfälle(1) pro Jahr verantwortlich. Im Rahmen eines Journalistenworkshops diskutierten renommierte Experten verschiedener Fachrichtungen ob und inwiefern die Influenza ein Gesundheitsrisiko darstellt. +++

Am 27. September fand in der Hollmmann Beletage ein Journalistenworkshop zum Thema "Influenza - Ein Gesundheitsrisko?" statt. Den Medienvertretern wurden dabei informative Vorträge zum aktuellen Forschungsstand präsentiert. Weiters hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, mit Experten aus verschiedenen medizinischen Fachgebieten eingehend über die Influenzaerkrankung, die speziellen Risikogruppen und Risiko-Nutzendarstellung der Influenzaimpfung zu diskutieren.

Erkrankungsrisiken nach Altersgruppen

In epidemischen Influenza-Saisonen infizieren sich zwischen fünf und zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung mit dem Influenzavirus, viele davon erkranken daran..Auf Österreich umgelegt, sind das im Schnitt 840.000 Menschen pro Jahr.(2) Dabei sind Personen ab 65 Jahren am meisten gefährdet: Mehr als 60 Prozent aller Influenza-assoziierten Hospitalisierungen und 90 Prozent aller Todesfälle fallen in diese Altersgruppe.(3) In Abhängigkeit vom dominanten Virusstamm schwankt die Zahl der jährlichen Todesfälle zwischen 400 und maximal 4.000.(4)

Zusammensetzung der Influenzaseren für 2012/2013

Um den Ausbruch von Epidemien zu vermeiden, ist laut Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt von der Österreichischen Referenzzentrale für Impfungen, Reise- und Tropenmedizin des Bundesministeriums für Gesundheit, eine Durchimpfungsrate von ca. 50 bis 75 Prozent erforderlich. Da sich die Oberflächen-antigene der Influenzaviren laufend verändern, ist eine jährliche Impfung mit dem jeweils angepassten Impfstoff erforderlich. Die Zusammensetzung wird jedes Jahr gemäß den Empfehlungen der WHO an die jeweils kursierenden Influenza-Subtypen angepasst.

In der Saison 2012/2013 hat die WHO folgende Empfehlung für die Zusammenstellung der Influenzaimpfstoffe für die nördliche Hemisphäre herausgegeben:

  • H1N1: A/California/7/2009
  • H3N2: A/Victoria/361/2011
  • B: Wisconsin/1/2010

Die Durchimpfungsraten in Europa sind generell, und in Österreich im Speziellen, sehr niedrig: In Österreich lag sie 2008 bei Personen älter als 65 Jahre bei etwa 37 Prozent, bei Personen jünger als 65 Jahre bei 24 Prozent.(5) Nach der pandemischen Influenza 2009 ist die Impfbeteiligung laut der abgegebenen Impfdosen(6) um vieles niedriger geworden und ist in der Gruppe der ältesten Personen weit unter 20 Prozent abgesunken. "Gründe für eine geringe Bereitschaft sich impfen zu lassen liegen einerseits in der Angst vor Nebenwirkungen, und andererseits in der Annahme, dass die Impfung nicht protektiv wirksam sei", erklärt Wiedermann-Schmidt.

Das Leben ist riskant

Zu den Aufgaben des BASG und der AGES gehört unter anderem auch zu überprüfen, ob Risiko und Nutzen eines Arzneimittels in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen und wie diese Effektgrößen verständlich dargestellt werden können. Univ.-Prof. Dr. Marcus Müllner, Verfahrensleiter im Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG/AGES), erklärt: "Ziel ist es, den Patienten und Ärzten eine Basis zur Verfügung zu stellen, auf der sie die Entscheidung für oder gegen ein Arzneimittel treffen können. Dabei liegt es in der Natur des Menschen, dass er Zahlen schlecht versteht und Risiken noch weniger gut."

Risikoverminderung durch eine Influenza-Impfung

Dazu hat der Verband der Österreichischen Impfstoffhersteller gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit, der Österreichischen Ärztekammer und der Österreichischen Apothekerkammer je einen Informations-Broschüre für Ärzte und Patienten entwickelt, die das Erkrankungsrisiko und die Risikoverminderung durch eine Impfung in absoluten Zahlen darstellt: In der Altersgruppe der 18 bis 65-Jährigen liegt das Infektionsrisiko bei zehn Prozent, das Risiko einer Influenza-assoziierten Hospitalisierung bei 0,02 Prozent und das Risiko an einer Influenza zu sterben bei 0,004 Prozent. Das klingt zunächst wenig gefährlich. Auf Österreich umgelegt und in absoluten Zahlen ausgedrückt entspricht das 1.034 Hospitalisierungen und 21 Todesfällen.(7) Das Risiko an einer Influenza zu erkranken kann durch eine Impfung beträchtlich gesenkt werden - vor allem in der Altersgruppe von 18 bis 65 Jahren. Eine Impfung schützt die Mehrheit vor einer Infektion (8.000 von 10.000 Menschen), bewahrt statistisch gesehen 18 von 20 Personen vor einer Hospitalisierung und bewahrt, verglichen mit dem Todesrisiko von 0,0004 Prozent, praktisch alle vor dem Tod. Eine Impfung schützt in der Generation 65plus mehr als die Hälfte (5.500 von 10.000) Menschen, bewahrt 255 von 520 Menschen vor der Hospitalisierung und schützt fast die Hälfte, also 46 von 98 Personen, vor dem Tod.(8)

Die Beobachtung des zeitlichen Verlaufs der influenza-assoziierten Übersterblichkeit über mehrere Grippewellen kann einen Hinweis auf die Effektivität der jährlichen Influenzaimpfung geben. Dr. Daniela Schmid, Leiterin der Abteilung für Infektionsepidemiologie, Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), schätzte die influenza-assoziierte Übersterblichkeit (Influenza-assoziierte Exzessmortalität) für die Influenza-Saisonen 2000/2001 bis 2010/2011 (neue, aktualisierte Daten(9)) auf Basis der Gesamtmortalitätsdaten der österreichischen Bevölkerung und der jährlichen Influenza-Aktivität. Höchstwerte wurden für die Saisonen 2002/2003, 2004/2005 und 2008/2009 berechnet. "Die altersgruppen-spezifische Analyse erbrachte eine deutlich höhere influenza-assoziierte Übersterblichkeit bei über 65-Jährigen im Vergleich zu den 0- bis 65-Jährigen", erklärt Schmid. Sie präsentierte eine gangbare Methode zur Einschätzung der Influenza-Mortalität mit der die Effektivität von Impfprogrammen beurteilt werden kann.

Ztwl.: Impfen in der Schwangerschaft: So wenig wie möglich aber so viel wie nötig

Univ.-Prof. Dr. Herbert Kiss betonte, dass Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch eine besondere Risikogruppe im Bezug auf die Influenza darstellen. "Besonders schwere Verläufe können Infektionen mit dem Influenzavirus während dem zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft annehmen", führt Univ.-Prof. Dr Kiss weiter aus. "In den meisten Fällen wird die Influenza mit Symptomen wie Fieber, Kopf-und Gliederschmerzen und Laryngitis durch eine Bronchitis und Pneumonie kompliziert, die eine intravenöse Verabreichung von Antibiotika notwendig machen. Die schwere Allgemeinerkrankung der Schwangeren kann zu vorzeitigen Wehen und je nach Schwangerschaftswoche zu einer drohenden Frühgeburt führen", so der Herbert Kiss.

Impfen schützt - bei geringen Nebenwirkungen

Die Impfung wird intramuskulär verabreicht und ist allgemein sehr gut verträglich, sofern zum Impfzeitpunkt keine Erkrankung vorliegt. Als Ausdruck der normalen Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff können Lokal- und Allgemeinreaktionen auftreten, die in der Regel binnen 1-2 Tagen ohne Behandlung wieder abklingen. Lokalreaktionen sind z.B. eine Rötung, Schwellung, Schmerzen an der Einstichstelle, Allgemeinreaktionen sind z.B. Kopfschmerzen, Unwohlsein, Übelkeit, Fieber.(10) Der beste Zeitpunkt für die Impfung ist zwischen Oktober und Dezember. Auch während der Grippewelle ist die Impfung noch sinnvoll, solange noch keine Ansteckung erfolgt ist bzw. noch keine Krankheitszeichen auftreten.

Influenza-Aktion startet in den Apotheken - Alle Grippeimpfstoffe um Euro 4 günstiger

Als einzig wirksamen Schutz gegen die gefährliche Infektionskrankheit sieht auch die Österreichische Apothekerkammer die Impfung. Daher starten die österreichischen Apotheken ab 1. Oktober auch heuer wieder eine Preisaktion für Influenza-Impfstoffe. Drei Monate lang, bis 31. Dezember, werden alle Influenza-Impfstoffe für Erwachsene um 4 Euro günstiger und der Influenza-Impfstoff für Kinder um 2 Euro günstiger abgegeben. Die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter (BVA) gewährt ihren Versicherten zusätzlich zu der 4-Euro-Aktion einen Zuschuss von jeweils 12 Euro pro Impfstoff.

Mag. pharm. Dr. Christian Müller-Uri, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer erläutert die Wichtigkeit von Impfaktion: "Die 1.320 Apotheken in Österreich haben eine lange Tradition in der Impfberatung und führen jedes Jahr mehrere Impfaktionen durch. Neben der Influenza-Aktion sind das die Aktionen zu Hepatitis, FSME, Pneumokokken und Meningokokken. Die Impfaktionen in den Apotheken helfen mit, die Impfraten zumindest stabil zu halten, sie im besten Fall zu erhöhen. Leider haben wir bei der Influenza mit sinkenden Durchimpfungsraten zu kämpfen. Wir hoffen, dass unsere Aktion ein Beitrag zu einer besseren Durchimpfung ist."

(1) Österreichischer Impfplan 2011 (www.bmg.gv.at)
(2) nach: Jeffeson T et al, Cochrane Database Syst Rev, CD00129, 2010 (7), pub4
(3) Kuo H et al, Wiener Klinische Wochenschrift 2011:1-6
(4) Redlberger-Fritz M et al.: Attributable deaths due to influenza:
a comparative study of seasonal and pandemic influenza. Eur J Epidemiol 2012;e-pub: 2012/06/08;doi:10.1007/s10654-012-9701-y (5) Universität Zürich, 2008: Seasonal Influenza Vaccination in Europe
(6) ÖVIH 2012
(7) Statistik Austria, Bevölkerungsstand 2010 (19.5.2011)
(8) Influenza: Broschüre des BMG, der ÖÄK, der Österreichischen Apothekerkammer und des Verband der Österreichischen Impfstoffhersteller - 2012
(9) Influenza-related Excess Mortality: Daniela Schmid, Erica Simons, Hung-Wei Kuo Yu-Lun Liu, Peter Lachner, Franz Allerberger - Austrian Agency for Health and Food Safety (AGES), Vienna, Austria
(10)Patientenbroschüre Influenza; ÖVIH (Österr. Verband der Impfstoffhersteller) mit Unterstützung des BMG. Geprüft und freigegeben von AGES/BASG

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.

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